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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Fremdenheim- und Gastgewerbes, die von den Mitgliedern des
örtlichen Fremdenverkehrsvereines in allen einschlägigen
Fragen die beste und gründlichste Sachkenntnis zu haben
pflegen, sollten deshalb dafür sorgen, daß die Arbeitsgebiete
des Verkehrs- oder Kurdirektors und die des Fremdenverkehrs-
vereines scharf abgegrenzt werden. Es liegt im allseitigen
Interesse. Sonst kann es sehr leicht vorkommen, daß wertvolle
Anregungen nicht gegeben werden und wichtige Arbeiten unter-
bleiben, weil die eine der zwei nebeneinander bestehenden
Kompetenzen es zu vermeiden wünscht, in die vermeintliche
Interessensphäre des anderen einzudringen. Ich glaube, daß aus
gar manchem Kurort und aus gar mancher verkehrsreichen
Stadt derartige unliebsame Erfahrungen gemeldet werden
können. Und ich glaube ferner, daß gar manche Arbeit nur
deswegen nicht geleistet wurde, weil zwischen den Parteien
schwebende, aber nicht greifbare Eifersüchteleien es ver-
hinderten.
In den Verkehrsvereinen sollte die Führung und Initiative
bei jenen aktiven Mitgliedern liegen, die Hotels, Fremdenheime
oder andere Gaststätten leiten. Den Hauptgrund dafür habe ich
schon genannt: weil sie die meiste und beste Sach- und Fach-
kenntnis besitzen. Man wird vielleicht einwenden, daß diese
Leute zu sehr Partei seien. Daß sie geneigt sein würden, die
Belange des Fremdenverkehrsvereines nach ihren eigenen
Wünschen zu behandeln und daß sie ihre eigenen geschäftlichen
Interessen zu sehr in den Vordergrund stellen würden. Nun,
auch bei der „anderen Partei“ werden, öfter als man glaubt,
persönliche Ansichten ausschlaggebend und eigene wirtschaft-
liche Interessen maßgebend sein. Wir sind alle Menschen. Bei
den Angehörigen des Hotel-, Fremdenheim- und Gastgewerbes
werden die örtlichen Interessen aber auch fast immer identisch
mit den eigenen sein! Eine Schädigung wäre also kaum jemals
zu befürchten.
Leider ist es aber nicht überall und nicht immer der Fall,
daß diese besten Sachkenner auch die Führung im Verkehrs-
verein haben. Gar oft liegt die materielle Leitung des Vereines
in den Händen von Personen, die wohl einen klangvollen
Namen oder ein einflußreiches öffentliches Amt haben, die aber
gerade infolge ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Stellung in
die sehr vielseitige Materie, die sich Fremdenverkehr betitelt,
nicht genügend eingedrungen und eingeweiht sein können.