Full text : Das Zolltarifgesetz der Vereinigten Staaten von 1913

meinen  Schutzpolitik  zu  machen.  Während  der  letzten  Generation, ­
  besonders  seit  1890  ist  die  Woll-  und  Wollwarcn-Position
des  Tarifs  das  Sturrazentrum  der  Schutzzoll-Kontroverse  gewesen.
Die  Eisenzölle,  die  früher  am  stärksten  angegriffen  wurden,  sind
allmählich  weniger  wichtig  geworden.  Bei  dem  Zoll  auf  Wolle
und  Wollwaren  war  auch  diesmal  wieder  der  Zoll  auf  Rohmaterial
der  Angriffspunkt.  Solange  Wolle  zollpflichtig  war,  konnte  man
sich  bei  den  Wollproduzenten,  die  einen  erheblichen  Teil  der  ländlichen ­
  Wählerschaft  bilden,  darauf  verlassen,  daß  sie  für  hohe
Zölle  auf  Wollwaren  stimmen  würden.  Nachdem  nun  einmal  der
Wollzoll  abgeschafft  ist,  gehören  sie  nicht  mehr  zu  den
Anhängern  des  Schutzsystems.  Darum  sind  auch  die  Republikaner ­
  zugunsten  des  Wollzolls  so  unnachgiebig  gewesen.  Der
Wilson-Tarif  von  1894  schaffte  ihn  ab  und  wurde  dafür  um  so
heftiger  angegriffen.  Einer  der  Hauptpunkte  in  dem  Programm
McKinleys,  als  er  im  Jahre  1896  Kandidat  für  die  Präsidentschaft
war,  war  die  Wiedereinsetzung  des  Wollzolls  und  er  wurde  auch
gleich  nach  seiner  Ernennung  in  den  Tarif  von  1897  wieder  aufgenommen
  und  dann  ohne  Abänderung  im  Tarif  von  1909  beibehalten. ­
  Der  jetzige  Tarif  hat  ihn  endlich  gänzlich  abgeschafft.  Die
Demokraten  haben  sich  geweigert,  ein  Kompromiß  zu  schließen:
oder  richtiger  ihr  Führer,  Präsident  Wilson,  weigerte  sich,  einen
i  Vergleich  zu  machen.  Wolle  ist  ein  für  alle  Mal  zollfrei!
Der  Wunsch,  den  Lebensunterhalt  zu  verbilligen,  war  ebenso
maßgebend  für  die  Zollfreiheit  der  Wolle  wie  für  die  schließlichc
Zollfreiheit  des  Zuckers.  Wollene  Kleidung  ist  in  den  Vereinigten
Staaten  teurer  als  in  jedem  anderen  Lande.  Billigere  Wolle  wird
diese  Differenz  vermindern  und  billigere  Konfektion  zur  Folge
haben.  Die  Änderung  wird  zwar  bei  Wolle  nicht  so  auffallend
werden,  wie  bei  dem  Zucker.  Im  Durchschnitt  wird  der  Unterschied ­
  in  den  Preisen  für  Männerkleidung  ungefähr  einen  Dollar
betragen.
Der  Wollzoll  führte  natürlich  insbesondere  zu  hohen  Zöllen
auf  Wollwaren.  Der  amerikanische  Wollfabrikant  mußte
wegen  des  Zolls  auf  Rohwolle  höhere  Preise  für  sein  Rohmaterial
bezahlen,  als  der  deutsche  und  englische  Fabrikant.  Für  diese  Erhöhung ­
  seiner  Fabrikationsunkosten  mußte  er  entschädigt  oder
geschützt  werden  durch  Extrazölle  auf  importierte  Wollwaren.
            
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