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’) Schwarz, a. a. O. S. 31.
2 ) von Dombois, a. a. O. S. 46.
ländische Wertpapiere. Namentlich wurden aus Rußland große
Posten an Staatswerten und staatlich garantierten Eisenbahn
obligationen, ferner erhebliche Summen amerikanischer Eisen
bahnfonds, endlich Goldminen- und Diamantenshares, Gummi-
werte usw. eingeführt.*) Die Einführung ausländischer Werte
in Deutschland wurde wesentlich erleichtert durch die enorme
Entwicklung von Handel und Verkehr, die die verschiedenen
Länder einander näher brachte und es ermöglichte, die Kre
ditwürdigkeit fremder Staaten und Volkswirtschaften besser zu
beurteilen, das Risiko, das in der Anschaffung fremder Werte
lag, genauer einzuschätzen. Hierdurch wurde manchen Per
sonen die bis dahin begreifliche Scheu vor dem Erwerb aus
ländischer Wertpapiere genommen. Das Eindringen auslän
discher Wertpapiere in die deutsche Bevölkerung wurde weiter
durch die lange und von ernsten europäischen Erschütterungen
kaum unterbrochene Friedensperiode gefördert. Da der deutsche
Kapitalist jahrzehntelang beobachten konnte, daß auch die Ob
ligationen von Staaten, deren Kredit man früher nicht son
derlich günstig eingeschätzt hatte, dauernd und regelmäßig den
Gläubigern Zinsen brachten und sich jene fremden Volkswirt
schaften ebenfalls kräftig entwickelten und emporzublühen be
gannen, verlor er mehr oder minder das Gefühl für die Größe
des Risikos, das mit dem Erwerb jener Staatsrenten verbunden
•st. Die günstigen Erfahrungen, die zunächst wenige Kapital
besitzer mit jenen Effekten machten, verleiteten immer weitere
Kreise dazu, jene Werte als sichere Kapitalanlage zu erwerben,
Um sich eine höhere Rente zu sichern. Hinzu kommt, daß
in der deutschen Bevölkerung seit alters her ein lebhafter Spiel
end Spekulationstrieb vorhanden ist, dem Angehörige aller
Stände und Berufsklassen huldigen. Er trug dazu bei, den
ausländischen Werten Käufer zu gewinnen. Insbesondere
scheint eine lebhafte Spekulation deutscher Kapitalisten in Eng
land zu bestehen. 2 ) Nach einem Bericht des deutschen General
konsuls in London vom 11. August 1910 wird auf Grund der
Schätzung eines Sachverständigen angenommen, daß an der