Full text: Ein Arbeitstarifgesetz

I. Soziale Selbstbestimmung im Recht. 
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schlichten. Politische Gewohnheitsrechte gewinnen die Ober 
hand. An sich bedeutet das Gewohnheitsrecht gar nichts 
Widerhumanes. Die Gefahr für das Staatsleben und so 
auch für das Leben der Gesellschaft beginnt dort, wo die 
Regierungen sich genötigt sehen, und dies hinter dem Rücken 
der Parlamente, in unmittelbare Beziehungen zu diesen 
Verbänden zu treten." 
Mehr aus den ökonomisch-sozialen Entwicklungsgängen, 
als aus abstrakt politischen Ideen heraus entwickelt Lederer 
seine Gedanken. Lederer blickt auf die Entwicklung der 
Jnteressenorganisationen und die Einwirkung, die sie auf die 
Rechtsbildung erstreben. Sie haben den Inhalt des öffent 
lichen Lebens geändert. „Es ist kein Zweifel, daß es mit den 
hergebrachten Formen in Widerspruch treten wird, mit 
Formen, welche den adäquaten Ausdruck einer ganz anderen 
Verfassung, eines ganz anderen Zustandes des öffentlichen 
Lebens bilden." Mit der steigenden Macht der Jnteressen 
organisationen müsse das Problem ihres Verhaltens zu den 
politischen Parteien immer dringlicher werden. „Von dieser 
Seite her wird der Parlamentarismus überhaupt proble 
matisch und die Anschauungen, die mit dem Schlagwort des 
Syndikalismus gekennzeichnet werden, weisen aus Tendenzen, 
die dahin zielen, den Organisationen die entscheidende soziale 
Macht anzuvertrauen und die Parlamente überhaupt aus 
zuschalten." Darum sind für Lederer Entwicklungen denk 
bar. welche die Parlamente selbst wichtiger Kompetenzen ent 
kleiden : „Wie ja schon jetzt vielfach die konkreten Entscheidungen 
nicht von den herrschenden Parteien gefällt werden, sondern 
von den Jnteressenorganisationen, die hinter ihnen stehen 
und welche die Parteien mehr beherrschen als umgekehrt, so 
wäre es denkbar, daß die Entscheidungen über die Fragen 
sozialer Machtverteilung, über die Fragen, welche die wirt 
schaftlichen Interessen der Klassen berühren, den Parlamenten 
entzogen und gesonderten Vertretungskörpern anheimgegeben 
würden, in denen die Interessenten als solche, nicht als
	        
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