Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

394

II.  Teil.  Arbeitei'wohlfahrtspolitik.

1  oder  2  heizbaren  Zimmern)  mit  50  760  Bewohnern,  also  durchschnittlich ­
  mit  7  Personen  besetzt  waren.  In  München  zeigte  die  Aufnahme
vom  1.  Dezember  1900,  daß  von  allen  Wohnungen  3,2o/ 0  überfüllt
waren,  und  daß  5  ü /o  der  Bevölkerung  in  überfüllten  Wohnungen  lebten;
dabei  werden  als  überfüllt  angesehen  Wohnungen  mit  1  Raum  und  4
und  mehr  Personen,  mit  2  Räumen  und  7  und  mehr  Personen  und
Wohnungen  mit  3  Räumen  und  11  und  mehr  Personen.  In  Danzig
gab  es  1900  im  ganzen  984  Wohnungen  mit  1  Zimmer  ohne  Küche
und  13118  mit  1  Zimmer  und  Küche.  48  o/ 0  der  Bevölkerung  lebten
in  diesen  Wohnungen.  Von  den  angeführten  Wohnungen  waren  2262
mit  je  4,  1748  mit  je  5,  2828  mit  je  6  und  mehr  Personen  besetzt.
Die  Beispiele  lassen  sich  noch  leicht  vermehren.
In  anderen  Ländern  zeigen  sich  ebenfalls  überfüllte  Wohnungen
in  erheblicher  Zahl.  Für  London  z.  B.  nimmt  Bernstein  (im  Arcli.
f.  soz.  Gesetzgeb.  u.  Statistik  1900,  S.  633)  an,  daß  900  000  Menschen
„zu  eng  behaust“  sind.  Die  niederländische  Wohnungsstatistik  vom
31.  Dezember  1899  ergab,  daß  80°/«  aller  Wohnungen  nicht  mehr  als  3,
60  o/o  nicht  mehr  als  2  Zimmer  hatten  und  daß  30  o/o  aller  Wohnungen
Einzimmerwohnungen  waren.  In  41  877  Einzimmerwohnungen  und  in
706  Zweizimmerwohnungen  wohnten  je  mehr  als  6  Personen,  in  62  548
Einzimmer-  und  20582  Zweizimmerwohnungen  je  4—6  Personen.  Die
niederländische  Statistik  rechnet  als  übervölkert  alle  Wohnungen,  in
denen  mehr  als  2  Personen  auf  1  Zimmer  entfallen.  Solcher  Wohnungen
gab  es  am  31.  Dezember  1899:  409158  oder  37,5%  aller  Wohnungen.
Dieser  Durchschnittsprozentsatz  wird  in  den  Ein-  und  Zweizimmerwohnungen ­
  bedeutend  überschritten.  Von  jenen  sind  202  262  oder
65,7  °/o,  von  diesen  148106  oder  44,3  °/o  übervölkert  in  vorstehendem
Sinne.
Ist  schon  das  Zusammendrängen  großer  Familien  in  kleine  und
kleinste  Wohnungen  sehr  bedenklich,  so  nimmt  die  Gefahr  solcher  Verhältnisse ­
  dann  noch  besonders  zu,  wenn  die  Familie  diese  engen  Gelasse
mit  fremden  Familien  oder  mit  Schlafgängern  teilen  muß.  Das  Zusammenwohnen ­
  mehrerer  Familien  in  derselben  Wohnung  ist  zwar  eine  Ausnahme, ­
  kommt  aber  noch  immer  häufig  genug  vor.  Im  Jahre  1900  waren  z.  B.
Hamburg  6886  Haushaltungen  mehr  vorhanden,  als  benutzte  Wohnungen,
so  daß  —  von  den  Obdachlosen  abgesehen  —  in  einer  beträchtlichen  Zahl
von  Fällen  mehrere  Familien  eine  gemeinsame  Wohnung  gehabt  haben
müssen.  Für  1890  sind  nach  den  Mitteilungen  des  Grafen  Roedern  in
Schmollers  Jahrbuch  (1899)  in  Altona  1791,  in  Königsberg  i.  Pr.  1897,
in  Leipzig  1241  Wohnungen  gezählt  worden,  in  denen  2  Haushaltungen
zusammen  wohnten.  Das  Schlafgängertum  und  das  Abvermieten  von
Zimmern  ist  sehr  stark  verbreitet.  Das  Statistische  Jahrbuch  deutscher
Städte  für  1903  zeigt,  daß  am  1.  Dezember  1900  von  je  1000  Wohnungen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.