Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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1.  Sittentafeln  für  den  Landlungslehrling.
Landein,  Sammeln  und  Einteilen  lernst  du  am  Ladentisch,  im  Lager  schätzen;
am  Schreibepult  Anschaffen  und  Anordnen  (Disponieren).
Mit  Menschen  aus  allen  Ständen  hast  du  zu  schaffen;  so  lernst  du  sie  behandeln,
wirst  leutselig,  gefällig  und  einnehmend;  die  Gewohnheit  folgt,  die  Angeduld  verschwindet.
Beharrlichkeit  wird  dir  Bedürfnis  werden.  An  langweiligen  Arbeiten  und
anderen  Prüfungen  deiner  Ausdauer  wird  es  nicht  fehlen;  sie  werden  dich  aber  in
deiner  Tugend  stärken,  ohne  welche  du  deiner  Bestimmung  als  Kaufmann  nie  entsprechen ­
  kannst.
Immer  um  Mein  und  Dein  handelnd,  erwirbst  du  dir  Menschen-  und  Selbstkenntnis, ­
  und,  bist  du  klug,  so  benutzest  du  beide  zu  deiner  Veredelung  wie  zu  deinem
Emporkommen.
Selbstbeherrschung,  wenn  du  jetzt  sie  lernst,  wird  in  reiferen  Jahren  dich  beglücken.
Denke  bei  jeder  Versuchung  daran;  fliehe  aber  die  Versuchungen.
Deine  äußeren  Verhältnisse,  deine  inneren  Mängel  werden  zu  Lindernissen  deiner
Bestrebungen  werden;  du  wirst  bei  größeren  Aufgaben  immer  auf  größere  stoßen;  sei
nicht  verzagt;  kluge  Beharrlichkeit  führt  zum  Ziel.  Das  größte  Lindernis  deiner
Ausbildung  und  der  Erfüllung  deiner  Pflichten  ist  Verdrossenheit;  meide  sie.  Bei
freudigem  Eifer  gelingt  jedes  Bemühen,  jede  Arbeit  leichter.
Entschlossenheit  wirst  du  immer  weniger  haben,  als  brauchen.  Im  Drange  der
Geschäfte  wird  deine  Geistesgegenwart,  deine  Amsicht  geprüft.  Mit  Sicherheit  sollst
du  handeln  lernen.  Aber  dazu  bietet  nicht  so  die  Stille  der  Schreibestube  Gelegenheit,
wie  der  lebendige  Landelsverkehr,  bei  welchem  Kopf  und  Glieder  in  Tätigkeit  sind.
Lernst  du  jetzt  im  kleineren  Geschäfte  besonnen  und  entschlossen  handeln,  so  wirst  du
einst  auch  in  einem  umfassenderen  Wirkungskreise  nicht  leicht  den  Kopf  verlieren,  wenn
anders  du  überhaupt  Kopf  zu  deinem  Berufe  mitbringst.
Verschwiegenheit  sei  eine  deiner  heiligsten  Pflichten,  jetzt  zunächst  für  anderer,
künftig  mehr  für  dein  eigenes  Wohl.
Du  wirst  bald  genug  einsehen,  wie  wichtig  ein  ausgebreiteter  Kredit  für  den
Kaufmann  ist.  Kein  Vertrauen  ohne  Redlichkeit,  Gewissenhafttgkeit  und  Treue  bei  dir.
Demut  lehrt  dich  deine  Abhängigkeit.  Aber  deine  Lehrzeit  ist  nur  die  Vorschule; ­
  frei  wirst  du  einst  als  Kaufmann,  aber,  wie  jetzt  von  deinem  Lehrherrn,  bist
du  dann  von  deiner  Welt  abhängig.  Nur  durch  guten,  treuen  Dienst  erwirbst,  erhältst
du  beider  Gunst.  Die  freie  Wahl  seiner  Wirksamkeit  ist  die  Freiheit  des  Kaufmanns
und  Demut  im  Glück  seine  Würde.
III.
Du  sollst  um  dein  Selbst  willen  deinen  Lehrherren  gehorsam  sein,  ihr  Bemühen
für  dein  Bestes  freudig  anerkennenen  und  mit  Liebe  ihnen  danken.  Von  manchem,
was  du  jetzt  lernen  und  üben  mußt,  wirst  du  erst  später  Gebrauch  und  Nutzen  einsehen; ­
  darum  folge  willig  der  reiferen  Einsicht.
Am  für  freies  Wirken  tüchttg  zu  werden,  sollst  du  jetzt  deine  Kraft  im  Geschäfte
deines  Lehrherrn  üben.  Die  Lehre  gibt  dich  ihm  zum  Dienste;  diene  ihm  fleißig,
redlich,  treu  und  gewissenhaft:  fleißig,  durch  Arbeitslust  und  Emsigkeit;  redlich,  durch
Wahrheit  und  Vertrauen,  Leilighalten  des  Eigentums,  Sorgfalt  für  die  Ehre  und
den  Vorteil  deines  Lerrn;  tteu,  durch  Anhänglichkeit,  Liebe  und  Ergebenheit;  gewissenhaft,
durch  strenge  Erfüllung  deiner  Pflichten,  durch  reinen  Willen  und  reinen  Wandel.
Du  mußt  das  dir  anvertraute  Geschäft  deines  Lehrherrn  wie  dein  eigenes  verwalten. ­
  Du  mußt  in  allem,  was  deinem  Lerrn  gehört,  betreffe  es  sein  Geld,  seine
Ware,  seinen  Kredit,  so  verfahren,  als  gingst  du  darauf  aus,  für  dich  zu  mehren.
Für  fremdes  Gut,  in  Verwahrung  deines  Lerrn,  sollst  du  wie  für  deines  Lerrn
Eigentum  sorgen.  Seine  Landelsfreunde  sollst  du  wie  die  deinigen  behandeln;  durch
            
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