1. Das Wesen der wirtschaftlichen Konkurrenz.
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welche die aufeinander im Geschästsleben angewiesenen Gruppen im ganzen machen,
auf die verschiedenen Teilgruppen.
Die unendliche Zahl von täglich und stündlich zustande kommenden Verträgen,
durch welche der größere Teil des heutigen volkswirtschaftlichen Prozesses der Produktion
und des Handels unterhalten wird, steht so unter dem steten Doppeldruck einmal der
Konkurrenten jeder Gruppe unter sich und dann des gesellschaftlichen und psychologischen
Einflusses, den das Aufeinanderwirken der im ganzen miteinander verkehrenden Gruppen
ausübt. Die Voraussetzung des Druckes ist, daß die Waren oder Arbeit Verkaufenden
und Kaufenden in Berührung kommen, voneinander wissen, immer wieder durch ein
Ausleseverfahrcn zu Geschäftsabschlüssen kommen. Da jeder Abschluß auf dem Markt
stattfindet zu dem bestimmten Wert oder Preise, der augenblicklich zu allgemeiner
Anerkennung gekommen ist, so folgt, daß zu jeder Zeit nur die auf dem Markt ver
kaufen und kaufen können, die sich dem Marktpreis unterwerfen. Zur selben Zeit kann
auf demselben Markt für dieselbe Ware und Arbeit im großen und ganzen nur ein
einheitlicher Preis herrschen; das ist die Folge des gesellschaftlichen Marktbewußtseins:
jeder Käufer will nicht mehr zahlen als der andere; jeder Verkäufer so viel erhalten
wie fein Konkurrent. Die Folge ist, daß jeder Verkäufer, der glaubt, so nicht ver
kaufen zu können, vom Geschäft ausgeschlossen wird; jeder Käufer, der nicht so viel
zahlen kann oder will, ohne Ware nach Lause gehen muß.
Danüt ist zugleich bewiesen, daß es sich bei der wirtschaftlichen Konkurrenz auf
dem Markte stets um ein Ausleseverfahren, um eine Art des Daseinskampfes handelt.
Er kann zeitweise ohne Lärten auftreten, wenn Angebot und Nachfrage gleich groß
sind, längere Zeit stabil bleiben, zu einem unveränderten Preise Ausgleich finden.
Aber so oft ein Wechsel auf der einen oder anderen Seite eintritt, ist ein Überschuß
des Angebots oder der Nachftage vorhanden, eine Wertänderung wird wahrscheinlich,
ein Teil des Angebots oder der Nachfrage bleibt ausgeschlossen oder muß sich zu
einein unliebsamen Preise entschließen. Die ausgeschlossenen Verkäufer können ver
suchen, sich so anzustrengen, ihre Produktion so zu verbessern, daß sie noch Absatz
finden; sie können auch versuchen, andere Märkte oder Käufer zu finden, die geringere
Waren noch nehmen; sie gehen aber auch leicht zu Grunde. Die Lohnarbeiter, die
von anderen unterboten werden, müssen mit dem kärglicheren Lohn zufrieden sein oder
hungern. Die, welche kaufen wollten und zu dem teuren Preise nicht kaufen können,
versuchen vielleicht mehr zu verdiene«, oder sie begnügen sich mit schlechterer Ware;
dann beginnt aber mit der herabgesetzten Lebenshaltung schon ihre Verkümmerung.
So sind immer zeitweise Unternehmer, Ländler, Landwerker, Arbeiter durch die Wucht
der Konkurrenz bedroht, ja unter Amständen der Verelendung und dem Antergang
verfallen.
Stellen wir uns diese Vorgänge klar und lebendig vor, so haben wir damit
auch die einfache Erklärung, warum die Konkurrenz in der älteren Literatur von den
einen als nur segensreich, von den anderen nur als verderblich betrachtet wurde. Den
einen erschien sie als das große Erziehungs-, den anderen als das Vernichtungsinstrument.
Die ersten Verherrlicher der freien Konkurrenz waren Child, North, Davenant,
die Physiokraten und Adam Smith. Die Konkurrenz, ruft Bastiat, ist die Freiheit,
ist das demokratische Gesetz, das die Anterschiede ausgleicht, eine wirksame Gemeinschaft
erzeugt, die großen Wohltaten der Natur allen zugänglich inacht, den Konsumenten
billige und gute Waren schafft. Die Konkurrenz, sagt Cauwes, macht die Bedin
gungen des Tausches unpersönlich, proportioniert Bedarf und Vorrat, macht den
einzelnen unabhängig, ermäßigt die Gewinne, regelt die Produktion am besten. Die
Konkurrenz, sagt Roscher, ist die natürliche Folge von persönlicher Freiheit und freiem
Privateigentum, sie entfesselt alle Kräfte der Volkswirtschaft, allerdings auch die bösen
neben den guten. Wo über Konkurrenz geklagt werde, meint er, sei häufig das