Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3.  Wie  studiert  man  an  der  Handelshochschule?

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sich  klar  machen,  welche  Vorlesungen  für  Sie  in  einem  Semester  die  Lauptvorlesungcn
sein  sollen.  Danach  wird  sich  dann  die  häusliche  Mit-  und  Nacharbeit  richten.
Entschließen  Sie  fid>  beispielsweise,  die  Vorlesung  über  kaufmännische  Betriebslehre
als  hauptsächlichste  Vorlesung  zu  betrachten,  dann  werden  Sie  durch  lebhafte  Teilnahme ­
  an  den  zu  ihr  gehörenden  Übungen  in  der  Buchführung  usw.  die  notwendige
Ergänzung  der  Vorlesung  erhalten  und  sich  zu  Laus  nicht  noch  mit  diesem  Stoff
beschäftigen  müssen.  Wollen  Sie  dagegen  die  Nationalökonomie  besonders  traktieren,
dann  werden  Sie  enttveder  in  den  empfohleneit  Lehr-  und  Landbüchern  sich  ergänzend
unterrichten  müssen,  oder  aber  Sie  werden  die  eine  oder  andere  spezielle  Frage  an  der
Land  der  Spezialliteratur  genauer  studieren  müssen;  in  diesem  Fall  tvird  die  Teilnahme
an  den  Übungen  nicht  genügen,  um  die  Vorlesung  zweckmäßig  zu  ergänzen.  Auch
iibcr  diese  Fragen  wird  Sie  der  Rat  der  Dozenten  an,  besten  aufklären.
Jedenfalls  bleiben  die  Vorlesungen  immer  der  Mittelpunkt  des  ganzen  Studiums,
mtd  Sie  werden  sich  vor  alleut  über  deren  Bedeutung  für  Ihr  Studium  und  für
Ihren  Stundenplan  klar  werden  müssen.
Es  bleibt  mir  noch  übrig.  Ihnen  die  neben  den  Vorlesungen  in  Betracht
kommenden  Bildungsmittel  kurz  zu  skizzieren.  Von  diesen  fassen  wir  zunächst  ins  Auge
die  Übungen.
Die  Übungen  unterscheiden  sich  von  den  Vorlesungen  in  erster  Linie  dadurch,
daß  in  ihnen  durch  Frage  und  Antwort  ein  ständiger  Wechselverkehr  zwischen  Dozent
und  Lörer  gepflegt  wird.  Lier  soll  also  der  Lörer  nicht  nur  aufnehmen,  wie  in  den
Vorlesungen,  sondern  vielmehr  selbst  mitwirken,  sei  es  durch  eigene  Produktion,  sei  es
durch  Reproduktion  des  Gehörten.
Ergänzt  werden  die  Übungen  in  der  Nationalökonomie  und  der  kaufmännischen
Betriebslehre  durch  Exkursionen.  Dieselben  sollen  die  Anschauung  des  wirtschaftlichen ­
  und  kaufmännischen  Lebens  fördern.  Man  besucht  eine  Fabrik,  ein  Bergwerk,
einen  Landwirtschaftsbetrieb,  ein  großes  Geschäft,  um  die  Eigentümlichkeit  der  einzelnen
Llnternehmungsarten  unter  dem  wirtschaftlichen  Gesichtspunkt  kennen  zu  lernen.  Eine
orientierende  Besprechung  vor  der  Exkursion  soll  auf  die  Lauptgesichtspunktc  aufmerksam
machen,  während  eine  an  der  Land  eines  Protokolles  über  die  Besichtigung  erfolgende
nochmalige  Erörterung  des  Gesehenen  die  Ergebnisse  ziehen  soll.  Solch  Anschauungsunterricht ­
  muß  gerade  neben  der  Theorie  besonders  berücksichtigt  werden.  Dabei  werden
Ihnen  diese  Exkursionen  auch  aus  dem  Grunde  Freude  bereiten,  weil  sie  zu  angenehmem ­
  Verkehr  mit  den  Dozenten  und  Studierenden  führen.
Eine  sehr  wesentliche  Rolle  wird  in  Ihrem  akademischen  Studium  immer  die
Lektüre  spielen.  Lesen  und  Lesen  ist  nun  allerdings  etwas  sehr  Verschiedenes,  je
nachdem  man  es  als  ernste  Beschäftigung  betreibt  oder  nur  als  Mittel  zum  Zeittotschlagen ­
  braucht.  Daß  für  Sic  während  des  Studiums  nur  die  erste  Art  in  Bewacht
kommt,  versteht  sich  von  selbst.  Aber  recht  lesen,  ist  eine  Kunst,  die  keineswegs  jeder
versteht,  und  die  doch  von  größter  Bedeutung  ist.  Man  könnte  lange  über  die  Kunst
des  richtigen  Lesens  schreiben;  man  kann  sehr  viel  gelesen  haben  und  hat  doch  deshalb
nichts  oder  nicht  der  aufgewandten  Zeit  und  Mühe  entsprechend  viel  gehabt,  weil  man
nicht  verstand,  richtig  zu  lesen.  Nur  ein  Ratschlag,  den  auszuführen  keineswegs  so
leicht  ist,  als  auf  den  ersten  Blick  scheint:  Lesen  Sie  nie  einen  Abschnitt,  eine  Seite
in  einem  Buch,  ohne  sich  Rechenschaft  abzulegen  davon:  Was  habe  ich  gelesen?  Lind
wie  stehe  ich  zu  den  vorgetragenen  Tatsachen  und  Ansichten?  Wenn  Sie  so  lesen,
dann  werden  Sie  wirklichen  Vorteil  vom  Lesen  haben,  mögen  Sie  nun  Zeitungen  und
Zeitschriften,  oder  mögen  Sie  die  Lauptwerke  des  Menschengeistes  lesen.
Nun  noch  ein  Wort  über  die  Ferien!  Sic  können  dieselben  sehr  mannigfaltig
verwenden.  Ist  Ihnen  durch  verwandtschaftliche  oder  freundschaftliche  Beziehungen  die
Möglichkeit  gegeben,  sich  in  einem  oder  mehreren  großen  Betrieben  des  gewerblichen
            
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