Object: Die deutsche Wirtschaft

Die Wirtschaft und die soziale Frage. 71 
kann der Mensch auch nur über den Menschen herrschen, den Menschen 
bilden, in bestimmte Gestaltungen bringen, wenn er sich den Gesetzen 
des Menschentums freudig und willig unterordnet, die unverbrüchlichen 
Gesetze des Menschentums anerkennt, gelten und walten läßt. Nur 
durch Dienen herrscht man, das ist die ewige Weisheit aller Ge- 
schichte, die auch unser verirrtes Zeitalter wieder wird lernen müssen. 
Die berufenen Führer haben die Entscheidung der deutschen Zukunft 
in der Hand, Wenn ein Volk entartet, verwildert — die Führer sind es, 
auf welche die Verantwortung zurückfällt, Wirtschaften heißt nicht 
nur wirtschaftliche Werte aus den Elementen der Natur hervorzaubern. 
Wirtschaften bedeutet zugleich auch her rs ch en, und über Menschen 
kann man nur herrschen, wenn man willig auf ihre Art eingeht, wenn 
man sie versteht und liebt, auch in ihrem Trotz noch liebt, um ihrer 
selbst willen sie von der Qual dieses Trotzes zu befreien sucht. Wir alle 
waren fleißig und arbeitsam, jeder war treu in seiner Berufspflicht. Aber 
das Geheimnis des Herrschens hatten wir nicht gekannt, weder im 
Staate noch in der Wirtschaft, Und nun glaubt alle Welt, das beste 
sei, alle Herrschaft überhaupt abzuschaffen, die allgemeine Herrschafts- 
losigkeit zu verkünden, Wir aber müssen lernen, recht zu 
herrschen in Staat und Wirtschaft, 
„Wage nur dich zu erdreisten, 
Wenn die Menge zaudernd schweift. 
Alles kann der Edle leisten, 
Der versteht und rasch ergreift,“ 
(Goethe, Faust II.)
	        
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