Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Dagegen haben sich in den übrigen Gouvernements die Lohnver 
hältnisse sowohl in Bezug auf die Weizenpreise, als auch in Bezug auf 
die Rückstände bedeutend verschlechtert. Ueberall in diesen drei Gou 
vernements ist das Sinken der Tagelöhne zur Zeit der Heu- und Ge 
treideernte bedeutender als das Steigen derselben zur Zeit der Bestell 
arbeiten. Es ergibt sich also, dass im ganzen die Tagelöhne in 
diesen Gouvernements bedeutender gefallen, als die Weizen 
preise, während die Rückstände erheblich gestiegen sind. 
Bis jetzt hatten wir es nur mit den Lohnverhältnissen der ein 
heimischen Arbeiter zu tun, da wir das Steigen resp. Sinken der Rück 
stände und der Weizenpreise nur in den neu russischen Gouvernements 
in Betracht gezogen haben. Wie steht es aber mit den Reallöhnen der 
Wanderarbeiter, die nach der Rückkehr in ihre Heimat mit allen auf ihren 
Wirtschaften lastenden Nöten zu rechnen haben? Hier können wir für 
die 24 Gouvernements, aus welchen Wanderarbeiter nach Neurussland 
Zuströmen, nur eine allgemeine Antwort geben. Zu diesem Zweck sind 
hier einige durchschnittliche Angaben bezüglich der Bewegungen der Ge 
treidepreise und der Rückstände in den Gouvernements, aus denen die, 
Arbeiter nach Südrussland wandern, anzuführen. 
ln der Tabelle CI im Anhang sind sowohl die Rückstände 
pro 1 Dess., wie auch die Roggenpreise in 20 Gouvernements für zwei 
Jahrzehnte 1881—1890 und 1891—1900 enthalten. Auf Grund dieser 
Zahlen ergibt sich, dass im Durchschnitt die Roggenpreise in den Jahren 
1891 —1900 im Vergleich mit denen in den Jahren 1881 —1890 um 
8,5 °/o gefallen sind, ln den einzelnen Gouvernements schwankt dieses 
Sinken zwischen Stabilität in den Gouvernements Tambow, Woronesch 
und Charkow und dem Sinken um 17 °/o im Gouv. Kowno. Was die 
Aenderungen der Rückstände anbetrifft, so sind diese ungeheuer gestiegen. 
Im Durchschnitt haben sie von 30,6 Kop. pro 1 Dess. auf 105,3 Rop. 
pro 1 Dess., d. h. um etwa 244 °/o zugenommen. Von 20 in Betracht 
kommenden Gouvernements sind die Rückstände nur in sechs Gouver 
nements, teils in Westrussland, teils in Kleinrussland unbedeutend ge 
fallen. In allen übrigen sind sie enorm gestiegen, so z. B. im Gouv. 
Kursk sind sie über 40mal, im Gouv. Tula über 18mal, im Gouv 
Pleskau und Woronesch über 6 — 7 mal gestiegen. Vergleicht man 
damit also die Aenderungen in den durchschnittlichen Tages-, Akkord- 
und Fristlöhnen in Neurussland, für die die Wanderarbeiter sich am 
meisten verdingen, so ergibt sich, dass in Bezug auf Roggenpreise 
sich der Realwert der Akkord- und Fristlöhne verbessert hat. Zwar sind
	        
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