Full text: Ferdinand Lassalle

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unterbricht ihn mit der Bemerkung, unter gebildeten 
Leuten sei es üblich, daß man sich begrüße, wenn man zu 
jemandem ins Zimmer trete, und er sei berechtigt, diese 
Höflichkeit vom Direktor zu verlangen. 
Das war dem Herrn Direktor zu viel. Wütend geht er 
auf Lassalle zu, drängt ihn ans Fenster zurück und schreit 
mit möglichst lauter Stimme und unter Begleitung von 
Gestikulationen sämtlicher Gliedmaßen: .Hören Sie- Sie 
sind hier mein Gefangener und weiter nichts, Sie haben 
sich der Hausordnung zu fügen, und wenn Ihnen daö 
nicht beliebt, so werde ich Sie ins Cachot werfen lassen, 
und es kann Ihnen noch Ärgeres passieren!' 
Hierauf wurde Lassalle ebenfalls heftig und erklärte 
dem Direktor, er habe kein Recht, ihn nach der Haus 
ordnung zu bestrafen, da er Untersuchungsgefangener 
sei; das laute Schreien nütze nichts und beweise nichts; 
wenn dies Haus auch ein Gefängnis sei, so sei hier doch 
sein Zimmer, und wenn der Direktor (mit dem Finger 
zeigend) hier bei ihm eintrete, so habe er ihn zu 
grüßen. 
Jetzt verlor der Direktor alle Besinnung. Er rückte 
Lassalle dicht auf den Leib, holte weit mit ausgestrecktem 
Arm aus und schrie: .Gestikulieren Sie nicht mit Ihrem 
Finger, oder ich schlage Ihnen gleich mit eigner Hand 
eine ins Gesicht, daß...' 
Lassalle forderte sofort den Jnstruktionsrichter zum 
Zeugen für diese unerhörte Mißhandlung auf und stellte 
sich unter seinen Schutz. Der Jnstruktionsrichter suchte 
nun den Direktor zu besänftigen, was aber erst gelang, 
nachdem derselbe die Drohung mit Ohrfeigen noch 
mehrere Male wiederholt hatte.
	        
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