Full text : Der russisch-japanische Krieg und die japanische Volkswirtschaft

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Auswanderung  ein  bedeutsameres  Gegenmittel  gegen  etwaige  soziale  Gefahren ­
  bilden,  als  die  bewußte  Beschränkung  der  Volksziffer,  mit  der
niemals  ein  Aufschwung  von  Industrie  und  Handel  Hand  in  Hand
gehen  wird.
Schon  aus  diesem  Gesichtspunkte,  des  Aufschwunges  von  Industrie
und  Handel,  heraus  muß  man  die  Kolonisatious-  und  Auswanderungspolitik ­
  staatlicherseits  als  sehr  wichtige  Aufgabe  betrachten,  zumal  auch
durch  diese,  allgemein  als  Ausdehnuugspolitik  der  eigenen  Einflußsphäre
zu  bezeichnenden  staatlichen  Maßnahinen  einer  anderen,  nicht  minder
hoch  beachtenswerten,  weil  traurigen,  Begleiterscheinung  der  modernen
wirtschaftlichen  Entwicklung,  nämlich  der  Verarmung  gewisser  Volksschichten ­
  —  dem  Pauperismus  —  wirksam  entgegen  getreten  werden
kann.  Die  kommenden  Jahrzehnte  werden  daher  voraussichtlich,  besonders ­
  für  die  heute  noch  keine  wirtschaftliche  Selbständigkeit  besitzenden
Staaten  wie  Japan,  in  dieser  Beziehung  wichtige  Entscheidungen  bringen.
An  diesen  Gedanken,  dessen  Richtigkeit  wohl  allgemein  anerkannt ­
  werden  durfte,  knüpft  sich  nun  als  zweites  Moment,  die
Frage:  wo  soll  ein  Staat  seine  Ansdehnungssphäre  suchen,  bzw.
welche  Kolonien  soll  er  erwerben  und  welche  fremden  Answandernngsländer
  soll  er  aus  staatlichen  Gründen  gutheißen  und  begünstigen?
In  dieser  Beziehung  scheinen  mir  solche  Gegenden,  tvelche  die  in
Folgendem  inerter  entwickelten  drei  Bedingungen  erfüllen,  am  meisten
geeignet  und  als  Ausdehnungssphäre  zu  empfehlen.
Die  erste  Bedingung  ist,  daß  diese  Neusiedlnngsgebiete  in  politischer
und  wirtschaftlicher  Beziehung  zuni  Mutterlande  in  einem  engen  Verhältnis ­
  stehen,  wie  es  für  uns  solche  Gegenden,  z.  B.  die  Mandschurei
und  Korea  sind.
Es  ist  hier  nicht  der  geeignete  Platz,  die  politische  Bedeutung  der
Mandschurei  und  Koreas  für  Japan  des  näheren  zu  erörtern,  aber  es
ist  nach  dem  bereits  vorher  Gesagten  klar,  daß  ganz  abgesehen  von
dem  gegenseitigen  historischen  Verhältnis  zwischen  Japan  einerseits  und
der  Mandschurei  nebst  Korea  andererseits,  die  Bedrohung  dieser  Länder
seitens  Rußlands  gleichzeitig  eine  Bedrohung  der  wirtschaftlichen  und
nationalen  Existenz  Japans  bedeutet.  Besonders  die  wirtschaftliche
Bedeutung  dieser  beiden  Länder  für  Japan  ist  es,  welche  Japan  an
der  politischen  Selbständigkeit  derselben  ein  so  hohes  Interesse  nehmen
läßt,  daß  es  selbst  einem  Kriege  dieserhalb  nicht  aus  dem  Wege  ging.
Schon  im  Altertum  und  mehr  noch  in  der  Gegenwart  sind  die  Mandschurei ­
  und  Korea  für  Japan  die  Lieferanten  von  Lebensrnitteln,  gewissen
  Rohprodukten  und  Halbfabrikaten  für  die  Industrie  (Reis,  Bohnen,
Baumwolle,  Felle  rc.)  als  auch  Absatzgebiete  für  die  japanischen  Manufakturerzenguisse
  und  Fischereiprodukte:  (Baumwollgewebe,  Baumwoll-
            
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