Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

372

häute,  Kuh-  und  Kalbshäute  *).  Die  Nürnberger  Jrher-Ordnung  von
1629  nennt  als  Häute-  und  Fellprovenienzen  1641  Böhmen,  Pfalz,
Franken 2 ),  1759  werden  Häute  „in  viel  tausenden  jährlich  aus  Pohlen
nach  Danzig  und  von  da  nach  Lübeck  in  die  See-Städte  und  nach
Amsterdam  gebracht  und  allda  verarbeitet.  Nicht  wenige  kommen  aus
Ungarn  durch  Österreich  über  Nürnberg  und  Frankfurt  nach  Niederland ­
  und  an  den  Rheinstrom" 2 );  die  französischen  Sämischgerber  bezogen ­
  um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  Gemshäute  aus  den  Gebirgen ­
  der  Schweiz,  aus  den  Pyrenäen  und  aus  den  Alpen  4  *  * );  Schlözer
führt  unter  dem  Stettiner  Handel  des  Jahres  1783  322  Decher  Häute
und  5469  Decher  Felle  auf 2 );  Keeß  erwähnt  am  Anfang  des  19.  Jahrhunderts, ­
  daß  der  Handel  mit  rohen  Häuten  größtenteils  in  den  Händen
der  Juden  sei,  welche  dieselben  in  Ungarn,  Polen,  Böhmen  usw.  zusammenkaufen ­
  und  dann  in  größeren  Partieen  zum  Markte  bringen 2 );
Gülich  erwähnt  1830  als  Häuteimportländer  unter  anderen  auch  Sardinien ­
  7 ),  Südrußland 8  * )  und  die  Fürstentümer  Moldau,  Walachei  und
Bulgarien 8  * );  Dieterici  endlich  führt  1829/30  eine  Mehreinfuhr  von
Häuten  und  Fellen  im  preußischen  Staate  von  72900  Ztr.  gleich
5,21  °/ 0  der  Gesamtsumma  "),  1844  eine  solche  von  190000  Ztr.  gleich
5,93"/,  an").  1899  z.  B.  betragen  die  Rindshäute  1,4°/ 0  des  Einfuhrwertes ­
  "),  und  sie  stellen  den  größten  Teil  der  importierten  Hautmaterialien ­
  dar  1S ).
Diese  zahlreichen  Beispiele  zeigen,  daß  der  Häutehandel  immer
schon  eine  ziemliche  Wichtigkeit  besessen  hat;  ein  quantitativer  Ausdruck
für  seine  Bedeutung  liegt  allerdings  erst  aus  dem  19.  Jahrhundert  vor,
und  hier  sehen  wir,  daß  die  relative  Bedeutung  früher  größer  gewesen
ist  und  langsam  abgenommen  hat.  Die  Methode  der  Konservierung
mag  hauptsächlich  die  Hauttrocknung  gewesen  sein.
Der  Mechanismus  des  Häuteverkaufs  an  den  großen
Stapel-  und  Häuteimportplätzen  ist  heute  nicht  verschieden  von  dem  der
übrigen  Welthandelsartikel.  Platzusancen  ")  an  den  Hauptmärkten,  Häute->)

  Simonsfeld  1887,  Bd.  II,  S.  197.  -)  Nürnberg  1629.
')  Becher  1759.  Bd.  II,  S.  1369.  *)  Schauplatz  1775,  Bd.  IV,  S.  88.
»)  Schlözer  1785,  Bd.  VIII,  S.  442.
e )  Keetz  1819,  Bd.  I,  S.  316;  Weiskirchner  1896,  S.  485.
7 )  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  164.  8 )  Gülich  1830,  Bd.  IV,  281.
")  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  307.  I0  *  * J  Dieterici  1838,  1829/31,  34.
“)  Dieterici  1838,  1844,  S.  634.
12 )  Wirtschaflskunde  1904,  S.  49;  vgl.  auch  Scherzer  1885,  S.  336  f.
Über  die  Häuteausfuhr  aus  England  während  der  Regierungszcit  Heinrichs ­
  VIII  vgl.  G.  Schanz,  Engl.  Handelspolitik,  Leipzig  1881,  Bd.  II,  S.  109  s.  u.  76  f.
")  Vgl.  Mag.  Böripar  1896,  Nr.  7;  Gerber  Courier  1893,  Nr.  5,  7,  9;
Schönmann's  Journal  1901,  Nr.  9.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.