Full text: Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

29 
ungarischen Raffinerien«, dem fast sämtliche Unternehmer bei 
traten. Zunächst auf zwei Jahre geschlossen, wurde er auf mehrere 
Jahre verlängert. 
Da er jedoch auf die Dauer den Erwartungen nicht entsprach 
und immer mehr Outsiders auftraten, wurde er 1897 aufgehoben. 
Jahrelang herrschte dann völlige Anarchie mit ihren ruinösen 
Folgen, bis sich aus dem Wirrwarr im Juli 1902 das »Export 
verkaufsbureau österreichischer Petroleum-Raffinerien« heraushob, 
dem folgende fünf grösseren Firmen angehörten: 
Galizische Karpathen-Petroleum-A.-G., Maryampole (16 Mil 
lionen Kronen). 
Schodnica, A.-G. für Petroleumindustrie, Dzieditz (10 Mil 
lionen Kronen). 
Mineralölraffinerie David Fanto & Co., Pardubitz. 
Ostrauer Mineralölraffinerie Max Böhm & Co., Mähr.-Ostrau. 
Gartenberg & Schreier, Jaslo. 
Einen grossen Fortschritt zeitigte dieser Zusammenschluss 
insofern, als die grössten Qualitätsdifferenzen jetzt endlich be 
seitigt wurden und an ihre Stelle die »Garantie absolut gleich- 
mässiger Qualität« trat, die in Wirklichkeit allerdings noch immer 
nicht erreicht ist. An Kurzlebigkeit war die neue Organisation 
jedoch eine würdige Nachfolgerin der ersten Konzentrationsbe 
strebungen. Schon nach zweijährigem Bestehen wurde auch sie 
aufgelöst, bez. umgewandelt in die »A.-G. für österreichische 
und ungarische Mineralölprodukte«. Sie hat sich zur Aufgabe 
gestellt, die von den sog. Exportraffinerien (d. h. Raffinerien, die 
zwecks besserer Ausnutzung ihrer grossen Anlagen ausser für 
den Inlandsbedarf auch für Export arbeiten) produzierte Raffinade 
im Auslande abzusetzen. In Deutschland besitzt sie ungefähr ein 
Dutzend kleiner Tankanlagen. 
Die dem Kartell angehörenden Raffinerien beziehen das von 
ihnen für Exportzwecke verwendete Petroleum zu Vorzugspreisen 
nebst anderen Vergünstigungen (ca. 19% der Raffinade werden 
ihnen für den Verkauf im Inlande gelassen) von der »Petrolea«. 
Diese ist eine Genossenschaft, die unter Mitwirkung der öster 
reichischen Kreditanstalt 1903 (mit 2 Millionen Kronen) von den 
Produzenten-Raffinerien als Kommissionär und Magazineur der mit 
ihnen liierten Produzenten gegründet wurde und die Regelung des 
Rohölverkehrs bezweckte. Infolge zu hoher Vorschüsse und zu 
niedriger Einlagerungsgebühren sammelten sich bei ihr rasch so
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.