Full text : Der russisch-japanische Krieg und die japanische Volkswirtschaft

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Der  Kolonialbesitz  stärkt  und  kräftigt  aber  nicht  nur  die  wirtschaftliche ­
  Selbständigkeit  eines  Volkes,  sondern  er  verschafft  ihm  auch
ein  Absatzgebiet  für  seine  Erzeugnisse  und  zuweilen  auch  eine  billige
Bezugsquelle  für  die  zur  Entwicklung  seiner  Landesindustrie  notwendigen
Rohprodukte.  Dieses  gesunde  Prinzip  des  internen  Austausches  von
Fabrikaten  und  Rohprodukten  zwischen  Mutterland  und  Kolonien  ist
nicht  etwa  nur  ein  Ergebnis  der  früheren  staatsniännischen  Erwägungen ­
  über  das  wirtschaftliche  Verhältnis  vom  Mutterland  zur
Kolonie,  sondern  es  findet  auch  heutigentags  noch  allgemein  in
dem  gleichen  Sinne  Beachtung.  Man  strebt  z.  B.  infolge  der  Teuerung
amerikanischer  Rohbaumwolle,  sowohl  in  England  wie  in  Deutschland
danach,  innerhalb  seines  eigenen  Kolonialbesitzes  geeignete  Ländereien
für  die  Kultur  der  Baumwolle  zu  erschließen.  Auf  der  anderen  Seite
wiederum  hat  es  Amerika,  als  der  größte  Baumwollenproduzent  der
Welt  in  der  Hand,  zwecks  wirtschaftlicher  Unterstützung  seiner  eigenen
Spinnereien  die  Ausfuhr  von  Rohbaumwolle  mit  einem  Prohibitivzölle
zu  belegen,  wodurch  dieses  wichtige  Rohprodukt  auf  dem  Weltmarkt
seinem  Angebote  nach  stark  zurückgehen  würde.  Eine  solche  amerikanische
zollpolitische  Aktion  winde  für  die  vielen  japanischen  Spinnereien
ebenfalls  ein  bedeutsames  Entwicklnngshindernis  bilden.  Der  Erwerb
kolonialen  Landbesitzes  zwecks  Beschaffung  billiger  Rohmaterialien  ist
demnach  fiir  wirtschaftlich  entwickelte  Staaten  eine  unbedingte  Notwendigkeit, ­
  der  sich  kein  staatsmännisch  klug  denkender  Kopf  verschließen  kann.
Weit  weniger  vorteilhaft  als  eigene  Kolonisation  ist  für  das  Mutterland ­
  die  Auswanderung  seiner  besten  erwerbstätigen  Kräfte  in  fremde
Länder,  da  der  wirtschaftliche  Zusammenhang  mit  denselben  stets  nur  in  geringerem ­
  Grade  vorhanden  ist  und  vorhanden  sein  kann.  Diese  „reinen"
Auswanderungsgebiete  kommen  als  Bezugsquellen  billiger  Rohmaterialien
für  die  heimische  Industrie  des  Mutterlandes  häufig  gar  nicht  in  Betracht,
und  die  dorthin  ausgewanderten  Bevölkerungselemente  gehen  nur  dann
dem  Mutterland  nicht  völlig  verloren,  wenn  das  Auswanderungsgebiet
einen  mehr  oder  minder  günstigen  Absatzmarkt  für  die  eigenen  Industrieerzeugnisse
  bilden  kann.  Ein  für  Japan  höchst  zutreffendes  Beispiel  in
diesem  Sinne  gibt  die  Ausfuhr  von  Sake  (—  ein  eigenartiger  japanischer
Wein  —),  Saya  und  dergleichen  spezifisch-japanischen  Produkten  nach
den  japanischen  Answanderungsgebieten:  Korea,  Hawai,  Amerika  und
Wladiwostok.  Außerdem  aber  bedeutet,  kulturtechnisch  genommen,  jede
Auswanderung  einen  wirtschaftlichen  Aufschwung  des  betreffenden
Siedelungsgebietes,  und  es  liegt  daher  völlig  im  Interesse  des  Staates,
der  diese  Bevölkerungselemente  aussendet,  sich  solche  Siedelnngsgebiete
als  eigene  Kolonien  nach  Möglichkeit  zu  erwerben.
Andererseits  gestalten  sowohl  Kolonisation,  wie  auch  Auswanderung
            
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