Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Zahlungen,  Staats-,  Gemeinde-  und  Semstwo-Abgaben  abzuzahlen.  Was
können  dem  Bauern  aus  Zentralrussland,  der  meistens  nicht  für  den
Markt  produziert,  auch  nicht  als  Getreidekäufer  auftritt  und  der  nur
bares  Geld  nötig  hat,  ein  Sinken  der  Getreidepreise  nützen  oder  schaden,
wenn  seine  Rückstände  wachsen?  Um  die  Aenderungen  in  dem  Standard
of  life  der  Landarbeiter  in  Neurussland  —  sowohl  der  einheimischen,
als  auch  insbesondere  der  Wanderarbeiter  —-  festzustellen,  sind  also
nicht  nur  die  Aenderungen  in  den  Getreidepreisen,  sondern  auch  die  in
den  Rückständen  in  Betracht  zu  ziehen.  Ausserdem  sind  bei  der  Untersuchung ­
  des  Reallohnes  zu  unterscheiden  die  Arbeitslöhne  ohne  und
dieselben  mit  Verköstigung.  Im  letzten  Falle  nämlich  kommen  die  Getreidepreise ­
  als  Bestimmungsmoment  des  Reallohnes  nicht  in  Betracht;
umso  wichtiger  sind  die  Rückstände  an  Geldabgaben.  Um  die  Bewegungen ­
  der  Reallöhne  zu  verfolgen,  müssen  wir  also  die  Bewegungen
sowohl  der  Getreidepreise  als  auch  der  Rückstände  untersuchen.
ln  nachstehender  Tabelle  LXXX11!  wird  das  Steigen  resp.  Sinken
der  Tagelöhne,  der  Weizenpreise,  der  Abgaben  und  Steuern  pro  1  Dess.
und  der  Rückstände  pro  1  Dess.  in  °/o  angegeben.  Die  Tagelöhne  und
Weizenpreise 1 )  sind  auf  Grund  der  Angaben  des  Ackerbauministeriums
zusammengestellt  und  betreffen  das  Jahrzehnt  1895  -  1904  im  Vergleich
mit  dem  vorangehenden  Jahrzehnt  (Tabelle  LXXXIV).  Die  Abgaben  und
Steuern  und  die  Rückstände  je  pro  1  Dess.  sind  auf  Grund  der  Angaben
der  Regierungskommission  vom  J.  1901  zusammengestellt  und  betreffen
im  allgemeinen  die  90er  Jahre  im  Vergleich  mit  den  80er  Jahren.
Wie  man  aus  dieser  Tabelle  sieht,  haben  sich  die  Lohnverhältnisse
im  Dongebiet  und  im  Gouv.  Ekaterinoslaw  in  allen  Beziehungen  gebessert.
Zwar  sind  auch  hier  die  Tagelöhne  zur  Zeit  der  Getreideernte  gefallen,
doch  ist  das  Steigen  der  Tagelöhne  in  den  zwei  vorangehenden  Arbeitsperioden ­
  und  Sinken  der  Weizenpreise,  der  Abgaben  und  der  Rückstände
je  pro  1  Dess.  so  bedeutend,  dass  das  Sinken  der  ersten  damit  mehr
als  aufgewogen  wird.  Am  schlechtesten  stehen  die  Lohnverhältnisse  in
Taurien  und  Bessarabien.  Zwar  sind  auch  hier  die  Weizenpreise  gefallen, ­
  doch  sind  die  Tagelöhne  nur  für  die  Bestellarbeiten  gestiegen;
')  Der  Weizen  bildet  bei  den  einheimischen  Lohnarbeitern  d.  h.  bei  den  neurusSischen
Bauern  das  Hauptnahrungsmitte!.  Von  den  21,22  Pud  Getreide,  die  im  Durchschnitt  pro
Kopf  in  den  neurussischen  Gouvernements  konsumiert  werden,  kommen  9,76  Pud  auf
Weizen.  Dagegen  dient  für  alle  Bauern  in  allen  anderen  Gebieten  Russlands  der  Roggen
als  Hauptnahrungsmitte!,  indem  er  von  18,34  Pud,  die  im  Durchschnitt  in  Russland  pro
Kopf  konsumiert  werden,  8,57  Pud  in  Anspruch  nimmt.
            
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