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ähnlichen Verhältnis, wie der Lohnweber zum Kunden, nur daß die
Arbeitsmittel, der Webstuhl, nicht ihm gehören, oder er kauft das
Garn auf eigene Rechnung und Gefahr und verwebt es auf einem
vom Fabrikanten entliehenen Webstuhl und verkauft das Produkt an
den Fabrikanten.
Die Spinnerei dagegen scheint bis zum Aufkommen der Ma
schinenarbeit höchstens bis zur Stufe des Lohnwerks (im landwirt
schaftlichen Nebenbetrieb) gelangt zu sein.
Im Mittelalter war die Ausübung des Webens eingehenden,
zünftigen Kontrollmaßregeln unterworfen, die den Zweck hatten, das
Gewerbe auf einer soliden Basis zu erhalten und eine gewisse Garantie
für die gute, sich gleich bleibende Qualität der Ware zu bilden. Ob
der Zweck immer erreicht wurde, bleibe dahingestellt. Jedenfalls
stand unser Vaterland bis zum Ausbruch des dreißigjährigen Krieges
in bezug auf Verarbeitung der Baumwolle und Flandel mit Baum
wollstoffen an der Spitze der Baumwollindustrieländer Europas.
Der unselige Religionskrieg, der so viele Floffnungen im Keime
erstickte, riß auch eine Bresche in die deutsche Baumwollindustrie,
und es währte mehr als ein volles Jahrhundert, bis auf den Trümmern
wieder neues Leben erwuchs. Zuerst raffte man sich in Sachsen zu
neuer Tatkraft auf 1 ). Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ungefähr
entstanden hier Webereien für Kattun, Piquee und Musselin, nament
lich aber gelangte die Strumpfwirkerei in Chemnitz und Umgegend
zu einer großen Blüte. In anderen Teilen Deutschlands, namentlich
in und um Augsburg und in Norddeutschland hatte von Holland aus
die Kattundruckerei Eingang gefunden, ebenso in einem Gebiet, das
damals zwar nicht unter deutscher Herrschaft stand, aber innerlich
doch zu Deutschland gehörte, im Oberelsaß. Von Nürnberg aus kam
die Kattundruckerei auch nach Plauen 1 2 ). 1755 gewährte Kurfürst
Friedrich August II. einer Gesellschaft das Privileg für den voigt
ländischen Kreis betr. gedruckter Waren bis zum Jahre 1785.
Im sächsischen Voigtlande lebten auch die alten Zunftgebräuche
wieder auf 3 ). Der Mittelpunkt der ganzen Fabrikation war die Schau,
der jeder fertige Stoff übergeben werden mußte. In der strengen
Durchführung der Schau lag die Gewähr für die Güte der Produkte.
Um das Jahr 1764 zählte die Innung der Baumwollwarenhändler des
Voigtlandes 80 bis 90 Mitglieder, für deren Rechnung etwa 1000
Stühle in Betrieb waren; auf der Leipziger Ostermesse dieses Jahres
1) A, Oppel, a. a. O. S. 651.
2) L. Bein, a. a. O. S. 64.
3) L. Bein, a. a. O. S. 73-—75, 79.