Full text : Die Steigerung der Produktivität der deutschen Landwirtschaft im neunzehnten Jahrhundert

46

Berechnung  Huckerts  nicht  weiter  verfolgen.  Die  bisherigen  Ausführungen
haben  uns  im  allgemeinen  gezeigt,  mit  welchen  Schwierigkeiten  und  Unsicherheiten ­
  eine  Berechnung  der  Fleischproduktion  aus  dem  jeweiligen
Viehstande  verbunden  ist.  Wenn  wir  nun  den  Versuch  machen,  die
Steigerung  der  Fleischproduktion  Deutschlands  während  des  ganzen  vorigen
Jahrhunderts  zu  bestimmen,  so  werden  unsere  Ziffern  bei  der  Unvollkommenheit ­
  unserer  Unterlagen  auf  eine  absolute  Sicherheit  selbstverständlich ­
  keinen  Anspruch  erheben  können.  Indem  wir  es  uns  aber  zum  Grundsatz ­
  machen,  überall  lieber  sicherere  Minimal-  statt  zweifelhaftere  Maximalziffern ­
  zu  suchen,  glauben  wir  hoffen  zu  können,  dass  unsere  Feststellungen
immerhin  von  einigem  Nutzen  sein  werden.
Nach  unserer  obigen  Untersuchung  ist  die  Zahl  des  Rindviehs  in  den
5  grössten  Staaten:  Preussen,  Bayern,  Sachsen,  Württemberg  und  Baden
(und  darum  kann  man  wohl  sagen,  in  Deutschland  überhaupt)  im  vorigen
Jahrhundert  um  75  %  und  das  Schlachtgewicht  des  einzelnen  Tieres  um
mindestens  100  %  gestiegen.  Ausserdem  hat  sich  der  Umsatz  um  zirka
50%  vermehrt,  und  zwar  ist  diese  Vermehrung,  wie  wir  hier  noch  nachträglich ­
  hervorheben  wollen,  dadurch  ermöglicht  worden,  dass  erstens  im
Jahre  1900  mehr  Kühe  im  Verhältnis  zu  der  gesamten  Rindviehzahl  gehalten
wurden  als  1800.  Unter  den  4856068  Stück  Rindvieh,  die  Krug  nach
den  Kammertabellen  angibt,  befanden  sich  2137  702  oder  44%  Kühe;  die
Viehzählung  von  1900  ergab  dagegen  unter  18939692  Stück  Rindvieh
10458631  oder  55,2%  Kühe,  das  ist  im  Verhältnis  zu  der  jedesmaligen
Viehzahl  1900  25,45%  mehr  als  1800.  Ausserdem  hat  sich  aber  auch
die  relative  Geburtsziffer  zweifellos  sehr  gehoben,  d.  h.  auf  100  Kühe  sind
1900  bedeutend  mehr  Kälber  gefallen  als  1800;  denn  die  ganze  Haltung
und  Hygiene,  die  Auswahl  der  Zuchttiere  usw.  haben  in  den  100  Jahren
grosse  Fortschritte  gemacht.  Drittens  kommt  noch  in  Betracht,  dass  1900
von  den  geborenen  Kälbern  verhältnismässig  mehr  grossgezogen  wurden
als  1800;  denn  bei  Krug  betragen  Kälber  und  Jungvieh  zusammen  nur
30,7%  des  ganzen  Viehstandes,  während  die  Viehzählung  von  1900  37,4  %
Kälber  und  Jungvieh  aufweist;  dabei  ist  zu  berücksichtigen,  dass  das
Krugsche  Jungvieh  alle  Tiere  bis  zu  ca.  3  Jahren  umfasst,  während  in
den  37,4%  von  1900  nur  die  Tiere  bis  zu  2  Jahren  einbegriffen  sind.
Es  ist  daher  nicht  zu  hoch  gegriffen,  wenn  wir  aus  den  genannten  drei
Gründen  beim  Rindvieh  eine  Vermehrung  des  Umsatzes  um  50  %  annehmen.
Verrechnen  wir  nun  zusammen  das  Wachstum  der  Viehzahl,  die  Vermehrung
des  Umsatzes  und  die  Zunahme  des  Schlachtgewichts,  so  ergibt  sich,  dass
die  Produktion  von  Rind-  und  Kalbfleisch  in  Deutschland  im  vorigen  Jahrhundert ­
  um  425%  zugenommen  hat.
Die  Zahl  der  Schweine  hat  in  derselben  Zeit  um  259%  zugenommen;
die  Beschleunigung  des  Umsatzes  ist  bei  denselben  auf  mindestens  100  %
zu  schätzen;  die  Zunahme  des  Schlachtgewichts  wollen  mir  mit  Rücksicht
darauf,  dass  früher  immerhin  eine  beträchtliche  Anzahl  Tiere  mit  einem
Gewichte  von  200  Pfund  und  mehr  geschlachtet  wurden,  nur  mit  50  %  in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.