Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Futtermittel.

und  die  auf  dem  Filter  zurückhleibende  Substanz  gesammelt.  Letztere  läßt  man
darauf  eine  Stunde  lang  bei  100°  im  Ofen  trocknen  und  bestimmt  in  2  g  derselben
nach  dem  Verfahren  von  Kjeldahl  den  Stickstoff-Gehalt.  Multipliziert  man  die
gefundene  Stickstoffmenge  mit  6,25  so  erhält  man  die  vorhandene  Proteinmenge.
Liegt  eine  Verfälschung  des  Mehles  vor,  so  wird  dieser  Wert  für  die  in
Wasser  unlöslichen  und  nach  Auszug  des  Klebers  aus  dem  Mehle  rückständigen
Proteinstoffe  mehr  oder  weniger  groß  sein.  Als  verfälscht  wird  man  ein  Mehl  ansehen
  können,  das  nach  Auszug  des  Klebers  eine  mehr  als  0,2  g  betragende  Menge
unlöslichen  Proteins,  auf  100  g  Mehl  bezogen,  ergibt.“
6.  Die  Färbung  der  Kleberzellen.  (Vergl.  Tafel  I  am  Schluß.)
Zum  Nachweise  von  Roggenmehl  in  Weizenmehl  benutzt  Fr.  Benecke 1 )  die
unterschiedliche  Eigenschaft,  daß  das  Roggenmehl  vorwiegend  blaue,  das  Weizenmehl
dagegen  farblose,  wenigstens  keine  blauen  oder  bläulichen  Kleberzellen  enthält.
Diese  Unterschiede  können  in  einfachster  Weise  dazu  dienen,  Roggenmehl  in
Weizenmehl  nachzuweisen,  nicht  aber  umgekehrt  Weizenmehl  in  Eoggenmehl.
Fr.  Benecke  verfährt  wie  folgt:
100  g  des  zu  untersuchenden  Mehles  werden  in  ein  birnenförmiges  Gefäß  geschüttet,
welches  ungefähr  500—600  g  Wasser  zu  fassen  imstande  ist.  Das  Mehl  wird  bis  zu
2 / 3  der  Birne  mit  Chloroform  übergossen,  die  Birne  mit  einem  Korke  verschlossen,  darauf
tüchtig  durchgeschüttelt,  so  daß  das  Mehl  sich  gleichmäßig  verteilt.  Alsdann  füllt  man
so  viel  Chloroform  nach,  daß  nur  noch  wenige  ccm  in  der  Birne  frei  bleiben,  verschließt
letztere  wieder,  schüttelt  sie  abermals  stark  und  läßt  auf  einer  passenden  Unterlage  ruhig
stehen.  Sehr  bald  setzen  sich  Schmutz-  und  Staubpartikelohen  als  schokoladenbrauner  Bodensatz ­
  ab,  allmählich,  meist  nach  etwa  24  Stunden  (die  Zeitdauer  ist  unter  anderem  auch  wohl
von  der  Zimmertemperatur  abhängig),  findet  eine  weitere  Sonderung  der  Mehlbestandteile
statt.  Sowohl  bei  Roggen-  als  wie  bei  Weizenmehl  setzen  sich  am  Boden  vorzugsweise
die  Kleberzellen  ab,  während  oben  die  übrigen  Mehlbestandteile,  insbesondere  das  Stärkemehl, ­
  eine  feste,  dichte  Decke  bilden,  welche  kaum  eine  Kleberzelle  einschließt.  Die  sich
am  Boden  absetzenden  Kleberzellen  sind  meist  außer  geweblichem  Verband,  teils  einzelne
ganze,  teils  Bruchstücke  von  Zellen.
Zwischen  Bodensatz  und  Decke  befindet  sich  eine  mehr  oder  weniger  klare,  gelbe
Chloroformlösung.
Bei  Roggenmehl  geringster  Beschaffenheit  (Em.  II) 2 )  zeigt  die  Hauptmasse  des  Bodensatzes ­
  eine  duukel-olivengrüne  Farbe,  wie  sie  auf  der  am  Schluß  des  Buches  beigegebenen
Tafel  I  bei  I,  4  wiedergegeben  ist;  die  Decke  hat  eine  hellbraune  Farbe,  Bei  Weizenmehl
bester  Beschaffenheit  (Wm.  000)  hingegen  hat  der  Bodensatz  eine  bräunlich-gelbe  Farbe,
wie  sie  auf  der  Tafel  bei  I,  1  gemalt  ist,  und  die  Decke  besitzt  eine  fast  weiße  Farbe,  die
nach  oben  in  eine  schwach  bräunliche  Farbe  übergeht.  Die  grüne  Farbe  beim  Eoggenmehl
ist  begründet  im  Gehalt  der  Kleberzellen  an  einem  blauen  Farbstoff;  durch  Mischung  mit
gelblichen  und  bräunlichen  Mehlbestandteilen  sowie  Staubpartikelchen  kommt  die  grüne
Farbe  zustande.  Da  der  blaue  Farbstoff  dem  Weizen  fehlt,  so  zeigt  der  Bodensatz  von  Weizenmehl ­
  auch  nur  eine  gelbe  bis  braune  Färbung  ohne  jeden  bläulichen  oder  grünen  Ton.
Bin  weiterer  Unterschied  ist  quantitativer  Art:  Der  Bodensatz  ist  beim  Eoggenmehl
geringster  Beschaffenheit  weit  größer  als  bei  Weizenmehl  bester  Beschaffenheit.  Es  würde
aber  falsch  sein,  anzunehmen,  daß  dies  ein  durchgreifender  Unterschied  zwischen  Eoggenund
  Weizenmehl  sei;  er  zeigt  sich  hier  nur,  weil  eine  Eoggenmehlsorte  geringster  Beschaffenheit ­
  einer  Weizenmehlsorte  erster  Beschaffenheit  gegenübergestellt  wird.  Richtig
ist  allerdings,  daß  im  allgemeinen  der  Bodensatz  bei  Eoggenmehlen  beträchtlicher  ist  als
] )  Laudw.  Versuchs-Stationen  1889,  36,  337.
2 )  Der  Kürze  wegen  sind  im  folgenden,  wie  auch  auf  der  beigegebenen  Tafel  I  die
Eoggenmohle  mit  „Em.“  die  Weizenmehle  mit  „Wm.“  bezeichnet,  wie  es  auch  meist  in
der  Praxis  üblich  ist.  Die  Feinheit  der  Sorten  nimmt  ab  entsprechend  den  Zahlen:  000,
00,  0,  I,  II,  III.
            
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