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Graunt ist sich über die Bedeutung dieses Ausdrucks im unklaren;
er schwankt zwischen 60 und 70 Jahren, benutzt jedoch die Zahl
nicht. Dagegen sucht er bei einer Untersuchung der Todesursachen
festzustellen, wieviele Menschen vor Erreichung des 6. Lebens-
jahres sterben. Während der 20 Jahre, 1629—1636 und 1647—1658,
starben insgesamt ungefähr 229000 Menschen. Unter Auslassung
von 16000 Sterbefällen infolge Pest findet er, daß etwa 71000 Todes-
fälle durch Kinderkrankheiten verursacht werden; ferner waren
12000 an Blattern, Masern und anderen Krankheiten gestorben, also
an Krankheiten, die auch Erwachsene befallen können; er nimmt an,
daß die Hälfte dieser Toten nicht das 6. Lebensjahr erreicht habe.
Das Resultat ist demnach, daß 36 Proz. der Todesfälle vor dem
6. Lebensjahre eintreten. Und dies Ergebnis stimmt nicht schlecht
mit späteren Beobachtungen überein.
Geringeres Glück war seinem Versuch beschieden, den Rest der
Sterbefälle nach Altersgruppen zu verteilen. Dies geschieht nämlich
ganz willkürlich nach sehr schneller Progression. Im 16. Lebensjahr
sollten von 100 Geborenen nur noch 40, im 26. Jahr nur 25 und im
46. Jahr nur 10 usw. am Leben sein.
Selbst wenn man etwas über die Altersgruppierung gewußt
hätte, so würde man doch keineswegs auf Grund des vorliegenden
Materials haben berechnen können, wie viele von 100 Neugeborenen
nach und nach noch am Leben wären (eine Überlebenstafel), da ja
die Bevölkerung stark wuchs und der jährliche Zuwachs zu berück-
sichtigen war. Aber wie wenig nun auch die Zahlen mit der Wirk-
lichkeit übereinstimmten, so muß man doch diesen ersten bahn-
brechenden Anfang zu einer Sterblichkeitsstatistik bewundern.
Recht interessant ist der Versuch Graunts, die Einwohnerzahl
Londons festzustellen. Er geht von einer normalen jährlichen An-
zahl Kindtaufen von 12000 aus, einer Zahl, die einer Anzahl von
24000 gebärfähigen Frauen („Teeming-Women“) entspricht. Die
Anzahl von Familien wird seiner Ansicht nach dann 48000 sein;
setzt man für jede 8 Mitglieder, nämlich Mann, Frau, 3 Kinder und
3 Dienstboten, so ergibt sich eine Bevölkerung von 384000 Seelen.
Dieses Ergebnis stimmt mit den Resultaten einer auf Grundlage
einiger Kirchspiele angestellten Untersuchung überein; für diese
Kirchspiele konstatierte Graunt 3 Sterbefälle jährlich auf je 11 Fa-
milien, und da die Normale der Todesfälle in London 13000 ist,
kommt er wieder zu ungefähr 48 000 Familien. Innerhalb der Mauern
wohnen etwa 12000 Familien, und ein Studium der Karte Londons
läßt die dreifache Zahl außerhalb der Mauern vermuten, womit man