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Der Kolonialhunger
des neuen deutschen Imperialismus.
Im Auftrag der deutschen Delegation führt der bekannte Dichter,
Ernst Toller (Deutschland),
folgendes aus:
V or einigen Tagen sprach hier ein Kamerad aus Afrika die Worte:
„Wir haben genug von der Zivilisation!“ Gestern schilderte uns ein
Negerkamerad mit erschütternden Worten die Lage seines Volkes, die schlim-
mer ist als Sklaverei, denn für die wirklichen Sklaven sorgte der Eigentümer,
für den Kolonialmenschen hingegen sorgt der Imperialist nicht. Der Kolonial-
mensch istıhm nur Ware, die er verschleißt und wegwirft. Auch die Blindesten
begreifen, was die Zivilisation den kolonialen Völkern gebracht hat, was sie
für sie bedeutet. Die Zivilisation hat ihnen Maschinengewehre und Syphilis,
Alkohol und Giftgas gebracht. In den Händen der Mächtigen ward die Zivili-
sation zum barbarischsten aller Götzen, zu einem Götzen, dem Hekatomben
von Menschenleibern geopfert wurden. Im Namen der Zivilisation wird ein
neuer Krieg vorbereitet, ein Verbrechen, noch furchtbarer als das Verbrechen
des Weltkrieges. Aber wir rufen den Mächtigen der Erde zu, wir, die wir
das Blutantlitz des Krieges nicht vergessen haben: „Genug! Genug! Wir
sind nicht mehr Eure Schachfiguren, unsere Länder sind nicht mehr bunte
Atlasfetzen, die man aufteilen kann nach politischen Interessen und tak-
tischer Laune, Ihr gebt vor, die Zivilisation zu verteidigen, aber Ihr habt
noch immer und überall die wahre Zivilisation verfolgt, überall, im Orient
und in Europa. Ihr habt überall seit Jahrtausenden alle Menschen, die für
die Wahrheit, die für den Geist fochten, verfolgt, eingekerkert, hingerichtet,
auf der Flucht erschossen. Ihr habt gar keinen Anspruch darauf, Euch mit
patriarchalischer Geste als Heilbringer zu fühlen. Viele seiner tiefsten Ideen
hat Europa vom Orient als Geschenk erhalten. Wir sind keine Romantiker,
wir wissen genau — das hat uns die grausame Erfahrung des Krieges ge-
zeigt —, daß der Geist blinden Gehorsams, der Geist der Knechtseligkeit
die Völker regiert, daß im Rausche des Tages, im Taumel der Hetzlügen
ALL.
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