Full text : Magdeburger Großkaufleute

160

[ju  Seite  106]  öffO  ^ItTlOlb.  Otto  Arnold  entstammt  einer  fränkischen  Patrizier-Familie,  welche  im
siebzehnten  Jahrhundert  nach  Chursachsen  auswanderte.  Er  war  Ende  1870  und  im  Jahre  1871  während  des
Krieges  als  Vizefeldwebel  (später  als  Leutnant)  Adjutant  des  Majors  v.  Wietersheim  bei  der  Gefangeneninspektion. ­
  Am  28.  Mai  1873  wurde  Arnold  in  die  Korporation  der  Kaufmannschaft  aufgenommen.
1874  oder  1875  wurde  O.  Arnold  Stadtverordneter  in  Buckau;  später  Stadtrat  in  Buckau  bis  1877.
1878  reiste  Arnold  nach  New-Pork  und  leitete  das  dortige  Geschäft  der  Firma  Schäffer  &  Budenberg  in
breitere  Bahnen  ein.  1883  und  1893  O.  Arnolds  zweite  und  dritte  Geschäftsreise  nach  Amerika.
1887  (bei  der  Eingemeindung  Buckaus  in  Magdeburg)  verzichtete  O.Arnold  freiwillig,  Stadtrat  inMagdeburg
  zu  werden,  weil  ihn  die  Leitung  der  Firma  Schäffer  &  Budenberg  zu  stark  in  Anspruch  nahm.
1893  wurde  O.Arnold,  nachdem  dieFirma  für  seine  Vertretung  gesorgt  hatte,  Stadtrat  in  Magdeburg.  1897
erfolgte  Arnolds  Ernennung  zum  Königl.  Kommerzienrat.  Am  1.Ianuar1899  trat  Otto  Arnold  in  die  Handelskammer ­
  ein,  vom  4.Ianuar1901  —  6.Januar  1902  zweiter  Stellvertreter  des  Vorstehers  der  Handelskammer,
seit  dem  9.  Dezember  1904  erster  Stellvertreter  des  Vorstehers  der  Landelskammer.
jzu  Seite  108]  QiööttCV  I.  Die  hier  Seite  162—164  im  Auszuge  wiedergegebenen
Bilanzen  der  Firma  Morgenstern  8-Co.  zerfallen  in  Periode  I.  von  1799  bis  1811;  II.  von  1812  bis  1828;  und
III.  von  1829  bis  1842.  —  Schon  in  der  I.  Periode  tritt  uns,  wie  Lerr  Dr.  Müller,  der  sorgsame  Bearbeiter  dieser
alten  Dokumente,  schreibt,  eine  wahrhast  imposante  Vermögenszunahme  Morgensterns  entgegen,  die  nicht  nur
durch  gute  Konjunkturen,  durch  „Glück"  erklärt  werden  kann,  sondern  angesichts  ihrer  Dauer  auf  eine  große
kaufmännische  Begabung  des  eigentlichen  Geschäftsleiters,  als  den  wir  August  Morgenstern  sen.  leicht  erkennen,
schließen  läßt.  Selbst  die  Kriegszeiten  hinterlaffen  bei  der  Firma  Morgenstern  &  Co.  keine  Spuren  der  argen
Geschäftsstörungen,  von  denen  Paul  Weber  bei  seinem  Ausscheiden  im  Jahre  1811  spricht.
Während  der  II.und  III.  Geschäftsperiode  fällt  die  große  Vorsicht  in  der  noch  heute  oft  versäumten  oder  unzulänglichen ­
  Bildung  von  „Dubiosen-Reserven"  angenehm  auf.  Der  Ordnung  halber  erwähnen  wir,  daß  der
Begriffder„Dubiosen-Reserve"  die  in  der  Tabelle  darunter  verzeichneten  Zahlen  nicht  völlig  deckt,  weil  sich  diese,
wie  es  in  den  Bilanzen  heißt,  auf  „Rückstellungen  für  etwa  noch  kommen  könnende  böse  Schulden,  sowie  aufAgio-Verluste
  auf  die  ausstehenden  Gelder"  beziehen.  Jedenfalls  beweisen  namentlich  die  Ziffern  der  dritten  Geschäftsperiode,daß
  der  tatsächlich  erfolgte  Ausfall  regelmäßig  hinter  der  Äöhe  der  zur  Deckung  bereit  gestellten  Summen
zurückbleibt.  Als  interessantes  Beispiel  dafür,  wie  Morgenstern  die  mit  der  Zahl  seiner  Familienglieder  und  der
Größe  ihrer  Lebensansprüche  wachsenden  Ausgaben  der  Vermögenslage  anzupassen  verstand,  dürfen  wohl  die
für  die  erste  Periode  dem  Morgensternschen  Privatkonto  entlehnten  Daten  gelten.  Die  für  denselben  Zeitraum
dem  Morgensternschen  Kapitalkonto  belasteten  Landlungsunkosten  bleiben  dahinter  in  stark  zunehmendem  Abstande ­
  zurück,  sie  lassen  sich  jedoch  in  Beziehung  zu  der  gleichfalls  ermittelten  Zahl  der  Angestellten  setzen,  deren
Ansprüche  aus  Gehalt  und  Unterhalt  den  weitaus  überwiegenden  Teil  der  dem  Morgensternschen  Kapitalkonto
zur  Last  gesetzten  Landlungsunkosten  bildeten.  Die  im  Geschäfte  tätigen  und  außerdem  gleichzeitig  mit  Kapital
daran  beteiligten  Personen  kennen  wir.  Sonstige  geschäftlichjverwertete  Kapitaleinlagen,  deren  Besitzer  dem
Unternehmen  ihre  Arbeitskraft  nicht  widmen,  die  inithin  bloßen  Darlehnscharakter  tragen,  gelten  als  „fremde
Kapitalien"  schlechthin,  unabhängig  davon,  ob  Darlehns-Gläubiger  und  Schuldner  etwa  in  verwandtschaftlichen
Beziehungen  zu  einander  stehen.  Im  vorliegenden  Falle  nimmtdieVerwandtschaftdes  Gründers  von  der  zweiten
Bilanzperiode  an  wachsenden  Anteil  am  Konto  „fremdes  Kapital".  Seit  dem  Jahre  1835  erscheinen  in  den  Bilanzen ­
  nur  noch  die  Gemahlin,  die  Töchter  und  der  Sohn  August  als  Dahrlehnsgläubiger.  August  Morgenstern
sen.  hatte  den  Kindern  laufend  Beträge  aus  den  Mitteln  der  Landlung  zu  Eigentum  überwiesen,  diese  Summen
verblieben  dem  Geschäfte  als  werbendes  „fremdes  Vermögen"  und  hatten  Anspruch  aufGutschrift  des  jährlichen
Zinszuwachses.  Besonderen  Linweises  wert  sind  in  diesem  Zusammenhange  die  aus  dem  Morgensternschen
Privatkonto  des  dritten  Geschäftsabschnittes  ersichtlichen  Mitgiftbeträge  und  das  auf  dem  Denekeschen  Kapitalkonto ­
  genannte,  von  Fräulein  Mathilde  Morgenstern  eingebrachte  Vermögen.  Vom  Jahre  1801  an  (wo  zum
ersten  Male  fremde  Vermögensbestandteile  in  den  Bilanzen  deutlich  erkennbar  werden)  bis  zum  Schluffe  der
hier  in  Rücksicht  gezogenen  Epoche  (d.h.bis  1842)  erhielten  die  Dahrlehnsgläubiger  fünf  ProzentIahreszinsen.
Ein  Recht  auf  Anteil  am  Ertrage  der  Unternehmung  bestand  für  sie  nicht.  Solcher  Anspruch  auf  Bonus
stand  aber  den  drei  neben  ihrer  kapitalistischen  Beteiligung  im  Geschäfte  tätigen  Lerren:  Marter,  Gneist  und
Deneke  zu;  ihnen  wurde,  außer  einer  ebenfalls  fünfprozentigen  Verzinsung  ihrer  Einlagen,  Anteil  am  Reingewinne ­
  gewährt.  Der  Modus  der  Gewinnverteilung  war  folgender.  Für  Marter  zeigen  die  Bilanzen  während
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.