Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3.  Zur  Währungsfrage.

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Vorteil  zugewendet,  der  unmittelbar  namentlich  diejenigen  belastete,  die  Silber  zu  anderen
als  zu  Geldzwecken  gebrauchen.  Lat  eine  Senkung  des  Silberpreises  das  Geschäft  der
Ausfuhr  nach  den  Silberwährungsländern  beeinträchtigt,  so  würde  seine  Steigerung  in
ähnlicher  Weise  für  das  Geschäft  der  Einfuhr  von  dort  ungünstig  sein.
Ist  somit  von  den  Zielen  der  internationalen  Doppelwährung  nur  eines  zu  billigen,
die  Mehrzahl  aber,  die  zum  Teil  davon  unzertrennlich  ist,  zu  verwerfen,  so  ist  das
Arteil  über  sie  gesprochen.  Dazu  kommt,  daß  gerade  die  Erreichung  jenes  guten  Zieles,
nämlich  eines  festen  Wertverhältnisses  zwischen  Silber  und  Gold  am  wenigsten
zu  gewährleisten  ist.  Wenn  auch  die  französische  Doppelwährung  bis  1873  auf
die  Erhaltung  des  Wertverhältnisses  von  1  :  \5 1 l 2  gewirkt  haben  wird,  so  kann  doch
niemand  dafür  bürgen,  daß  unter  den  veränderten  Verhältnissen  der  Edelmetallgewinnung
und  -Verwendung,  unter  den  veränderten  Verhältnissen  des  Geldvorrats  und  -bedürfnisses
und  unter  einer  gesteigerten  Empfindlichkeit  des  Verkehrs  selbst  ein  internationaler  Vertrag
mehrerer  Staaten  mächtig  genug  ist,  um  das  eininal  festgesetzte  Wertverhältnis  berauch ­
  zu  anderen  als  zu  Geldzwecken  dienenden  Metalle  auf  die  Dauer  zu  erhalten.
Schon  die  Furcht  vor  einer  Zerstörung  des  Verhältnisses  kann  zu  dem  Bestreben  führen,
das  wertvoller  erscheinende  Metall  an  sich  heranzuziehen,  und  würde  dadurch  das  Entstehen ­
  eines  Aufgeldes  herbeiführen  helfen.  Besteht  somit  hinsichtlich  der  Wirksamkeit
eines  Doppelwährungsvertrages  ein  berechtigter  Zweifel,  so  ergibt  sich  daraus  von  selbst
auch  ein  Zweifel  hinsichtlich  der  Aufrechterhaltung  des  Vertrages,  der  ohnehin  durch
jeden  Krieg  zwischen  den  vertragschließenden  Staaten  zersprengt  würde.  Die  Befürworter ­
  der  internationalen  Doppelwährung  behaupten,  daß,  wenn  schlimmsten  Falles
der  Vertrag  gebrochen  würde,  wir  wieder  dorthin  gelangten,  wo  wir  jetzt  wären.
Dagegen  behaupte  ich,  daß  der  Zusammenbruch  des  Vertrages  eine  Ansicherheit  in  den
Währungsverhältnissen  zur  Folge  haben  würde,  die  einen  unermeßlichen  Schaden  anrichtete.
Sollen  wir  in  der  Aussicht  auf  die  unsicheren  Segensverhcißungen  der
Doppelwährungspartei,  sollen  wir  in  der  sicheren  Aussicht  auf  die  mit  der
Doppelwährung  verknüpften  Nachteile  uns  dazu  bereit  finden,  die  Goldwährung
preiszugeben?  Die  Goldwährung  ist  vom  mächtigsten  Landelsstaat,  von  England,  zu
Ehren  gebracht.  Im  Anschluß  an  die  englische  hat  unsere  Währung  sich  ihre  Stellung
im  Welthandel  geschaffen.  Das  Gold  ist  das  bevorzugte  Zahlmittel  und  der  zuverlässigste
Wertbewahrer;  es  genießt  das  Vertrauen  der  Welt.  Auf  der  Grundlage  der  Goldwährung ­
  haben  in  Deutschland  Lande!  und  Industrie  sich  sicher  und  mächtig  entwickelt?)
Lassen  wir  uns  das  mit  der  Entstehung  des  Deutschen  Reiches  gewonnene
Gut  der  Goldwährung  nicht  rauben,  und  treten  wir  dafür  ein,  daß  es  unangetastet ­
  bleibe!

•)  Karl  bjelsferich,  Die  Reform  des  deutschen  Geldwesens  nach  der  Gründung  des
Reiches.  I.  Leipzig,  Dnncker  &  Ejumblot,  >8Y8.  S.  >75:  „Klan  hat  darüber  gestritten,  wer  mehr
Anspruch  auf  den  Titel  „Rater.  der  Münzreform"  habe,  Soetbeer  oder  Bamberger.  Tin  solcher
Streit  ist  unfruchtbar  und  müßig.  Beide  Männer  ergänzten  sich  gegenseitig  in  der  glücklichsten
Weise.  Soetbeer  war  ein  Gelehrter  vor  seltener  Gründlichkeit.  Tr  hat  als  solcher  der  Währungswiffenschaft
  die  größten  Dienste  geleistet.  Tr  war  ferner  ein  überaus  eifriger  Publizist,  und  als
solcher  hat  er,  auf  Grund  seines  reichen  Wissens,  in  jahrzehntelanger  Tätigkeit  in  Deutschland  den
Boden  für  die  Goldwährung  vorbereitet.  Mas  ihm  fehlte,  das  war  der  sprühende  Geist  der
Beredsamkeit,  der  politisch-praktische  Blick  und  die  parlamentarische  Gewandtheit,  und  gerade  diese
Eigenschaften  besaß  Bamberger  in  hohem  Grade."  —  G.  M.
            
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