Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

22 
Untersuchung von Boden. 
freiem Natriumkarbonat) zur Bestimmung von Kieselsäure, Tonerde, Eisenoxyd, 
Mangan, Kalk, Magnesia aufscbließt, andererseits den Boden (nach dem Glühen) 
zur Bestimmung der Alkalien (Kali und Natron) mit Elußsäure behandelt. Auf 
diese Weise erhält man aber kein klares Bild darüber, in welcher Form die ein 
zelnen Elemente in dem Boden enthalten sind. 
Zur besseren Beurteilung der chemischen Konstitution eines Bodens wird 
derselbe daher einer stufenweisen Behandlung unterworfen: 
1. mit schwächeren Säuren (Salzsäure), 
2. „ konz. Schwefelsäure, 
3. „ Flußsäure. 
Als schwächere Säuren verwendet man neben der Salzsäure (kalt und in der 
Siedehitze) auch wohl kohlensäure- oder essigsäure- oder zitronensäurehaltiges 
Wasser, welche letztere Lösungsmittel einen Anhaltspunkt darüber geben sollen, wie 
viel von den mineralischen Nährstoffen des Bodens in leicht aufnehmharer Form für die 
Pflanzen vorhanden sind. Wenngleich dieses nicht der Fall ist und sein kann, da hei der 
Lösung der Nährstoffe des Bodens nicht das kohlensäure- oder humussäurehaltige 
Wasser des Bodens allein in Betracht kommt, sondern die Wechselwirkung zwischen 
Pflanzenwurzeln bezw. deren Ausscheidungen und den Boden-Agentien, so kann die 
Behandlung mit verschieden starken Lösungsmitteln doch zur Kennzeichnung des 
Bodens mit beitragen, und möge hier die Behandlung des Bodens mit verschieden 
schwachen Säuren beschrieben werden. 
1. Behandlung des Bodens mit schwachen Säuren. 
a) Mit kohlensäurehaltigem Wasser. 1500 g lufttrookner Boden werden 
mit 6000 ccm des mit Kohlensäure zu 1 / 4 gesättigten Wassers — abzüglich der 
schon vorhandenen und bei 100° sich verflüchtigenden Menge Wasser ■— in einer 
gut verschließbaren Flasche übergossen und durchgeschüttelt. Das 1 / 4 gesättigte 
kohlensäurehaltige Wasser bereitet man in der Weise, daß man 1500 ccm Wasser 
bei gewöhnlicher Temperatur und mittlerem Luftdruck vollständig mit Kohlensäure 
sättigt und darauf mit 4500 ccm Wasser verdünnt. Der Boden bleibt mit dem 
Wasser 3 Tage lang unter häufigem und regelmäßig wiederholtem Bollen der Flasche 
auf einer weichen Unterlage in Berührung; darauf werden 2 / ä der Flüssigkeit, 
nämlich 4000 ccm — entsprechend 1000 g Boden — möglichst klar abgegossen 
oder mittels eines Hebers abgezogen, dieselben in einer luftdicht verschlossenen 
Flasche noch etwa 24 Stunden lang ruhig stehen gelassen und durch ein doppeltes 
Filter unter Bedecken des Trichters abfiltriert. Ist das Filtrat nicht klar, so dampft 
man dasselbe unter Zusatz von Salzsäure auf etwa 300—400 ccm ein, filtriert von 
dem abgeschiedenen Ton ab und bringt das Filtrat einschl. Waschwasser auf 500 ccm. 
Soll der Boden mehrmals mit kohlensäurehaltigem Wasser 1 ) behandelt werden, so 
ersetzt man die abgegossenen 4000 ccm durch eine gleiche Menge reinen, mit Kohlen 
säure zu 1 j i gesättigten Wassers, läßt wiederum 3 Tage unter häufigem Bollen des 
’) Ulbricht (Landw. Versuchs-Stationen 5, 200), sowie W. Wolf und Jani 
(Landw. Jahrbücher 1873, 3, 392) haben gefunden, daß der erste Auszug mit (XL-haltigem 
Wasser zwar mehr Pflanzennährstoffe enthält als die späteren Auszüge, daß jedoch mit 
dem zweiten und dritten Auszuge bei Anwendung stets gleicher Wassermengen hinsicht 
lich der Menge der gelösten Stoffe eine beinahe unveränderliche Größe erreicht wird, welche 
mit der chemischen Konstitution des Bodens und seinem Gehalt an adsorbierten Nährstoffen, 
sowie mit der länger anhaltenden Fruchtbarkeit desselben im Zusammenhang zu stehen 
scheint.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.