Full text : Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

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tungen  ziemlich  genau  feststeht.  Angesichts  dieser  Tatsache
bedeutet  die  Einfügung  des  Moments  der  Kursverluste,  die  von
Jahr  zu  Jahr  in  ihrer  Höhe  schwanken  und  im  voraus  durchaus
unberechenbar  sind,  ein  der  gesamten  Lebensversicherung
wesensfremdes,  durchaus  feindliches  und  gefährliches  Element.
Die  erste  Folge,  die  es  nach  sich  (zieht,  besteht  darin,  'ein
Schwanken  in  die  Rechnungen  hineinzutragen.  Die  Kursverluste
führen  zu  großen  Differenzen  in  den  Gewinnergebnissen  der
einzelnen  Jahre  und  zwar  Differenzen,  die  sich  jeder  Vorausberechnung ­
  entziehen.  H  irdurch  wird  jede  vorausschauende
Dividendenpolitik  den  Gesellschaften  unmöglich  gemacht.  Sie
sind  nicht  mehr,  wie  bisher,  in  der  Lage,  die  Höhe  der  jährlichen
Geschäftsgewinne  vorauszuschätzen,  da  sich  in  jedem  Jahr  infolge ­
  der  Kursgestaltung  ein  hoher  Verlust  und  damit  eine
beträchtliche  Verringerung  des  Jahresgewinnes  einstellen  kann,
die  bei  JBeginn  des  Geschäftsjahres  durchaus  nicht  zu  erwarten
war.  In  welchem  Umfange  mit  derartigen  Kursverlusten  zu
rechnen  ist,  zeigt  eine  bei  privaten  Versicherungsgesellschaften
aller  Zweige  vorgenommene  Umfrage.  Ihr  zufolge  bezifferte  sich
der  Gesamtkursverlust  bei  123  Gesellschaften  während  der
Jahre  1903  bis  1910,  also  innerhalb  acht  Jahren,  bei  einem'
Jahresdurchschnittsbestand  an  Staatspapieren  in  Höhe  von  rund
182  Millionen  Mark  auf  15,525  Millionen  Mark.  Jede  einzelne
Gesellschaft  hatte  während  der  genannten  acht  Jahre  bei  einem
durchschnittlichen  Besitz  an  Staatsrenten  in  Höhe  von  1,483
Millionen  Mark  einen  jährlichen  durchschnittlichen  Kursverlust
von  15  777,50  Mafk  zu  tragen,  wobei  die  Kursgewinne  dieser
Jahre  bereits  Berücksichtigung  gefunden  haben.  Der  Kursverlust ­
  stellte  sich  mithin  auf  1,11  o/o  des  Bestandes.  Hieraus!
folgt,  daß,  wenn  die  Versicherungsgesellschaften  genötigt  würden, ­
  jährlich  für  40  Millionen  Mark  Staatsanleihen  zu  kaufen,
die  sich  bei  den  derzeitigen  Kursen  zu  etwa  3 3 / 4 °/o  verzinsen,
diese  Zinsrate  infolge  der  Kursverluste  auf  2,64o/ 0  herabgedrückt
würde.  Da  diese  Beträge  sonst  hypothekarisch  zu  4 1 / (t °/o  angelegt ­
  worden  wären,  ergibt  sich  für  jene  40  Millionen  Mark
eine  Minderverzinsung  von  1,61  °/o.  Die  Gesellschaften  würden
demnach  in  einem  Jahr  ca.  650  000  Mark  an  Zinsen  weniger  ver-
            
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