Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

2.  Der  deutsche  Buchhandel  in  seinen  verschiedenen  Zweigen  re.  281
bestimmten  Sendungen  in  geineinsamen  Ballen,  deren  einzelne  Teile  vom  Kommissionär
am  KommissionsPlatz  an  die  Kommissionäre  der  verschiedenen  Adressaten  besorgt
wurden.  Es  entstand  so  besonders  aus  Frachtersparnisrücksichten  für  die  vielen  einzelne»
Sendungen,  deren  Zahl  durch  das  Konditionsgeschäft  sehr  vermehrt  wurde,  der  regelmäßige ­
  Verkehr  über  den  KommissionsPlatz,  besonders  über  Leipzig.  Nicht  nur  die
Bücherpakete  gingen  diesen  Weg,  sondern  auch  das  Gros  der  buchhändlerischen  Geschästspapiere,
  wie  Verlangzettel  rc.  Es  wurden  also  auch  bei  diesem  veränderten
Verkehr  noch  alle  Geschäfte  am  Meßplatz  abgeschlossen,  wenn  auch  meist  durch  die
Kommissionäre.
Aus  dem  alten  Meßverkehr  erhielt  sich  aber  auch  der  Brauch,  daß  der  Verkäufer ­
  Kosten  und  Gefahr  für  die  Sendung  nach  dem  Meßplatz  trug,  während  der
Käufer  den  Transport  vom  Meßplatz  nach  seinem  Wohnort  zu  tragen  hatte.  Diese
Regel  wurde  nun  auch  auf  die  neu  entstehenden  Konditionssendungen  ausgedehnt.
Mit  dem  Auskommen  dieses  regelmäßigen  Verkehrs  war  es  nun  für  jeden  größeren
Sortimenter  und  Verleger  nötig,  daß  er  sich  am  Meßplatz,  der  jetzt  zum  KommissionsPlatz
geworden  war,  einen  Vertteter  (Kommissionär)  hielt.
Die  Besorgung  des  Kommissionsgeschäfts  lag  zunächst  fast  ausschließlich  in  der
Äand  von  Sortimentsbuchhandlungen.  Mit  der  Zunahme  des  Verkehrs  und  den
gesteigerten  Anforderungen  an  die  Koinmissionstätigkeit  gaben  aber  die  meisten  der
größeren  Kornmissionäre  das  Sortimentsgeschäst  auf  und  widmeten  sich  ganz  ihrer
Kommissionstätigkeit.
Der  Äauptkommissionsplatz  war  und  blieb  für  den  deutschen  Buchhandel  naturgemäß ­
  der  alte  Meßplatz  Leipzig,  über  den  stets  der  Lauptverkehr  ging.  Auch  die  alte
Meßstadt  Frankfurt  a.  M.  diente  zunächst  noch  bei  den  veränderten  Verhältnissen  bis
1868  als  Kommissionsplatz,  hörte  aber  dann  als  solcher  zu  bestehen  auf,  da  sich
inzwischen  der  buchhändlerische  Verkehr  in  anderer  Weise  zu  zentralisieren  begonnen
hatte.  Für  den  Verkehr  der  einzelnen  Gebietsteile  im  deutschen  Buchhandel  unter  sich
bildeten  sich  andere  Kommissionsplätze  aus,  von  denen  heute  die  folgenden  bestehen:
Wien  für  den  österreichischen  Buchhandel  unter  sich,  Stuttgart  für  den  süddeutschen
Buchhandel,  Berlin  fiir  Teile  des  norddeutschen  Buchhandels,  Budapest  für  den
ungarischen  Buchhandel,  Prag  für  den  böhmischen  und  Zürich  für  den  Schweizer
Buchhandel.
Leipzig  kann  als  Kommissionsplatz  des  gesamten  deutschen  Buchhandels  gelten.
Auch  Stuttgart  hat  in  der  neueren  Zeit  als  Kommissionsplatz  größere  Bedeutung  erlangt,
während  Berlin  in  den  letzten  Jahren  wiederzurückgegangen  ist.  Zürich  diente  stets
dem  Schweizer  Buchhandel  als  Kommissionsplah.  Die  verschiedenen  süddeutschen
Kommissionsplätze:  Augsburg,  Frankfurt,  Nürnberg  und  München  sind  alle  im  Anfang
der  siebziger  Jahre  als  solche  eingegangen.
In  Leipzig  haben  fast  alle  zum  deutschen  Buchhandel  gehörigen  Finnen  ihren
Kommissionär,  verschiedene  haben  je  nach  der  Lage  ihres  Geschäftssitzes  noch  ein  oder
zwei,  auch  drei  andere  Kommissionäre.
Die  Zahl  der  von  den  Kommissionsgeschäften  vertretenen  Firmen  schwankt  zwischen
l  und  804.  Auch  beim  Kommissionsgeschäft  ist  der  Großbetrieb  besonders  lohnend.
Wir  finden  daher  auch,  daß  die  Zahl  der  Kommissionäre  nicht  mit  der  Zahl  der
Kommittenten  gewachsen,  sondern  eher  zurückgegangen  ist,  infolge  des  Ankaufs  kleinerer
Firmen  durch  große  Kommissionsgeschäfte  rc.  Die  größten  Betriebe  hat  naturgemäß
Leipzig.  Wir  finden  dort  3  Geschäfte  mit  600—804  Kommittenten,  3  mit  300  bis
600  Kommittenten,  9  mit  200—300  und  12  mit  100—200  Kommittenten.  In
Stuttgart  ist  die  höchste  Kommittentenzahl  einer  Firma  234  und  in  Wien  158.
Der  buchhändlerische  Kommissionär  ist  nicht  dem  Kommissionär  im  Sinne  des
Handelsgesetzbuchs  gleichzustellen,  welcher  es  gewerbsmäßig  übernimmt,  Waren  oder
            
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