Object : Die Reichseisenbahnen

III.  Die  Organisation  der  Betriebsverwaltung.
Die  Unmöglichkeit,  eine  der  bundesstaatlichen  Organisationen  einfach ­
  auf  die  künftige  Reichsverwaltung  zu  übertragen,  ist  nun  wohl  klar.
Andererseits  aber  ist  es  angängig,  ja  wird  es  nötig  fein,  die  vorhandenen
Organisationsgrundlagen  zu  benutzen  und  fortzuentwickeln.  Eine  völlige
Beseitigung  des  Vorhandenen  und  ein  Neuaufbau  auf  völlig  neuen
Grundlagen  würden  praktisch  zu  große  Schwierigkeiten  mit  sich  bringen.
Bei  den  folgenden  Vorschlägen  ist  von  den  Grundlagen  der
heutigen  preußischen  Organisation  ausgegangen.  Dieses
preußische  Direktionssystem  ist  nun  aber  in  einer  eigenartigen  Weise  mit
dem  Generaldirektionssystem  verbunden  worden,  wie  es  in
allen  außerpreußischen  Eisenbahnstaaten  außer  Bayern  besteht.  Diese
Verbindung  von  Direktions-  und  Generaldirektionssystem  ergibt  sich  aus
der  gewaltigen  Größe  des  neuen  Reichseisenbahnnetzes  und  hat  den
Zweck,  die  Mängel  der  bestehenden  preußischen  Ordnung  zu  beseitigen.
Diese  Mängel  können  kurz  in  zwei  Worte  zusammengefaßt  werden:
zu  große  Zentralisation  an  der  Zentralstelle,  Zersplitterung  bei  den
Direktionen  und  Dienststellen.
Daß  solche  Mängel  entstanden  sind,  würde  sich  schon  lediglich  aus
der  Lebensdauer  der  heutigen  preußischen  Organisation  hinreichend  erklären. ­
  Sie  stammt  aus  dem  Jahre  1895,  also  aus  einer  Zeit,  in  der  der
letzte  gewaltige  Aufschwung  der  deutschen  Volkswirtschaft  und  damit
des  deutschen  Verkehrs  noch  nicht  begonnen  hatte.  Das  allein  würde
ihre  Unzulänglichkeit  dartun:  denn  keine  Organisation  veraltet  schneller
als  eine  Betriebsorganifation.
Es  ist  auch  nicht  etwa  an  dem,  daß  die  preußische  Regierung  vor
dieser  Erscheinung  die  Augen  geschlossen  hätte.  Vielfache  Ansätze  zeigen
den  Willen,  die  Organisation  dem  Wechsel  der  Zeiten  anzupassen,  so  die
Einrichtung  des  Zentralamts  in  Berlin,  die  vor  allem  dem  Bedürfnis
entsprang,  die  wachsende  Überlastung  der  Zentralstelle  zu  erleichtern,
sodann  die  Einrichtung  der  Generalbetriebsleitungen  in  Essen  und
Frankfurt,  des  Generalverkehrsamts  in  Berlin  und  der  Kriegsbetriebsleitung ­
  im  Ministerium,  sämtlich  hervorgerufen  durch  die  Lehren  des
Krieges,  die  handgreiflich  dartaten,  daß  die  ein  Vierteljahrhundert  alte
Organisation  den  Anforderungen  der  Gegenwart  nicht  mehr  gewachsen ­
  war.
Indessen  alle  diese  Versuche  blieben  ohne  Erfolg  und  mußten  das
bleiben,  weil  sie  den  Kernpunkt  unberührt  ließen.
            
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