Full text : Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

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aus,  ob  für  200  Millionen  Mark  feste  Käufer  vorhanden  sind;
die  weiteren  300  oder  400  Millionen  Mark,  die  an  den  freien
Markt  kommen,  bringen  den  Kurs  zum  Weichen.
Ist  schon  im  Frieden  nicht  daran  zu  denken,  daß  mit  Hilfe
der  Kapitalanlagevorschrift  eine  Stabilisierung  der  Staatspapierkurse ­
  erreicht  wird,  so  gestaltet  sich  die  Sachlage  für  die  Regierung ­
  noch  wesentlich  ungünstiger  im  Kriege.  Dem  enormen
Geldbedarf  des  Reiches  gegenüber  sind  die  Zwangskäufe  nur
ein  Tropfen  auf  heißem  Stein,  um  so  mehr,  als  die  der  Kapitalanlagevorschrift ­
  unterworfenen  Körperschaften  sich  dann  erheblich ­
  vergrößerten  Ansprüchen  ihrer  Gläubiger  gegenüber
gestellt  sehen  und  sich  damit  der  Betrag,  den  sie  für  Staatspapierkäufe ­
  zur  Verfügung  stellen  können,  verringert.  Der
weitaus  größte  Teil  der  Emissionen  gelangt  unter  diesen  Umständen ­
  an  den  Markt,  wo  er  Käufer  so  gut  wie  gar  nicht  oder
doch  jedenfalls  in  geringerem  Umfange,  wie  im  Frieden  findet.
Dem  größeren  Angebot  steht  dann  eine  stark  verringerte  Nachfrage
  gegenüber!  Ein  starker  Kursrückgang  muß  die  natürliche
Folge  dieser  Verhältnisse  sein.  Hierbei  ist  noch  ganz  außer  acht
gelassen,  daß  der  große  Bestand  an  Staatspapieren,  der  bis
jetzt  dem  Geldmärkte  zugeführt  ist,  keineswegs  endgültig  klassiert ­
  ist.  Die  Besitzer  von  Hunderten  von  Millionen  von  Staats^
anleihen  warten  nur  auf  einen  für  sie  einigermaßen  günstigen
Zeitpunkt,  um  sich  ihres  Besitzes  zu  entledigen  und  ihn  gegen
höhere  Renten  tragende  Werte  umzutauschen.  Selbst  wenn
daher  jenen  Maßnahmen  vorübergehend  ein  bescheidener  Kurserfolg ­
  zuteil  werden  sollte,  wird  die  auch  nur  geringe  Hebung
des  Kurses  der  Staatspapiere  sofort  mehr  als  ausgeglichen  werden ­
  durch  ein  enormes  Angebot  der  jetzigen  Staatspapierbesitzer.
Wer  unbefangen  die  Verhältnisse  betrachtet,  muß  somit
zu  der  Überzeugung  kommen,  daß  der  Gedanke,  durch  jährliche
Zwangskäufe  in  Höhe  von  etwa  200  Millionen  Mark  den  Staatspapierkurs
  bessern  oder  vor  weiterem  Abbröckeln  bewahren
zu  können,  durchaus  unzutreffend  ist.  Das  kann  nur  glauben,
wer  es  für  überflüssig  erachtet,  die  einschlägigen  Verhältnisse
einer  auch  nur  flüchtigen  Prüfung  zu  unterziehen  oder  wer  von
der  Wirkungskraft  bureaukratischer  Maßnahmen  derart  über-
            
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