Full text : Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

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letzte  die  alten,  »wiewohl  sie  durch  das  Verlassen  der  bisherigen
Praxis  bei  der  Bewilligung  der  Mehrbeteiligung  in  ihrem  Betriebe
empfindlich  berührt  wurden,  ja  zum  Teil  schon  weit  in  dieser
Richtung  fortgeführte  Arbeiten  als  nunmehr  zwecklos  erkennen
mussten«  1 ).
Aber,  um  das  Syndikat  zu  erneuern,  liessen  die  reinen  Kohlenzechen ­
  ihre  Ansprüche  auf  Vermehrung  des  Kontingents  fallen.
»Dem  Gebote  der  Fürsorge  für  ihre  natürliche  Entwicklung  werden ­
  sie  nunmehr  auf  dem  Wege  der  Angliederung  anderer  Zechen ­
  gerecht.«
So  wird,  was  Wirkung  ist,  neue  Ursache.  Wie  rapide  aber
die  Zahl  der  Unternehmungen  sich  verringert  hat,  zeigen  folgende
Zahlen.  Im  Jahre  1893  waren  96  Syndikatsmitglieder  vorhanden
mit  33,5  Mill.  t  Gesamfbeteiligung.  Nun  traten  unter  der  Herrschaft ­
  des  alten  Vertrages  noch  eine  ganze  Anzahl  Zechen  bei,
es  hätte  also  die  Zahl  der  Mitglieder  steigen  müssen.  Wir  finden
jedoch  1903  nur  noch  84  mit  53,8  Mill.  t  Gesamtbeteiligung 1  2 ).
Damit  kam  1893  349114  t  Beteiligung  auf  die  Zechen,  1903  jedoch ­
  640739  t.  Eine  solche  Verschmelzung  hatte  schon  der  alte
Vertrag  hervorgerufen.  Der  neue  Vertrag  fand  84  Zechen  vor.
20,  besonders  Hüttenzechen  traten  hinzu.  Schon  innerhalb  des
ersten  Jahres  ist  jedoch  die  Zahl  der  Mitglieder  wieder  auf  84
gesunken!
Das  ist  die  intensive  Expansion,  die  die  Mächtigen  unter
dem  neuen  Vertrage  vornehmen.  Mit  wenig  Worten,  aber  mit
viel  Taten  schaffen  sie  sich  freie  Bahn.  Damit  aber  hört  die
Freundschaft  im  Kohlensyndikate  auf.  Und  so  erleben  wir  die
merkwürdige  Erscheinung,  dass  gerade  von  den  Werken  im  Süden, ­
  die  eigentlich  ihre  Ertragsfähigkeit  nur  dem  Syndikate  verdanken, ­
  der  staunenden  Menschheit  verkündet  wird,  dass  sie  noch
lange  nicht  am  Ende  ihrer  Existenzfähigkeit  angelangt  seien 3 ).
Die  Ironie  dabei  ist,  dass  jetzt,  wo  die  aggressiven  Kartelle  auch
nach  Innen  zu  ihren  Charakter  völlig  ändern,  dass  jetzt  die  Grossen ­
  kalt  mitteilen,  wie  gross  eigentlich  die  Zahl  der  bis  jetzt  am

1)  Jahresbericht  des  Bergbauvereins  1903.  I.  6  u.  7.
2)  Jutzi  1.  c.  14.
3)  Vgl.  in  der  Frankfurter  Ztg.  vom  1.  Mai  1905  den  Protest  des  Vorsitzenden
des  Aufs.R.  der  Akt.Ges.  Zeche  Margarethe  gegen  die  Behauptung  des  Abg.  Schmieding, ­
  dass  die  im  südlichen  Bezirke  von  Dortmund  belegenen  Zechen  am  Ende  ihrer
Existenzfähigkeit  angelangt  seien.
            
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