Object: Der Deutsche Post-Zeitungsgebührentarif

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und im Erfolg vom bloßen Zufall abhängig. Ans diesen 
Gründen wird die ungeregelte Arbeitsvermittelung unter Be 
nutzung der Öffentlichkeit in Form des „Annoncierens" gern 
gewählt. Sie ist für den Inserierenden bequem und im ein 
zelnen nicht zu teuer, da meist ein billiger Tarif für „kleine 
Anzeigen" oder für den „Arbeitsmarkt" besteht; vor allem 
ist sie von großer Reichweite und schneller Wirkung. Die 
Inserate führen ein gut Teil Arbeitgeber und Arbeitnehmer 
zusammen. Sie tragen dazu bei, die Arbeitskräfte gleichmäßig 
zu verteilen, was in Anbetracht der Freizügigkeit und der 
Spezialisierung der Berufstätigkeit nur erwünscht sein kann. 
Die Nachteile des Annoncierens, die u. a. in lästigem Ueber- 
angebot, in unnützen Schreibarbeiten und Gängen, in nutzlosen 
Geldausgaben, in der Aufwendung immerhin verhältnismäßig 
großer Summen 1 ) für diese Art der Arbeitsvermittelung 
bestehen, dürfen allerdings auch nicht außer Betracht gelassen 
werden. Trotz alledem ist die Zeitungsanzeige heute in 
vielen Fällen von maßgebender Bedeutung für die Versorgung 
des Arbeitsmarktes, namentlich für höhere Berufsarten?) 
Schließlich erfüllen die Inserate noch die volkswirtschaftlich 
bedeutungsvolle Aufgabe, daß sie auf die Gestaltung der Kon 
kurrenz und der Preise mit einwirken. Angebot und Nach 
frage gehen in der Volkswirtschaft in der Regel je von 
mehreren Personen ans, die in freiem Wettbewerb zu einander 
stehen und sich bemühen, die Konkurrenten aus dem Felde 
zu schlagen. Hierbei wirken die Inserate kräftig mit. Sie 
veranlassen die Konkurrenten zu einem öffentlichen Wettbewerb 
untereinander. Die Anzeige des einen bewegt den andern 
zu einer ähnlichen Anzeige, jeder sucht für sich möglichst den 
größten Vorteil zu erreichen. Auf diese Weise erlangen die 
Konsumenten die Gelegenheit zu einem Vergleichen der Preise 
und zu einem Verhalten, das schließlich für die Nivellierung 
1) Meyer, Die Arbeitsvermittlung in der Stadt Halle a. S. 
(Beiträge zur Statistik der Stadt Halle a. S. 1907, Heft 1 S. 11) 
berechnet, daß 1906 jährlich etwa 90 000 M. an die vier großen Zeitungen 
in Halle für Stellengesuche usw. gezahlt wurden. 
2) Brunhuber I S. 109.
	        
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