Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

8.  Zeit-  und  Streitfragen.

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der  Parole  entständen,  daß  die  Studien  in  derselben  Weise  wie  an  den  Aniversitäten
getrieben  werden.  Die  Grundlage  kaufmännischen  Wissens  muß  praktische  Arbeit  sein,
der  sich  der  junge  Mann  von  Jugend  auf  widmen  muß.  Die  kaufmännischen  Kochschulen ­
  werden  nur  gedeihen,  wenn  junge  Leute  praktisch  gearbeitet  haben  und  auf  ihr
praktisches  Wissen  das  theoretische  Wissen  aufbauen.  Ich  hoffe,  daß  Sie  alle  darin
mit  mir  übereinstimmen.  Wer  sein  Studium  ohne  die  rechte  Grundlage  beginnt,  wird
nie  etwas  Ordentliches  erreichen.  Darum  wird  bei  den  Kaufleuten  der  Entwickelungsgang ­
  ein  anderer  sein  als  bei  den  rein  theoretisch  vorgebildeten  Kerren.  Sie  sehen  ja
bei  den  technischen  Berufen  dasselbe  Bedürfnis,  erst  eine  praktische  Tätigkeit  dem  Studium
vorangehen  zu  lassen,  und  ich  habe  die  Empfindung,  als  ob  diese  Tätigkeit  hier  und
da  zu  sehr  abgekürzt  wird.  Es  wird  sich  im  Anschluß  an  die  praktische  Arbeit  das
Studium  viel  leichter  gestalten  als  ohne  diese.  .  .  .
Bei  mir  laufen  viele  Klagen  ein,  daß  der  Zwischenhandel  vernachlässigt  und
zurückgedrängt  würde,  und  es  wird  ausgeführt,  daß  der  Staat  die  Pflicht  habe,  den
Zwischenhandel  zu  schützen.  Das  ist  theoretisch  gewiß  richtig.  Aber  es  wird  sich  wohl
kaum  immer  durchführen  lassen,  und  wir  werden  damit  wohl  rechnen  nüissen,  daß  durch
die  moderne  volkswirtschaftliche  Entwickelung  vielleicht  der  eine  oder  der  andere  Zweig
des  Zwischenhandels  beschränkt  oder  beseitigt  werden  wird.  Gegen  die  Bewegung  auf
Ausschaltung  gewisser  Zweige  des  Zwischenhandels,  glaube  ich,  kann  man  nichts  anderes
tun,  als  diejenigen  Kreise,  die  dadurch  geschädigt  werden,  sei  es  in  genossenschaftlicher,
sei  es  in  anderer  Form,  zu  größerer  Konzentration  zu  bewegen
Konzentration  unter  tunlichster  Aufrechterhaltung  der  Individualität  der  einzelnen
Glieder  ist  das  Ziel,  auf  das  wir  zweifelsohne  lossteuern  müssen.  Sie  sehen  ja  auch,
wie  das  System  im  Laufe  des  letzten  Jahrzehnts  fortgeschritten  ist.  Wir  werden  dabei
unsere  Aufmerksamkeit  darauf  zu  richten  haben,  daß  die  Äbelstände,  die  damit  verbunden
sind,  vermieden  werden.  Wir  werden  das  Bewußtsein  in  diese  konzentrierten  Geschäftsformen ­
  hineinzulegen  haben,  daß  Gewaltmaßregeln  Reaktionen  Hervorrufen  werden,
daß  daher  vor  Gewaltmaßregeln  möglichst  gewarnt  werden  muß.  Ein  Teilhaber  des
bekannten  Kerrn  Morgan  hat  mir  vor  einiger  Zeit  persönlich  auseinandergesetzt,  daß
das  Mißtrauen,  das  der  Iron  and  Steel  Corporation  entgegengebracht  werde,
unbegründet  sei.  Es  fiele  ihnen  nicht  ein,  so  einfältig  zu  sein,  für  eine  kurze  Zeit,
obwohl  sie  dazu  imstande  wären,  die  Konsumenten  auszubeuten.  Ihr  Ziel  ginge  darauf,
die  Arbeit  zu  teilen  und  da  zu  produzieren,  wo  es  rationell  sei,  und  den  Zwischenhandel ­
  auszuschalten,  wo  er  nicht  nötig  sei.  Wie  in  den  Vereinigten  Staaten,  so
wird  auch  bei  uns  der  Kampf  gegen  den  Zwischenhandel  seinen  Fortgang  nehmen.
Dagegen  wird  nichts  zu  machen  sein.  Wenn  wir  je  zu  so  gewaltigen  Organisationen,
wie  in  den  Vereinigten  Staaten,  kommen  werden,  so  werden  wir  uns  damit  abfinden
müssen,  daß  die  Einschränkung  des  Zwischenhandels  fortschreitet.  Das  schließt  jedoch
nicht  aus,  daß  zahlreiche  Kandelszweige  nach  wie  vor  gedeihen  werden.
            
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