1. Buchgewerbe und Geistesleben.
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XIII. Buch- und Zeitungswesen.
1. Buchgewerbe und Geistesleben.
Von Woldemar Koehlcr.
Itoehler, Das deutsche Buchgewerbe im Dienste der Wissenschaft. Denkschrift, kseidelderg,
Karl Winter, [(903/$]. 5. 9—p.
Das Buchgewerbe ist mit dem Geistesleben eng verknüpft. Wie erklärt sich diese
Erscheinung? —
Die praktische Übung erzieherischer Tätigkeit stützt sich vor allem auf die Bildungsmittel,
unter denen die literarischen naturgemäß den ersten Rang einnehmen. Ihre
Beschaffenheit war von jeher großen Schwankungen unterworfen, je nach dem Niveau
des obwaltenden Kulturzustandes. Sie hat gleich diesem ihre geschichtliche Entwickelung.
In der Qualität der Bildungselemente liegt in gewissem Sinne auch die Gewähr für
den geistigen Fortschritt, zum mindesten aber ein Kennzeichen für dessen Bewertung.
Von den einfachsten Formen schreitet sie fort zu immer höherer Vollendung.
Die Einwirkung der Schrift in all der Vielseitigkeit ihrer technischen Verwendung
auf den Werdegang der Geisteskultur tritt in der Geschichte des Buchgewerbes besonders
wirkungsvoll hervor. Sie verbürgt den engen, ja untrennbaren Zusammenhang mit
der Geschichte der geistigen Bildung, — ein Konnex, der durch das stete Zusammenfließen
der beiderseitigen Interessengebiete festgefügt ist. Die Innigkeit der wechselseitigen
Beziehungen erklärt die Tatsache, daß die Geschichte des Buchgewerbes zugleich
ein nicht unbedeutendes Stück Kulturgeschichte enthält, ja enthalten muß. Sie beschreibt
die Entstehung und Verwertung jener Elemente, durchweiche der Menschheit
eine höhere Daseinsform geschaffen, ihr ein menschenwürdiges Leben
begründet und erhallen wurde.
Mit dein Werden und Vergehen auf dein Gebiete des geistigen Lebens ändern
sich auch Art und Llmfang buchgewerblichen Fleißes, ändern sich die grundlegenden
Voraussetzungen, in denen der Grad der Entwickelungsfähigkcit des Buchgewerbes
gegeben ist. Beide Gebiete stehen im Verhältnis wechselseitiger Bedingtheit. Die
Geistesarbeit spiegelt sich in den Erzeugnissen dieser Gewerbtätigkeit wieder und findet
in derselben ihren beredten Ausdruck. Ein jegliches für das Kulturleben wichtige
Ereignis wird vom literarischen Verkehr seiner Bedeutung gemäß aufgenommen und
von diesem in einer auf das allgemeine Verständnis abzweckenden Form reflekttert, —
etwa wie Lichtstrahlen, die auf ein Prisma fallen.
Der enge Zusammenhang der erwähnten Interessensphären tritt des weiteren recht
deutlich in der Erscheinung zutage, daß Aufschwung und Niedergang auf der einen
Seite sich unmittelbar der andern mitteiien und auf diese übergehen, jedoch mit dem
Unterschiede, daß selbst die schwerste Katastrophe, welche je die Kultur getroffen, nicht
in gleichem Maße verderblich auf die geistigen Schöpfungen einwirtt. Die Errungenschaften
des Wissens, wenn auch vorübergehend wirtschaftlich entwertet, leben fort in
den Erzeugnissen buchgcwerblichen Fleißes und erlangen in denselben unvergänglichen
Wert. — Sie haben etwas von der Dauer architektonischer Kunstwerke, wenn sie auch
nicht mit dergleichen Widerstandskraft den äußeren Einwirkungen zu trotzen vermögen.
Für das Verständnis des historischen Werdens auf diesem interessanten Gebiete
der Geschichtsschreibung ist die Sicherheit der Anschauung wesentlich, daß dessen Fortbildung
vornehmlich an die Wirksamkeit zweier Fattoren gebunden ist: an den Fortschritt
der geistigen Bildung und den der Technik. Diese Duplizität des