Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Mehr  als  zwei  Jahrzehnte  hindurch  verharrte  dann  die  Produktion ­
  in  völliger  Stagnation  und  erhielt  einen  neuen  Anstoss
erst  wieder  durch  die  amerikanischen  Oelfunde  von  1859  ab.
Als  es  dann  auch  gelang,  die  Raffinationsmethoden  etwas  zu
verbessern,  hob  sie  sich  zwar  stetig,  aber  infolge  ungünstiger
zollgesetzlicher,  Transport-  und  Absatzverhältnisse  überaus  langsam ­
  :  von
219000  dz.  i.  J.  1873  auf
510  000  »  »  »  1883  und
1  600  000  »  »  »  1893.
Dann  langsam  weiter  steigend,  betrug  sie

1895  —  2  148  000  dz.
1896  —  3  397  650  »
1897  —  3  096  263  »
1898  —  3  231  420  »
1899  —  3216810  »
1900  —  3  253  340  »

1901  —  4522000  dz. 1 )
1902  —  5760000  »
1903  —  7  133  300  »
1904  —  8  271  167  »
1905  —  8  017  964  »

Von  der  Gesamtproduktion  entfielen  1904  auf  Boryslaw  allein ­
  66%,  1905  über  68  %,  während  die  Produktion  von  Schodnica
  von  1  079  700  dz.  im  Jahre  1903  auf  726273  dz.  (=  8 3 / 4  %
der  Gesamtproduktion)  im  Jahre  1904  und  602018  (=  7 1 / 2 %  der
Gesamtproduktion)  im  Jahre  1905  zurückging.
Von  Anfang  an  stand  die  junge  Industrie  unter  einem  ungünstigen ­
  Stern.  Vor  allem  waren  schon  die  Gestehungskosten
an  sich  hoch.  Die  Bohrlöcher  hatten  eine  Tiefe  von  900—1100  m
und  vergalten  das  aufgewendete  Kapital  nicht  durch  eine  entsprechende ­
  Ergiebigkeit:  in  die  Produktion  teilen  sich  342  Unternehmungen, ­
  die  über  400  Bohrlöcher  im  Betriebe  unterhielten 2 ).
Sodann  wirkten  eine  falsche  Zollpolitik  der  Regierung,  die  den
Absatz  nach  dem  Auslande  erschwerte,  ohne  das  Inlandsgeschäft
zu  kräftigen,  die  übergrosse  Anzahl  neu  entstandener  Fabriken
und  die  weichende  Tendenz  der  Preise  (Rohöl  kostete  1873
fl.  11.—  per  100  kg.  loco  Grube,  1893  nur  noch  fl.  3,12;  in  den
letzten  Jahren  ist  infolge  der  Kartellierung  die  Notierung  um
mehrere  fl.  höher)  ungünstig  ein.  Schon  1888  hatte  sich  die  Lage
so  bedenklich  gestaltet,  dass  viele  Raffinerien  sich  in  diesem  und
dem  folgenden  Jahre  zur  Einstellung  des  Betriebes  gezwungen
sahen.  Der  Rest  musste  einen  modus  vivendi  suchen  und
fand  ihn,  wenigstens  vorläufig,  nach  grossen  Schwierigkeiten  den
1.  Mai  1893  durch  Gründung  des  »Verbandes  der  österreichisch1) ­

  Nach  »Nachrichten  für  Handel  und  Industrie«,  1905  Nr.  34  vom  27.  März.
2)  Zeitschrift  »Petroleum«,  1906,  Bd,  19,  S.  698.
            
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