Full text : Die Steigerung der Produktivität der deutschen Landwirtschaft im neunzehnten Jahrhundert

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von  den  Zahlen,  die  Krug  über  die  Grösse  und  Verteilung  des  damaligen
preussischen  Viehstandes  angibt.  Diese  Zahlen  beziehen  sich  aber  auf  ein
grösseres  Gebiet,  als  es  dasjenige  von  1816  war;  zieht  man  das  letztere
in  Betracht  und  reduziert  dementsprechend  die  Krug  sehen  Angaben,  so
hatte  Preussen  nach  unserer  Berechnung:
Pferde  Binder  Schafe  Schweine
1802  1443038  4540425  9720348  2288285
1816  1243261  4013912  8260396  1494369
In  dieser  Zusammenstellung  treten  die  verheerenden  Wirkungen  der
Kriege  deutlich  zutage.  Ähnlich  waren  die  Verluste,  welche  Bayern  und
die  andern  süddeutschen  Staaten  schon  durch  den  zweiten  und  dritten
Koalitionskrieg  und  ebenso  infolge  der  späteren  Feldzüge  Napoleons  erlitten
hatten.  Es  unterliegt  daher  keinem  Zweifel,  dass  auch  der  Viehstand
Bayerns  im  Jahre  1810  geringer  gewesen  ist  als  zu  Beginn  des  Jahrhunderts. ­
  Dagegen  kann  man  annehmen,  dass  Sachsen,  Württemberg  und
Baden  ihre  Viehbestände  bis  zu  den  Jahren  1834,  bezw.  1820  bezw.  1825
wieder  auf  die  Höhe  vom  Jahre  1800  gebracht,  bezw.  darüber  hinaus  vergrössert
  haben.  Von  Preussen  sagt  zwar  Schm  oller,  dass  dasselbe  erst
1840  den  Viehstand  von  1802  erreicht  habe,  aber  wenn  man  alle  Viehgattungen ­
  zusammen  nimmt,  war  dies  doch  schon  Anfang  der  30  er  Jahre
der  Fall,  und  andrerseits  kommt  in  Betracht,  dass  die  landwirtschaftliche
Krisis  der  20  er  Jahre  sich  besonders  auf  Norddeutschland  erstreckte  und
hier  einem  rascheren  Wachstum  der  Viehzahl  sehr  hinderlich  gewesen  ist.
In  Preussen  hat  sich  z.  B.  der  Viehstand  in  den  neun  Jahren  von
1822—1831  viel  schwächer  vermehrt  als  in  den  6  Jahren  von  1816—1822.
Auch  die  Aufhebung  der  Gemeinweiden  spielt  dabei  eine  Rolle,  indem  dieselbe ­
  vielen  kleinen  Leuten  die  Viehhaltung  sehr  erschwerte,  bezw.  unmöglich ­
  machte.  Für  Süddeutschland  fallen  diese  Momente  grösstenteils
weg  und  darum  konnte  sich  dort  das  Wachstum  des  Viehstandes  eher  und
rascher  vollziehen.  Von  Württemberg  berichtet  z.  B.  Malchus,  dass  sich
daselbst  in  den  drei  Jahren  von  1817—1820  der  Riudviehstand  um  1 / 16 ,
die  Zahl  der  Schweine  um  1 / s ,  jene  der  Ziegen  um  1 / s  vermehrt  habe,  und
bei  Baden  zeigen  die  Ziffern  von  1825  gegenüber  denjenigen  von  1813
bezw.  1811,  welche  gleichfalls  von  Malchus  herrühren,  auch  eine  sehr
beträchtliche  Steigerung.  Wir  glauben  darum  keinen  erheblichen  Fehler
zu  begehen,  wenn  wir  annehmen,  dass  das  Minus,  welches  Bayern  in  seinem
Viehstand  von  1810  gegenüber  1800  wahrscheinlich  aufweist,  aufgewogen
wird  durch  das  Plus,  welches  bei  Sachsen,  Württemberg  uud  Baden  in  den
Ziffern  von  1834,  bezw.  1820  bezw.  1825  zu  vermuten  ist.  Nimmt  man
daher  die  Ziffern  von  Preussen  für  1802,  von  Bayern  für  1810,  von
Sachsen  für  1834,  von  Württemberg  für  1820  und  von  Baden  für  1825,
so  dürften  die  Summen  annähernd  richtig  den  Viehstand  wiedergeben,  den
diese  Länder  zu  Anfang  des  vorigen  Jahrhunderts  gehabt  haben.  Stellt
man  dann  diesen  Zahlen  diejenigen  von  1900  gegenüber,  so  erhält  man
folgendes  Bild:
            
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