Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Dritter  Teil.  Industrie.

Den  Leuten,  die  ich  gebraucht  habe,  habe  ich  ihren  Lohn  gezahlt,  meistens  ihre
Stellung  verbessert  und  nach  gesetzlichen  Bestimmungen  den  Kontrakt  verlängert  oder
sic  entlassen.  Mancher  verließ  die  Fabrik,  uni  anderswo  sich  zu  verbessern,  der  eine
ist  gegangen,  und  ein  anderer  hat  die  Stelle  wiederbesetzt,  und  wo  ursprünglich
3  Mann  beschäftigt  waren,  standen  später  15  000.  Im  Laufe  der  Zeit  haben  mehr
als  l  00  000  Mann  solchen  Wechsel  auf  meinen  Werken  durchgemacht,  und  es  ist  ganz
natürlich,  daß  solcher  Ab-  und  Zugang  fortdauern  wird.  Jeder  Mann  hat  nach  seiner
Kraft  und  Fähigkeit  seinen  Lohn  erhalten,  und  anstatt  eines  jeden  konnte  in  den  meisten
Fällen  auch  ein  anderer  hingestellt  werden.
Es  ist  bisher  keinein  eingefallen,  nach  Empfang  des  vereinbarten  Lohnes  noch
einen  Anspruch  zu  erheben  an  den  Gewinn.  Für  diesen  Anspruch  treten  aber  heuügen
Tages  gelehrte  Volksbeglücker  mit  den  schönsten  Redensarten  auf,  und  diese  haben
wesentlich  zu  den  betörenden  sozialistischen  Lehren  geführt.
Der  Arbeiter  hat  die  Erfindungen  nicht  gebracht.  Er  wird  nicht  betroffen  von
den  Kosten  und  Verlusten,  welche  der  Fabrikant  für  Versuche  und  Anlagen  zu  tragen
hat.  Für  die  Arbeit  erhält  er  den  Lohn.  Es  kann  keine  Rede  davon  sein,  daß
irgend  jemand  einen  besonderen  Anspruch  behalte,  außer  solchen,  der  in  Steigerung  des
Lohnes  und  des  Gehaltes  besteht  und  immer  nur  Folge  größerer  Leistungen  ist.  Das
ist  Sache  der  freien  Vereinbarung.  Die  Erfindungen  und  dazu  gehörenden  Produkttonen
habe  ich  eingeführt;  der  Arbeiter  darf  aber  nicht  die  Frucht  verlangen  von  der  Tätigkeit
anderer;  das  ist  gegen  das  jedem  Menschen  eingeborene  Rechtsgefühl.  Wie  jedermann
verteidige  auch  ich  mein  Eigentum;  wie  mein  Laus,  so  ist  auch  meine  Erfindung  mein
und  die  Frucht  derselben,  sie  mag  Gewinn  sein  oder  Verlust.
In  seinem  Lohne  hat  der  Arbeiter  den  größeren  Anteil  am  Ertrage.  Denn
durchschnittlich  beträgt  in  guten  Zeiten  der  Lohn  mehr  als  drei  Viertel  des  ganzen
Wertes  der  Fabrikate;  der  Rest  muß  Zinsen,  Entwertung,  Verwaltungskosten,  verlorene
Posten  u.  dgl.  decken.  Dann  erst  kommt  der  Gewinn.  In  schlechten  Zeiten  aber,
wo  der  Arbeitgeber  oft  nichts  verdient,  vielleicht  viel  verliert,  behält  der  Arbeiter  immer
noch  seinen  Lohn.  Der  Arbeiter,  der  in  guten  Zeiten  Anteil  am  Gewinn  verlangen
möchte,  müßte  doch  auch  in  schlechten  Zeiten,  wo  zugesetzt  wird,  den  Verlust  teilen,
und  doch  verlangt  er  auch  dann  vollen  Lohn.  Daher  ist  es  notwendig,  daß  der  Arbeitgeber ­
  in  guten  Jahren  mehr  verdient,  als  er  gebraucht.  Gerade  wie  der  Landwirt
muß  er  auf  Wechselfälle  vorbereitet  sein.  Beide  haben  oft  die  Kosten  für  die  Saat
und  keine  Ernte.  Lat  die  Fabrik  in  guten  Jahren  ihr  Kapital  nicht  vergrößert,  fo
könnte  sie  in  schlechten  Jahren  nicht  bestehen  und  müßte  die  Arbeiter  entlassen.  —  Das
ist  bisher  in  größerem  Maße  nicht  nötig  gewesen,  sie  hat,  wenn  alles  darniederlag,
dennoch  die  Arbeit  fortgesetzt,  auf  Vorrat  fabriziert  oder  mit  Verlust  verkauft,  um  die
Leute  zu  ernähren  und  ihren  Lerd  warm  gehalten.  Wie  ich  den  Verlust  allein
ttagen  muß,  so  ist  auch  der  Gewinn  mein  von  Rechts  wegen,  denn  ich  habe  ihn  erworben
mit  meiner  Kraft  und  meiner  Sorge.
Ich  habe  das  Bewußtsein,  daß  diese  Werke  ein  Segen  sind  für  das  Land  und
für  die  Arbeiter.  Sie  sind  das  umsomehr,  weil  mein  Interesse  mir  empfohlen  haben
würde,  dieselben  im  Auslande  zu  errichten,  wo  ich  früher  und  mehr  Anerkennung  und
Absatz  gefunden  habe  und  größere  Vorteile  haben  würde.
Am  die  Lage  meiner  Arbeiter  zu  verbessern,  war  ich  von  jeher  zunächst  darauf
bedacht,  ihnen  ein  möglichst  sorgenfreies  Dasein  für  die  Zeiten  zu  verschaffen,  in  denen
sie  selbst  nicht  mehr  arbeiten  könnten.  Ihr  selbst  wißt  es  am  besten,  wie  es  mit  Kranken,
Invaliden  und  ausgedienten  Arbeitern  bei  uns  gehalten  wird.  Dann  habe  ich  den
Arbeitern  Wohnungen  gebaut,  worin  bereits  20000  Seelen  untergebracht  sind,  habe
Schulen  gegründet,  Schenkungen  verliehen  und  Einrichtungen  gettoffen  zur  billigen
Beschaffung  von  allem  Lebens-  und  Lausbedarf.  Ich  habe  mich  dadurch  in  eine
            
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