Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

26*

Fünfter  Teil.

Verkehrswesen.

I.  Zur  Geschichte  des  Verkehrswesens.
1.  Das  Verkehrswesen  bei  den  Naturvölkern.
Von  Karl  Bücher.
Bücher,  Die  Wirtschaft  der  Naturvölker.  In:  Die  Entstehung  der  Volkswirtschaft.  4.  Ausl.
Tübingen,  ß.  Laupp,  $0^.  S.  9;—9^.
Bei  den  Naturvölkern  gibt  es  Verkehrswege  auf  dem  festen  Lande  nur  dann,
wenn  sic  der  Fuß  des  Menschen  getreten  hat;  die  einzigen  künstlichen  Anlagen,  um
den  Landverkehr  zu  erleichtern,  sind  primitive  Brücken,  oft  nur  aus  einem  einzigen
Baumstamm  bestehend,  oder  Fähren  bei  Flußübergängen,  für  deren  Benutzung  der
Reisende  an  den  Dorfherrn  eine  Abgabe  zu  zahlen  hat,  die  in  der  Regel  zu  schweren
Erpressungen  Anlaß  gibt.  Dagegen  werden  die  natürlichen  Wasserwege  überall
fleißig  benutzt,  und  es  gibt  kaum  ein  Naturvolk,  das  nicht  durch  Meeres-  oder  Flußlage
auf  den  Gebrauch  irgend  eines  eigentümlichen  Fahrzeuges  geführt  worden  wäre.  Die
Aufzählung  und  Beschreibung  dieser  Vehikel  könnte  ein  ganzes  Buch  füllen;  von  dem
Einbaum  und  Rindenkahn  der  Indianer  bis  zu  den  kunstvoll  geschnitzten  Ruder-  und
Segelbooten  der  Südseeinsulaner  sind  alle  Typen  vertreten;  im  ganzen  aber  ist  die
Technik  des  Schiffsbaues  und  der  Schiffahrt  bei  diesen  Völkern  doch  unentwickelt
geblieben;  keines  ihrer  Fahrzeuge  verdient  im  eigentlichen  Sinne  den  Namen  eines
Schiffes,  und  so  sind  sie  denn  auch  zunächst  viel  mehr  als  Produktionsinstrumente
denn  als  Verkehrsmittel  anzusehen.  Sie  dienen  dem  Fischfang,  der  Piraterie,  dem
Krieg;  erst  später  erlangen  sie  einige  Bedeutung  für  den  Personenverkehr,
während  es  zu  einem  Güterverkehr  von  einigem  Belang  nirgends  gekommen  ist.
Merkwürdigerweise  ist  derjenige  Zweig  des  Verkehrswesens  bei  den  Naturvölkern ­
  am  reichsten  entwickelt,  der  uns  leicht  nur  als  Ergebnis  höchster  Kultur  möglich
erscheint:  der  Nachrichtenverkehr.  Ja,  er  bildet  die  einzige  Verkehrsart,  für  welche
die  Naturvölker  dauernde  Organisationen  geschaffen  haben.  Ich  meine  das  Botenwesen ­
  und  die  Fernsprecheinrichtungen.  Beide  sind  wesentlich  als  Mittel  primitiver
Regierungskunst  und  Kriegführung  aufzufassen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.