Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

Eine  geringere  Rolle  spielen  daneben  G.  peruvianum  und  G.
arboreum.  Jene  wird  im  tropischen  Südamerika,  auf  den  Antillen
und  in  Ägypten,  diese  in  Ostindien  angebaut.
Gegenwärtig  wird  Baumwollbau  namentlich  in  dem  Süden  der
Vereinigten  Staaten,  in  Ostindien,  in  Ägypten,  in  China  und  in  Südamerika ­
  betrieben;  erst  in  neuester  Zeit  wird  auch  Mittelasien,  Turkestan
  und  Transkaspien,  und  Westafrika  der  Baumwollkultur  dienstbar ­
  gemacht.  Es  gibt  aber  noch  außerdem  manche  Gebiete,  in  denen
die  Baumwollkultur  betrieben  oder  der  Betrieb  weiter  ausgedehnt
werden  könnte.  Zu  ihnen  gehören  vor  allen  Dingen  Brasilien  und
Kleinasien;  auch  auf  Kuba  wird  neuerdings  die  Aufmerksamkeit
gelenkt.
Ihr  bestes  Fortkommen  findet  die  Baumwollpflanze  in  solchen
Flachländern,  die  während  der  durchschnittlich  ein  halbes  Jahr  dauernden ­
  Wachstumszeit  eine  mittlere  Temperatur  von  —(—  r8 0  bis  -\-26°  Cund
  keine  anhaltende  Regenperiode,  aber  doch  ausreichende  Feuchtigkeit ­
  besitzen 1 );  der  Boden  muß  viel  Kieselsäure  enthalten.
Man  sät  den  Samen  in  Reihen  von  i  bis  1,3  m  Abstand.  Die
Zeit  der  Aussaat  ist  je  nach  der  klimatischen  Lage  des  Landes  verschieden, ­
  in  Nordamerika  dauert  sie  von  Anfang  April  bis  Anfang
Mai,  in  Ägypten  ist  sie  früher,  in  Ostindien  später.  Etwa  fünf
Monate  nach  der  Aussaat  beginnt  die  Ernte,  die  wegen  des  ungleichen
Reifens  der  Fruchtkapseln  immer  eine  längere  Zeit  in  Anspruch
nimmt  und  sehr  kostspielig  ist.  Oppel  gibt  z.  B.  an,  daß  in  den
Vereinigten  Staaten  ein  fleißiger  Arbeiter  selten  mehr  als  hundert
Pfund  pro  Tag  pflücken  kann  und  daß  das  Abzupfen  eines  Zentners
Fasern  50  cs.  kostet 1  2  3 ).  Nicht  alle  Knospen  gelangen  zum  Blühen,  und
nicht  alle  Blüten  tragen  Frucht.  Aus  den  von  A,  Oppel  angegebenen
Beobachtungen 8 )  ist  ersichtlich,  daß  von  den  erschienenen  Knospen
im  Durchschnitt  nicht  mehr  als  17,5%  zurn  Reifen  kommen.  Die
Sorge  um  Verhütung  und  Bekämpfung  der  den  heranwachsenden
Pflanzen  gefährlichen  Krankheiten  und  Schädlinge,  deren  schlimmste
der  „cotton  worin“  und  der  „boll  worin“  sind,  erfordert  die  peinlichste ­
  Reinhaltung  der  Felder  und  die  sorgsamste  Beobachtung  der
Pflanzen.
Wenn  die  den  Kapseln  entquollene  Baumwolle  eingesammelt
ist,  wird  sie  zunächst  von  Unreinigkeiten  befreit  und  dann  auf  eine
Entsamungsmaschine,  eine  sog.  Gin,  gebracht,  um  die  Fasern  von  den

1)  A.  Oppel,  a.  a.  O.  S.  61.
2)  Ebenda  S.  75  u.  76.
3)  Ebenda  S.  69.
            
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