Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

1.  Das  Wesen  der  wirtschaftlichen  Konkurrenz.

165

Natur  nach  der  öffentliche  Laushalt  von  früh  an  entwickeln  mußte,  das  leistet  für  das
private  Wirtschaftsleben  erst  die  kapitalistische  Anternehmung:  die  Entwersung  eines
Gesamtplans  für  eine  längere  Periode  der  Wirtschaftsführung;  diese  aber  findet  in  der
doppelten  Buchführung  —  die  doch  nun  einmal  repräsentativ  für  jede  wissenschaftliche
Buchführung  steht  —  ihren  adäquaten  Ausdruck.
Was  aber  des  weiteren  gerade  die  doppelte  Buchführung  für  die  kapitalistische
Unternehmung  so  verwendbar  macht,  ist  dies:  daß  in  ihr  die  Loslösung  des  Sachvermögens ­
  von  der  Person  des  Geschäftsleiters  zur  Grundtatsache  des  Wirtschaftens
und  damit  zur  Basis  der  gesamten  Wirtschaftsführung  erklärt  wird.  Auch  dieser
Gedanke  ist  wohl  ursprünglich  für  den  öffentlichen  Laushalt  konzipiert  worden,  wird
aber  nun  zur  Seele  der  kapitalistischen  Unternehmung.  Das  Kapital  wird  personifiziert.
Es  tritt  dem  Unternehmer  selbständig  gegenüber:  eine  Auffassung,  die  Lorenz  von
Stein  bis  zu  der  Konsequenz  durchdachte,  daß  er  die  Möglichkeit  annahm:  ein  Unternehmen ­
  könne  durch  seinen  eigenen  Lerrn  —  den  Unternehmer  —  betrogen  werden.
Damit  wird  nun  aber  auch  die  Systematik  der  Geschäftsführung  von  den
Zufälligkeiten  und  Willkürlichkeiten  des  individuellen  Geschäftsleiters,  an  die  sie  während
der  handwerksmäßigen  Periode  gebunden  ist,  emanzipiert.  Die  moderne  Buchführung
ist  so  eingerichtet,  daß  sie  nach  inneren  wissenschaftlichen  Regeln,  unabhängig  von  dem
Belieben  und  Können  des  einzelnen  Wirtschaftssubjetts,  dem  Laufe  des  Wirtschaftslebens ­
  ganz  bestimmte,  objettive  Normen  setzt.  So  mystisch  es  klingen  mag,  ist  es
doch  richtig  und  hat  nach  dem  Gesagten  nichts  Mystisches  mehr  an  sich,  daß  mit
der  modernen  Buchhaltung  das  Kapital  sich  seine  eigenen  Bewegungsgesetze  vorgezeichnet ­
  hat.

VIII.  Der  Wettbewerb  im  Handel,  besonders
im  Kleinhandel.
1.  Das  Wesen  der  wirtschaftlichen  Konkurrenz.
Von  Gustav  Schmoller.

Schmoller,  Grundriß  der  Allgemeinen  Volkswirtschaftslehre.  2.  Teil.  i.—s.  Aufl.
Leipzig,  Duncker  &  Burnblot,  $04.  S.  43—46.
Was  verstehen  wir  unter  Konkurrenz,  unter  Wettbewerb?  Concurrere  heißt
zusammen-,  nebeneinander  herlaufen.  Wir  denken  dabei  jedenfalls  an  einen  gesellschaftlichen ­
  Vorgang,  an  dem  mehrere  beteiligt  sind.  Sie  konkurrieren,  wenn  sie  ein
gemeinsames  Ziel  erreichen  wollen;  sie  streben  nach  einem  und  demselben;  sie  wissen,  daß
sie  einen  Wettlauf  unternehmen,  daß  das  Ziel  von  ihnen  je  nach  ihren  Kräften,  ihrer
Anstrengung  früher  oder  später,  besser  oder  schlechter,  ganz  oder  halb  oder  gar  nicht
erreicht  wird.  Wir  sprechen  von  Konkurrenz  im  allgemeinen  überall  da,  wo  Machterfolge, ­
  Ehre,  Vorteile,  wirtschaftliche  Güter  nicht  in  unbegrenzter  Menge  vorhanden
sind,  wo  die  Beschränktheit  des  Erstrebten  den  Wettbewerb,  ja  den  Kampf  der  Menschen
oder  der  menschlichen  Gemeinschaften  erzeugt.  Am  das,  was  jeder  ohne  weiteres  im
Äberfluß  haben  kann,  wird  nicht  konkurriert.  Das  Ziel  der  Konkurrenz  ist  immer  ein
solches,  daß  nur  einer  oder  eine  bestimmte  Zahl  es  erreicht,  oft  so,  daß,  wenn  es  sich
um  eine  Mehrzahl  von  Siegern  handelt,  sie  in  eine  Reihe  geordnet  werden;  häufig
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.