Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

8.  Der  Suezkanal.

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wußte  nun,  daß  die  Verbindung  möglich  sei  ohne  Schleusen  und  ohne  die  Gefahr,
daß  Anterägstpten  überflutet  werde.  Die  St.  Simonisten  in  Frankreich  hatten  die  vorbereitenden ­
  Studien  sehr  gefördert,  wie  auch  einer  der  ihrigen,  Michel  Chevalier,  der
erste  war,  der  einen  direkten  Kanal  mit  Äbergehung  des  Nils  anregte  (1844).
Ein  glücklicher  Zufall  wollte  es,  daß  Lesseps,  dessen  Vater  bei  Mehemet  Ali
in  hohem  Ansehen  gestanden  hatte,  seit  früher  Jugend  mit  Said  Pascha  aufs  innigste
befreundet  war.  Dank  dieser  Freundschaft  erhielt  Lesseps  bereits  zwei  Monate  nach
dem  Regierungsantritt  des  Khediven  Said  am  30.  November  1854  die  Konzession  für
den  Kanalbau.
Lesseps  hatte  das  Mißtrauen  der  ganzen  Welt  gegen  sich,  und  es  bedurfte
ungewöhnlicher  Tattraft,  Ausdauer  und  Klugheit,  um  nicht  zu  erliegen.  Die  Schwierigkeiten, ­
  die  auftauchten,  waren  politischer,  finanzieller  und  technischer  Natur.
In  politischer  Pinsicht  erstand  dem  Unternehmen  sofort  ein  erbitterter  Feind.
England  fühlte  seine  Kolonialmacht  bedroht.  Ein  kürzerer  Weg  nach  Indien,  den
England  nicht  beherrschte,  der  England  von  einer  fremden  Macht  abhängig  machte,
das  war  ihm  ein  unerträglicher  Gedanke.  Die  englische  Regierung  unterließ  nichts,
um  das  Projekt  zum  Scheitern  zu  bringen.  Lord  Palmerston,  der  als  Minister  wie
nach  seineni  Sturz  bis  zu  seinem  Tod  das  Kanalunternehmen  mit  dem  wildesten  Paß
verfolgte,  äußerte  sich  im  Unterhaus  (7.  Juli  1857)  in  der  wegwerfendsten  Weise  über
das  Wagnis,  das  ganze  sei  ein  Attentat  auf  die  Leichtgläubigkeit  der  Kapitalisten,
nichts  als  eine  Chimäre,  der  berühmte  englische  Ingenieur  Stephenson,  der  Sohn  des
Erfinders  der  Lokomotive,  behauptete  die  Anausführbarkeit,  man  !verde  nichts  als  einen
schlammigen,  stagnierenden  Graben  erhalten  und  der  Versandung  der  Einmündung  des
Kanals  in  das  Mittelmeer  nicht  vorbeugen  können.  Bei  der  Pforte  wurden  englischerseits
  alle  Pebel  in  Bewegung  gesetzt,  um  sie  zum  Einschreiten  zu  veranlassen,  und  je
nach  der  politischen  Lage  gab  sie  mehr  oder  minder  nach.  Im  Ottober  1859  erschien
eine  türkische  Fregatte  vor  Alexandria,  um  die  Einstellung  der  begonnenen  Arbeiten  zu
verlangen;  ja  sogar  auf  die  Absetzung  des  Khediven  wurde  von  der  englischen  Regierung
in  Konstantinopel  hinzuarbeiten  versucht.
Lesseps  war  aber  unerschütterlich,  als  alter  Diplomat  fand  er  immer  wieder
Wege,  um  sich  zu  helfen;  wenn  die  Gegner  bereits  ttiumphieren  zu  können  glaubten,
kam  jedesmal  eine  Wendung  wieder  zu  seinen  Gunsten.  Schließlich,  nachdem  der  Bau
bereits  7  Jahre  gedauert,  fand  auch  die  Pforte  den  Mut,  die  Konzession  zu  bestättgen
(19.  März  1866).
Groß  waren  die  finanziellen  Schwierigkeiten.  Der  erste  Spatenstich  erfolgte  am
25.  April  1859,  die  Eröffnung  am  17.  November  1869.  Zehn  Jahre  sind  eine  lange
Zeit,  und  nicht  selten  verzagten  angesichts  der  vielen  Schwankungen  und  Anfeindungen
die  Kapitalisten.  England  hielt  sich  gänzlich  fern.  Bei  der  Subskription  von  200
Millionen  Francs  (5.  November  1858)  •—  auf  soviel  war  der  Kanal  veranschlagt  -
hatte  man  England  40  Millionen  reserviert,  allein  nicht  ein  Pfennig  wurde  von
Engländern  gezeichnet,  auch  Österreich,  Rußland  und  die  Vereinigten  Staaten  von
Amerika  beteiligten  sich  nicht;  die  Franzosen  übernahmen  mehr  als  die  Pälfte,  die
anderen  Nationen  noch  nicht  V«,  den  Rest  der  Khedivc.  Das  Aküenkapital  reichte
nicht  entfernt  aus,  bis  zur  Fertigstellung  des  Kanals  nnißten  neben  anderen  Mitteln
weitere  10,0  Millionen  Francs  unter  nicht  leichten  Bedingungen  im  Wege  des  Kredits
beschafft  werden.  1863  stand  die  Aktie  in  Paris  vorübergehend  auf  40  Francs  statt
auf  500.  Die  Banken  und  die  Börse,  welche  bei  den  Geldgeschäften  übergangen
worden  waren,  haben  langezeit  dem  Anternehmen,  wo  sie  konnten,  geschadet.
Was  die  technische  Seite  anlangt,  so  hatte  man  große  Pöhen  nicht  zu  überwinden; ­
  nur  bei  El  Guisr  war  eine  solche  von  19  m  über  dem  Meeresniveau  in  einer
Ausdehnung  von  14  km.  Dagegen  bereitete  große  Schwierigkeiten  das  Arbeiten  in
            
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