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Untersuchung von Boden.
freiem Natriumkarbonat) zur Bestimmung von Kieselsäure, Tonerde, Eisenoxyd,
Mangan, Kalk, Magnesia aufscbließt, andererseits den Boden (nach dem Glühen)
zur Bestimmung der Alkalien (Kali und Natron) mit Elußsäure behandelt. Auf
diese Weise erhält man aber kein klares Bild darüber, in welcher Form die ein
zelnen Elemente in dem Boden enthalten sind.
Zur besseren Beurteilung der chemischen Konstitution eines Bodens wird
derselbe daher einer stufenweisen Behandlung unterworfen:
1. mit schwächeren Säuren (Salzsäure),
2. „ konz. Schwefelsäure,
3. „ Flußsäure.
Als schwächere Säuren verwendet man neben der Salzsäure (kalt und in der
Siedehitze) auch wohl kohlensäure- oder essigsäure- oder zitronensäurehaltiges
Wasser, welche letztere Lösungsmittel einen Anhaltspunkt darüber geben sollen, wie
viel von den mineralischen Nährstoffen des Bodens in leicht aufnehmharer Form für die
Pflanzen vorhanden sind. Wenngleich dieses nicht der Fall ist und sein kann, da hei der
Lösung der Nährstoffe des Bodens nicht das kohlensäure- oder humussäurehaltige
Wasser des Bodens allein in Betracht kommt, sondern die Wechselwirkung zwischen
Pflanzenwurzeln bezw. deren Ausscheidungen und den Boden-Agentien, so kann die
Behandlung mit verschieden starken Lösungsmitteln doch zur Kennzeichnung des
Bodens mit beitragen, und möge hier die Behandlung des Bodens mit verschieden
schwachen Säuren beschrieben werden.
1. Behandlung des Bodens mit schwachen Säuren.
a) Mit kohlensäurehaltigem Wasser. 1500 g lufttrookner Boden werden
mit 6000 ccm des mit Kohlensäure zu 1 / 4 gesättigten Wassers — abzüglich der
schon vorhandenen und bei 100° sich verflüchtigenden Menge Wasser ■— in einer
gut verschließbaren Flasche übergossen und durchgeschüttelt. Das 1 / 4 gesättigte
kohlensäurehaltige Wasser bereitet man in der Weise, daß man 1500 ccm Wasser
bei gewöhnlicher Temperatur und mittlerem Luftdruck vollständig mit Kohlensäure
sättigt und darauf mit 4500 ccm Wasser verdünnt. Der Boden bleibt mit dem
Wasser 3 Tage lang unter häufigem und regelmäßig wiederholtem Bollen der Flasche
auf einer weichen Unterlage in Berührung; darauf werden 2 / ä der Flüssigkeit,
nämlich 4000 ccm — entsprechend 1000 g Boden — möglichst klar abgegossen
oder mittels eines Hebers abgezogen, dieselben in einer luftdicht verschlossenen
Flasche noch etwa 24 Stunden lang ruhig stehen gelassen und durch ein doppeltes
Filter unter Bedecken des Trichters abfiltriert. Ist das Filtrat nicht klar, so dampft
man dasselbe unter Zusatz von Salzsäure auf etwa 300—400 ccm ein, filtriert von
dem abgeschiedenen Ton ab und bringt das Filtrat einschl. Waschwasser auf 500 ccm.
Soll der Boden mehrmals mit kohlensäurehaltigem Wasser 1 ) behandelt werden, so
ersetzt man die abgegossenen 4000 ccm durch eine gleiche Menge reinen, mit Kohlen
säure zu 1 j i gesättigten Wassers, läßt wiederum 3 Tage unter häufigem Bollen des
’) Ulbricht (Landw. Versuchs-Stationen 5, 200), sowie W. Wolf und Jani
(Landw. Jahrbücher 1873, 3, 392) haben gefunden, daß der erste Auszug mit (XL-haltigem
Wasser zwar mehr Pflanzennährstoffe enthält als die späteren Auszüge, daß jedoch mit
dem zweiten und dritten Auszuge bei Anwendung stets gleicher Wassermengen hinsicht
lich der Menge der gelösten Stoffe eine beinahe unveränderliche Größe erreicht wird, welche
mit der chemischen Konstitution des Bodens und seinem Gehalt an adsorbierten Nährstoffen,
sowie mit der länger anhaltenden Fruchtbarkeit desselben im Zusammenhang zu stehen
scheint.