Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

Nachwort.
QSer  sich  in  die  letzten  kleinen  Kapitel  vertieft  hat,  dürfte  im  Hinblick ­
  auf  den  Untertitel  etwas  erstaunt  fragen:  Was  haben  denn  eigentlich
die  englischen  ländlichen  Verhältnisse  für  Ähnlichkeit  mit  den  unsrigen?
Dort  ein  absolutes  Vorherrschen  des  fast  niemals  selbst  wirtschaftenden
Großgrundbesitzes  und  ein  darauf  aufgebautes  Mittel-  und  Großpächtersystem. ­
  Hier  vorwiegend  Besitz  und  Besitzerwirtschaft:  Pächterwirtschaft
nur  bei  mittleren  und  größeren  Gütern  eine  gewisse  Rolle  spielend.
Dort  der  Niedergang  des  Bauerntums  schon  seit  der  Revolution  des
Jahres  1689,  die  das  Parlament  zur  ausschlaggebenden  Macht  erhob
und  das  Ende  des  staatlichen  Bauernschutzes  bedeutete.  Hier  zu
unserem  Glück  ein  Bauerntum,  das  unter  dem  Einfluß  konsequenter
Schutzzollpolitik  und  eines  blühenden  Genossenschaftswesens  reichlichen
Anteil  genommen  hat  an  dem  Emporkonimen  unserer  Landwirtschaft
überhaupt.
Könnte  man  —  wenigstens  in  mancher  Beziehung  —  den  mittleren
englischen  Pächter  nach  Art  oder  Umfang  seiner  Wirtschaft  mit  unserem
Großbauerntum  auf  eine  Stufe  stellen,  so  fehlt  dort  immer  noch
ganz  jenes  Kleinbauerntum,  dessen  Vermehrung  wir  uns  in  den
letzten  Jahrzehnten  vermittels  der  Rentengutsgesetzgebung  und  anderer
Maßnahmen  laufend  haben  angedeihen  lassen,  wenn  auch  Tempo  und
Umfang  nicht  immer  den  aufgewendeten  Mitteln  entsprachen.
Run  aber  zur  Möglichkeit  und  Nützlichkeit  der
Parallele.  Sie  liegt  in  der  beiderseitigen  Landarbeiterschaft. ­
  In  Deutschland  wie  in  England  war  in  alten  Zeiten  der
Arbeiter  das  unterste  Glied  in  der  solidarischen  Dorfgemeinschaft.  Er
nahm  teil  an  der  gemeinsamen  Weide  und  der  gemeinsamen  Holznutzung ­
  und  hatte  somit  seine  eigene  Wirtschaft,  die  ihm  ein  gut  Teil
seiner  Bedürfnisse  zu  bestreiten  gestattete,  so  daß  er  nicht  lediglich  auf
Lohnarbeit  angewiesen  war.  Auf  welche  Weise  immer  in  beiden  Ländern
dieser  Zustand  geschwunden  ist,  soll  uns  als  Realpolitiker  hier  nicht  inter-
            
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