Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

1.  Das  Wesen  der  wirtschaftlichen  Konkurrenz.

167

welche  die  aufeinander  im  Geschästsleben  angewiesenen  Gruppen  im  ganzen  machen,
auf  die  verschiedenen  Teilgruppen.
Die  unendliche  Zahl  von  täglich  und  stündlich  zustande  kommenden  Verträgen,
durch  welche  der  größere  Teil  des  heutigen  volkswirtschaftlichen  Prozesses  der  Produktion
und  des  Handels  unterhalten  wird,  steht  so  unter  dem  steten  Doppeldruck  einmal  der
Konkurrenten  jeder  Gruppe  unter  sich  und  dann  des  gesellschaftlichen  und  psychologischen
Einflusses,  den  das  Aufeinanderwirken  der  im  ganzen  miteinander  verkehrenden  Gruppen
ausübt.  Die  Voraussetzung  des  Druckes  ist,  daß  die  Waren  oder  Arbeit  Verkaufenden
und  Kaufenden  in  Berührung  kommen,  voneinander  wissen,  immer  wieder  durch  ein
Ausleseverfahrcn  zu  Geschäftsabschlüssen  kommen.  Da  jeder  Abschluß  auf  dem  Markt
stattfindet  zu  dem  bestimmten  Wert  oder  Preise,  der  augenblicklich  zu  allgemeiner
Anerkennung  gekommen  ist,  so  folgt,  daß  zu  jeder  Zeit  nur  die  auf  dem  Markt  verkaufen ­
  und  kaufen  können,  die  sich  dem  Marktpreis  unterwerfen.  Zur  selben  Zeit  kann
auf  demselben  Markt  für  dieselbe  Ware  und  Arbeit  im  großen  und  ganzen  nur  ein
einheitlicher  Preis  herrschen;  das  ist  die  Folge  des  gesellschaftlichen  Marktbewußtseins:
jeder  Käufer  will  nicht  mehr  zahlen  als  der  andere;  jeder  Verkäufer  so  viel  erhalten
wie  fein  Konkurrent.  Die  Folge  ist,  daß  jeder  Verkäufer,  der  glaubt,  so  nicht  verkaufen ­
  zu  können,  vom  Geschäft  ausgeschlossen  wird;  jeder  Käufer,  der  nicht  so  viel
zahlen  kann  oder  will,  ohne  Ware  nach  Lause  gehen  muß.
Danüt  ist  zugleich  bewiesen,  daß  es  sich  bei  der  wirtschaftlichen  Konkurrenz  auf
dem  Markte  stets  um  ein  Ausleseverfahren,  um  eine  Art  des  Daseinskampfes  handelt.
Er  kann  zeitweise  ohne  Lärten  auftreten,  wenn  Angebot  und  Nachfrage  gleich  groß
sind,  längere  Zeit  stabil  bleiben,  zu  einem  unveränderten  Preise  Ausgleich  finden.
Aber  so  oft  ein  Wechsel  auf  der  einen  oder  anderen  Seite  eintritt,  ist  ein  Überschuß
des  Angebots  oder  der  Nachftage  vorhanden,  eine  Wertänderung  wird  wahrscheinlich,
ein  Teil  des  Angebots  oder  der  Nachfrage  bleibt  ausgeschlossen  oder  muß  sich  zu
einein  unliebsamen  Preise  entschließen.  Die  ausgeschlossenen  Verkäufer  können  versuchen, ­
  sich  so  anzustrengen,  ihre  Produktion  so  zu  verbessern,  daß  sie  noch  Absatz
finden;  sie  können  auch  versuchen,  andere  Märkte  oder  Käufer  zu  finden,  die  geringere
Waren  noch  nehmen;  sie  gehen  aber  auch  leicht  zu  Grunde.  Die  Lohnarbeiter,  die
von  anderen  unterboten  werden,  müssen  mit  dem  kärglicheren  Lohn  zufrieden  sein  oder
hungern.  Die,  welche  kaufen  wollten  und  zu  dem  teuren  Preise  nicht  kaufen  können,
versuchen  vielleicht  mehr  zu  verdiene«,  oder  sie  begnügen  sich  mit  schlechterer  Ware;
dann  beginnt  aber  mit  der  herabgesetzten  Lebenshaltung  schon  ihre  Verkümmerung.
So  sind  immer  zeitweise  Unternehmer,  Ländler,  Landwerker,  Arbeiter  durch  die  Wucht
der  Konkurrenz  bedroht,  ja  unter  Amständen  der  Verelendung  und  dem  Antergang
verfallen.
Stellen  wir  uns  diese  Vorgänge  klar  und  lebendig  vor,  so  haben  wir  damit
auch  die  einfache  Erklärung,  warum  die  Konkurrenz  in  der  älteren  Literatur  von  den
einen  als  nur  segensreich,  von  den  anderen  nur  als  verderblich  betrachtet  wurde.  Den
einen  erschien  sie  als  das  große  Erziehungs-,  den  anderen  als  das  Vernichtungsinstrument.
Die  ersten  Verherrlicher  der  freien  Konkurrenz  waren  Child,  North,  Davenant,
die  Physiokraten  und  Adam  Smith.  Die  Konkurrenz,  ruft  Bastiat,  ist  die  Freiheit,
ist  das  demokratische  Gesetz,  das  die  Anterschiede  ausgleicht,  eine  wirksame  Gemeinschaft
erzeugt,  die  großen  Wohltaten  der  Natur  allen  zugänglich  inacht,  den  Konsumenten
billige  und  gute  Waren  schafft.  Die  Konkurrenz,  sagt  Cauwes,  macht  die  Bedingungen ­
  des  Tausches  unpersönlich,  proportioniert  Bedarf  und  Vorrat,  macht  den
einzelnen  unabhängig,  ermäßigt  die  Gewinne,  regelt  die  Produktion  am  besten.  Die
Konkurrenz,  sagt  Roscher,  ist  die  natürliche  Folge  von  persönlicher  Freiheit  und  freiem
Privateigentum,  sie  entfesselt  alle  Kräfte  der  Volkswirtschaft,  allerdings  auch  die  bösen
neben  den  guten.  Wo  über  Konkurrenz  geklagt  werde,  meint  er,  sei  häufig  das
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.