Object: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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von Arbeitseinstellungen zeitweise ca. 15 Millionen Spindeln (mehr 
als doppelt soviel, als in Deutschland überhaupt vorhanden waren!) 
still. Dieser Umstand bewirkte, daß die deutschen Spinnereien und 
Webereien unter günstigen Bedingungen nach England, exportieren 
konnten. Das Jahr hätte sich ohne diesen Glücksumstand wahr 
scheinlich als ein recht schlechtes erwiesen, war doch im Jahre zuvor 
der mit so vieler Mühe erkämpfte Zoll auf Feingarne (über No. 60) 
im Handelsvertrag mit der Schweiz von 30 und 36 M. auf 24 M., 
d. h. um 20 bezw. 33% herabgesetzt worden. Diese Inkonsequenz 
in der Zollpolitik sollte sich in den folgenden Jahren durch eine er 
heblich höhere Garneinfuhr rächen. 
Die Weberei ist von jeher zu einem großen Teil fest mit dem 
Weltmarkt verwachsen, weil sie die Exportindustrie comme il faut 
verkörpert. Folglich üben auch die geringsten Veränderungen in 
den Weltmarktverhältnissen ihre Wirkung auf die Lage der Weberei 
aus. So spielt die Handelspolitik der Konsumtionsländer, die Lage 
des Geldmarktes und die Entwicklung des internationalen Handels 
rechts eine mehr oder weniger bedeutende Rolle dabei. Wie die 
Veränderungen der Intensität des elektrischen Stroms sofort an einem 
Ausschlag des Zeigers am Galvanometer erkennbar werden, so zeigen 
sich jene Mutationen bei ihrem Eintritt oder schon vorher, wenn 
derselbe vermutet wird, darin, daß die Weber entweder beim Ein 
käufen der Garne Zurückhaltung üben (nämlich, wenn sie erwarten, 
daß die Preise heruntergehen werden) oder sich reichlich damit ver 
sorgen, oder beim Eingehen von Verkaufskoutrakten je nach Auf 
fassung der Lage Vorsicht walten lassen. 
Für den Spinner fallen diese Dinge weniger ins Gewicht, weil 
sein Absatzgebiet das Inland ist; dafür ist er viel mehr den Wechsel 
fällen in der Haltung der Rohstoffmärkte und in den Produktions 
bedingungen ausgesetzt. So tritt gegen Ende des abgelaufenen Jahr 
hunderts nach den guten Jahren 1895 und 1896 eine Verschlechterung 
in der Lage der Spinnerei ein, die infolge von Lohnerhöhungen, 
Steigerung der Preise für Kohlen und sonstige Betriebsmaterialien 
im Gegensatz zu dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung solche 
Ausdehnung annimmt, daß die allgemeine Depression, die zu Beginn 
des gegenwärtigen Jahrhunderts darauf folgte, gar nicht sonderlich 
dagegen absticht. 
Das Exportgeschäft der Weberei war schon durch die abnorme 
Entwertung des Silbers um die Mitte der neunziger Jahre in eine 
recht prekäre Lage geraten; neuerdings kommt noch ein Faktor
	        
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