Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

4.  Die  Trusts.

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Der  amerikanische  Geschäftsmann  überlegt  sich  reiflich  und  lange,  ehe  er  auf  ein  Angebot
eingeht;  hat  er  es  aber  getan,  so  ist  er  mit  ganzem  Lerzen  bei  der  Sache,  und  man
hat  an  ihm  einen  tatkräftigen  Mitarbeiter  von  unbedingter  Zuverlässigkeit  gewonnen.
Selbstverständlich  trifft  diese  Schilderung  nicht  auf  jeden  einzelnen  zu;  sie  zeichnet  aber
das  geschäftliche  Leben  im  ganzen,  wie  es  sich  mir  in  den  maßgebenden  Kreisen  der
wirtschaftlichen  Welt  der  Vereinigten  Staaten  dargestellt  hat.
Man  spricht  mit  Anrecht  von  einer  Nervosität  des  erwerblichen  Laste  ns  auf  der
andern  Seite  des  Ozeans.  Das  Gegenteil  ist  der  Fall.  Nur  unendliche  Regsamkeit
nimmt  man  dort  wahr,  angestrengten  Fleiß  und  immer  wieder  Fleiß;  aber  die  Nerven
der  Fleißigen  sind  wie  von  Stahl  und  unzerrüttbar.

4.  Die  Trusts.
Von  Moritz  Böker.

Böker,  wirtschaftliche  und  industrielle  Verhältnisse  in  den  vereinigten  Staaten  von  Amerika.
In:  Mitteilungen  des  Vereins  zur  Wahrung  der  gemeinsamen  wirtschaftlichen  Interessen  in  Rheinland ­
  und  Westfalen.  Redigiert  von  Beumer.  Düsseldorf,  Druck  von  August  Bagel,  *903-  3.  226—228.
3m  Vordergründe  allen  Interesses  steht  der  „Trust";  so  kurz  das  Wort,  so  vielbedeutend
  ist  es.  Man  hat  darunter  das  Aufgehen  vieler  Produktionsstätten,  welche
bis  dahin  jede  für  sich  und  vielfach  im  Kampfe  unter  sich  verwaltet  wurde-:,  in  eine
gemeinsame  Verwaltung  zu  verstehen,  für  welche  nunmehr  nur  das  Interesse  der
Gesamtheit  maßgebend  ist.  In  der  Vereinigung  liegt  die  Macht,  und  die  Bildung
wirtschaftlich  machtvoller  Einheiten,  wie  sie  sich  auf  fast  allen  Gebieten  des  Erwerbes
in  den  Vereinigten  Staaten  vollzieht,  wird  naturgemäß  nicht  nur  Bedeutung  haben
für  die  Interessenten  im  Lande,  d.  h.  für  die  Produzenten  und  Konsumenten,  sondern
auch  für  die  auf  dem  Weltmärkte  mit  der  amerikanischen  konkurrierende  europäische
Industrie.
Der  Bildung  der  Trusts  liegt  die  Absicht  zugrunde,  dem  in  den  Produktionsstätten
  angelegten  Kapital  eine  stetige  und  möglichst  hohe  Rente  zu  sichern;  das  kann
erreicht  werden  durch  Erzielung  hoher  Verkaufspreise  oder  durch  Verbilligung  der
Erzeugungskosten  und  Verkaufsspescn.  Das  erstere  ist  das  Nächstliegende,  und  so
basieren  die  meisten  Trusts  in  Amerika  auf  der  Möglichkeit,  durch  Ausschaltung  der
Konkurrenz  innerhalb  des  riesigen  inländischen  Absatzgebietes  die  durch  die  Prohibitivzölle ­
  geschaffene  Lage  gründlich  auszunutzen.  Man  darf  dabei  allerdings  nicht  übersehen, ­
  daß,  wie  überall,  auch  hier  hohe  Gewinne  neue  Konkurrenz  heranziehen  und
damit  der  Trust  sich  selbst  seine  Grube  gräbt.
Je  machtvoller  der  Trust  ist,  um  so  schwieriger  wird  allerdings  das  Konkurrieren
sein,  und  es  gibt  ja  heute  bereits  „alleinherrschende  Trusts";  diese  Herrschaft  können
die  Trusts  indes  nur  erlangen  bezw.  dauernd  behalten,  wenn  sie  ihr  Augenmerk  darauf
richten,  durch  den  Trust  und  innerhalb  desselben  eine  Verbilligung  der  Erzeugung  und
des  Verkaufs  der  Waren  zu  erzielen.  Die  Bestrebungen  darauf  sind  besonders  bei
denjenigen  Trusts  anzutreffen,  welche  neben  dem  Inlandsgeschäste  auch  ein  bedeutendes
Auslandsgeschäft  pflegen  und  hier  wie  dort  eine  dominierende  Stellung  erhalten  wollen.
So  sagte  mir  der  Präsident  des  mit  einem  Kapital  von  120  Millionen  Dollars
gegründeten  Trusts  für  Erntemaschinen,  daß  die  Verwaltung  sich  entschlossen  habe,
ihre  Verkaufspreise,  welche  bekanntlich  sehr  niedrig  sind,  nicht  zu  erhöhen,  obgleich  man
            
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