Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Lande!.  XII.  Bankwesen.

handhaben.  Zu  umgehen  ist  sie  nicht  immer;  sie  ist  sehr  üblich  bei  den  englischen
Checkbanken.  Wenn  der  Zahlungsverkehr  eines  Kunden  bei  einer  Bank  sich  vollständig
konzentriert,  dann  ist  sie  eben  auch  in  der  Lage,  seine  Kreditwürdigkeit  genau  zu
bemessen,  sie  weiß  genau,  welche  Geschäfte  er  macht,  sie  kann  beurteilen,  ob  und  in
welcher  Zeit  sein  Geschäft  wieder  Einnahmen  bringt;  sie  kann  seinem  Zahlungsbedürfnis
sich  vollständig  anschmiegen.
Entsprechend  der  gegebenen  Charakteristik  gestaltet  sich  natürlich  auch  der  Zinsfuß
für  alle  diese  Geschäfte.  Am  höchsten  steht  der  Zinsfuß  für  den  Kontokorrentkredit,
den  die  Bank  gibt,  dann  folgt  nach  unten  der  Lombardzins,  dann  (meist  um  1 /a  bis
1  %  tiefer  als  der  Lombardzins)  der  Wechseldiskont;  noch  niedriger  ist  natürlich  der
von  der  Bank  gewährte  Depositalzins,  da  die  Bank  nur  verdient,  wenn  sie  weniger
Zins  gibt,  als  sie  selbst  erhält.  Entscheidend  ist  der  jeweilige  Stand  des  Wechseldiskonts,
nach  ihm  richten  sich  alle  übrigen,  nach  oben  und  nach  unten.
Angeeignete  Verwendungen  der  kurzfälligen  Deposita  sind:  die  Ausleihung
derselben  im  Lypothekengeschäst,  Erwerbung  von  stark  im  Preis  schwankenden  Effekten,
Beteiligung  an  industriellen  Unternehmungen,  Benutzung  zu  Börsenspekulationen  u.  dgl.;
es  sind  dies  Anlagen,  aus  denen  nicht  immer  das  Kapital  leicht  wieder  herausgezogen
werden  kann.
b.  Die  langfristigen  Kreditgeschäfte.
Es  gibt  viele  Fälle,  in  denen  der  Kreditsuchende  langfristigen  Kredit  braucht,
weil  er  nicht  im  stände  ist,  das  Kapital  sofort  herauszuwirtschaften,  sondern  nur
nach  und  nach,  er  kann  nur  Zinsen  und  Tilgungsquoten  aufbringen.  Zn  dieser  Lage
werden  zumeist  diejenigen  sein,  die  Geld  brauchen  zum  Kauf  von  Grundstücken  aller
Art,  zu  Meliorationen,  zum  Bau  von  Läufern,  zu  industriellen  Anlagen,  zur  Abfindung
von  Miterben  rc.  Für  diese  Zwecke  können  die  Banken  ihr  eigenes  Kapital  und  die  ihnen
selbst  unkündbar  oder  gegen  lange  Kündigung  geliehenen  Gelder  verwenden.  Ein  Laupttypus
  des  Passivgeschäftes  sind  die  von  den  Lypothekenbanken  ausgegebenen  Pfandbriefe; ­
  dieselben  sind  meist  seitens  des  Gläubigers  unkündbar;  die  Banken  können  das
so  erhaltene  Kapital  dann  zu  etwas  höherem  Zins  ■—  der  Anterschied  gegenüber  dem
Pfandbrieszins  wird  „Zinsspannung"  genannt  —  ausleihen  mit  dem  Versprechen,
dem  Schuldner,  solange  er  seinen  Verpflichtungen  nachkommt,  nicht  kündigen  zu  wollen:
der  Schuldner  hat  sehr  oft  außer  dem  Zins  eine  Tilgungsquote  zu  zahlen;  mit  diesen
Tilgungsquoten  werden  die  ausgegebenen  Pfandbriefe  durch  Auslosung  heimbezahlt.
3.  Effekten-,  Gründungs-  und  damit  zusammenhängende  Geschäfte.
Dieselben  können  sehr  mannigfacher  Natur  sein.  Die  Banken  betreiben  den  Kauf
und  Wiederverkauf  von  Wertpapieren  aus  eigene  Rechnung  und  in  Kommission,  sie
übernehmen  neue  Anleihen  vom  Staat,  von  Provinzen,  Städten,  Standesherren,
Großindustriellen,  Aktiengesellschaften;  es  geschieht  auch  dies  teils  auf  eigene  Rechnung,
teils  in  Kommission,  sehr  häufig  verbinden  sich  hierbei  mehrere  Banken  zu  einem
Konsortium;  sie  besorgen  zumeist  die  Konvertierungen;  um  das  Gelingen  solcher  sicherzustellen ­
  und  die  Mitwirkung  der  Banken  mit  ihrer  großen  Klientel  zu  erhalten,
gewährt  man  ihnen  eine  Provision,  wofür  sie  sich  verpflichten,  das  Kapital  aufzubringen ­
  für  jene,  welche  die  Konvertierung  ablehnen.  Sie  beteiligen  sich  zum  Teil
aktiv  und  kommissionsweise  in  weitgehendem  Maße  an  Börsengeschäften  aller  Art  in
Waren  und  Effekten;  namentlich  ist  auch  das  Report-  und  Deportgeschäft  wichtig,
durch  welches  sie  der  Spekulation  die  Prolongation  ermöglichen.  Auch  bei  „Ringen"
sind  meistens  Banken  beteiligt,  weil  das  Aufkaufen  der  Waren  große  Kapitalien
erfordert.  (Bekannt  ist  die  Rolle  des  Comptoir  ä'Cscomte  beim  Kupferring  von
1887/89).
An  die  Effektengeschäfte  schließen  sich  weitere  mit  Effekten  zusammhängende  an.
Dahin  gehört  die  Einlösung  von  Coupons,  die  Einlösung  ausgeloster  Papiere,  die
            
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