Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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nicht  so  ist.  Das  oben  angeführte  Unternehmen  mit  6000  Arbeitern
besitzt  diese  große  Arbeiterzahl  nur  auf  Grund  seiner  Eigenschaft  eines
kombinierten  Betriebes;  die  Weißgerbereien  selbst  in  so  großen  Betrieben
sind  verhältnismäßig  klein,  wie  überhaupt  Weiß-  und  Glacegerberei
höchstens  in  mittleren  Betrieben,  meist  sogar,  wie  die  Sämischgerberei,
in  kleineren  Betrieben  vorkommen;  denn  bei  solchen  Beurteilungen
handelt  es  sich  immer  um  das  Verhältnis,  um  den  Maßstab,  und
letzterer  gestaltet  sich  eben  in  vegetabilischen  und  Chromgerbereien  zu
einer  außerordentlichen  Größe.  Ich  habe  oben  schon  *)  die  Leistungsfähigkeit ­
  einer  Chromchevreaux-Fabrik  in  Philadelphia  erwähnt.  Es  sei  hier
noch  ein  Beispiel  angeführt:  im  Ledermarkt  wird  1906  die  Zukunft
der  kleinen  Betriebe  in  Amerika  besprochen;  dort  heißt  es:  „Wenn  ich
von  kleinen  Gerbern  spreche,  so  denke  ich  dabei  an  solche,  welche  täglich
300—500  Hälften  und  500—1500  Kalbfelle  machen.  Diese  wurden
noch  vor  10  Jahren  als  große  Gerber  angesehen,  heute  aber  sind  Gerber
da.  welche  täglich  800—2000  Hälften  machen,  und  eine  Firma  schickt
sich  an,  ihren  Betrieb  so  zu  vergrößern,  daß  sie  täglich  4500  Hälften
Narbenleder  außer  den  Spaltstücken  herstellen  kann"  *).  Wir  sehen
hier,  wie  alle  Verhältnisse  in  einer  Umbildung  begriffen  sind,  der  Maßstab ­
  wächst  ins  Riesengroße;  da  aber  die  Verhältniszahlen  für  die
Konstanz  von  vorhandenen  Zuständen  notwendig  die  gleichen  bleiben
müssen,  so  müssen  sich  die  kleinen  Betriebe  und  auch  das  Handwerk
diesem  höheren  Maßstabe  anpassen.  Daher  ist  es  wohl  nicht  angängig,
als  Handwerk  schlechthin  alle  Betriebe  zu  bezeichnen,  wenn  sie  nur
1—5  Arbeiter  beschäftigten,  sondern  um  den  Betriebsumfang  des  Handwerks ­
  richtig  angeben  zu  können,  ist  es  nötig,  die  Zahl  und  die  Größe
der  in  jedem  Gewerbe  vorhandenen  großen  Betriebe  zu  kennen.  Wie
schon  mehrmals  angedeutet,  gibt  uns  die  Statistik  kein  Mittel  an  die
Hand,  für  die  verschiedenen  hier  aufgestellten  Kategorieen  der  Weißgerberei ­
  im  weiteren  Sinne  des  Wortes  zahlenmäßig  Verhältnisse  zu
finden;  die  allgemeinen  Zahlen  aber  für  Gerberei  oder  Lederindustrie
sind  für  uns  hier  unbrauchbar s ).
Die  verschiedenen  Phasen  des  Konkurrenzkampfes  der
Produktionsprinzipien  untereinander  und  sein  Ergebnis  haben  wir
bereits  dargelegt;  wir  haben  gesehen,  wie  die  Absatzgebiete  für  Weiß  und
Sämisch  wie  auch  für  Glace  immer  kleiner  geworden  sind  Z;  den  Kampf
zwischen  Handwerk  und  Großbetrieben  haben  wir  ebenfalls  verfolgt,  und  hier
haben  wir  gesehen  °),  daß  das  Handwerk  in  seinen  neueren  Formen  der
')  Vgl.  S.  120.  *}  Ledermarkt  1906,  Nr.  68,  S.  15.
3 )  Siehe  diese  entweder  in  den  stat.  Jahrbüchern  oder  in  Berliner  Berichte  1909,
S.  1278;  oder  Jörissen  1909,  S.  162,  163,  Anhang  S.  100.
*)  Vgl.  S.  125  ff.  °)  Vgl.  S.  286  ff.
            
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