Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

5.  Aus  meiner  parlamentarischen  Tätigkeit.

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Preußens  Legemonie  erstehen  soll.  Zweitens,  eng  zusammenhängend  mit  dem  eben
genannten  imstande,  zeigt  sich  insbesondere  seit  Ende  der  fünfziger  Jahre  mächtig  eine
wirtschaftliche  spontan  freihändlerische  Bewegung,  welche  in  der  Folge  den  politischen
Bestrebungen  Preußens  in  der  Deutschen  Frage  ein  wertvoller,  ja  unentbehrlicher
Bundesgenosse  wurde.

5.  Aus  meiner  parlamentarischen  Tätigkeit.
(Der  deutsch-französische  Handelsvertrag).
Von  Werner  v.  Siemens.
v.  Siemens,  Lebenseriiinermige».  7.  Aufl.  Berlin,  Julius  Springer,  (904.  S.  (87—(88
und  S.  (93—(95.
Bis  zum  Jahre  1860  war  ich  mit  wissenschaftlichen  und  technisch-praktischen
Arbeiten  so  vollauf  beschäftigt,  daß  ich  der  Politik  ganz  fernblieb.  Erst  als  unter
der  Regentschaft  des  Prinzen  von  Preußen  die  politische  Erstarrung  und  der  Pessimismus,
die  bis  dahin  fast  ausschließlich  herrschten,  sich  milderten  und  freiere  politische  Anschauungen ­
  sich  wieder  hervorwagten,  schloß  ich  mich  dem  unter  Bennigsens  Führung
gebildeten  und  vom  Äerzog  Ernst  von  Koburg-Gotha  beschützten  Nationalverein  an.
Ich  wohnte  seiner  konstituierenden  Versammlung  zu  Koburg  bei  und  beteiligte  mich
fortan  als  treuer  Bundesgenosse  an  seinen  Bestrebungen,  Hierdurch  und  durch  meine
lebhafte  Betätigung  bei  den  Wahlen  zum  Landtage  wurde  ich  mit  den  leitenden  Politikern ­
  der  liberalen  Partei  näher  bekannt.  Ich  besuchte  die  Versammlungen  der  in
Bildung  begriffenen  neuen  liberalen  Partei  und  nahm  teil  an  den  Beratungen  über
Programm  und  Namen  derselben.  Die  Mehrheit  war  geneigt  für  den  Namen
„Demokratische  Partei"  zu  stimmen,  während  Schulze-Delitzsch  sie  „Deutsche  Partei"
taufen  wollte.  Ich  schlug  vor,  den  Namen  „Fortschrittspartei"  zu  wählen,  da  es  mir
angemessener  schien,  die  Tätigkeitsrichtung  als  die  Gesinnung  durch  den  Parteinamen
zu  bezeichnen.  Es  wurde  beschlossen,  meinen  Vorschlag  mit  dem  von  Schulze-Delitzsch
zu  vereinigen  und  die  neue  Partei  „Deutsche  Fortschrittspartei"  zu  nennen.
Die  Aufforderung,  mich  zum  Abgeordneten  wählen  zu  lassen,  hatte  ich  wiederholt ­
  abgelehnt,  hielt  es  aber  im  Jahre  1864  für  meine  Pflicht,  die  ohne  meinen  Antrag ­
  auf  mich  gelenkte  Wahl  zum  Abgeordneten  für  den  Bezirk  Solingen-Remscheid
anzunehmen.
In  den  drei  Jahren  meiner  parlamentarischen  Tätigkeit  habe  ich  in  Kommissionssihungen
  und  Parteiversammlungen  bei  den  drei  einzigen  Gesetzen,  die  durch  Äbereinstimmung
  mit  Regierung  und  Herrenhaus  Gesetzeskraft  erhielten,  tätig  mitgewirkt.  Ich
war  Spezialreferent  der  Abteilung  „Metalle  und  Metallwaren"  des  deutsch-französischen
Handelsvertrages  und  glaube,  durch  ein  eingehendes  Referat,  das  ich  über  diesen  am
heftigsten  bestrittenen  Teil  des  Vertrages  ausarbeitete,  nicht  unwesentlich  zur  schließlichen
  Annahme  desselben  beigetragen  zu  haben.  Leider  brachte  mich  dieses  Referat
in  Konflikt  mit  meinem  Wahlbezirke.  Dieser  entsandte  eine  besondere  Deputation  an
das  Abgeordnetenhaus,  um  gegen  den  Artikel  zu  protestieren,  der  es  verbot,  Fabrikate
mit  den  Firmen  und  Fabrikzeichen  der  Fabrikanten  eines  anderen  Landes  zu  bezeichnen.
Die  Solinger  und  Remscheider  Industriellen  erklärten,  daß  es  herkömmlich  und  allgemein
üblich  wäre,  die  besseren,  in  der  Regel  von  englischen  Fabrikanten  und  Händlern
bestellten  Waren  mit  einem  englischen  Fabrikationsstempel  nach  deren  Angabe  zu  versehen, ­
  und  daß  ihr  Geschäftsbetrieb  schwer  geschädigt  werden  würde,  wenn  man  ihnen
            
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