Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

62

blieb,  auch  mit  solchen  Händlern  Geschäfte  zu  machen,  die  von
ihr  selbst  nichts  wissen  wollten.
Mit  den  kleineren  Zwischenhändlern  machte  man  weniger
Umstände.  Man  liess  ihnen  die  Wahl,  ob  sie  einen  Vertrag  eingehen
  wollten  oder  nicht.  Verhielten  sie  sich  ablehnend,  so
mussten  sie  ihren  Absatz,  hoffnungslos  schwinden  sehen,  ohne
irgend  eine  Entschädigung  dafür  zu  erhalten.  Die  Einsichtigeren
entschlossen  sich  daher  meist  zu  einem  Vertrag,  der  ihnen  wenigstens ­
  für  einige  Jahre  eine  angemessene  Ausfallentschädigung
bot  und  ihnen  obendrein  gewisse  kleine  Vorteile  beim  Einkauf
sicherte.  Die  Mindestverkaufspreise  waren  ihnen  vorgeschrieben,
Mehrforderungen  durften  sie  stellen.  Das  Resultat  solcher  Abmachungen ­
  liegt  auf  der  Hand  :  die  Grosshändler  wurden  zu  einem
willenlosen  Werkzeug  der  D.-A.-P.-G.  Versuchten  sie  wirklich
einmal  die  Fesseln  abzustreifen,  so  wurden  sie  durch  eine  brutale ­
  Preispolitik  bald  mürbe  gemacht.  Ein  Kampf  ist  für  sie,  da
sie  keinen  festen  Rückhalt  haben  und  ihr  Absatzgebiet  beschränkt
ist,  auf  die  Dauer  aussichtslos.  Um  so  mehr,  da  ihn  die  D.-A.-P.-G.,
  wenn  auch  unter  augenblicklichen  eigenen  Verlusten,  ausfechten ­
  muss.  Hat  sie  doch  an  der  Vernichtung  des  Zwischenhandels ­
  ein  vitales  Interesse.
Bislang  war  immer  nur  von  der  D.-A.-P.-G.  die  Rede.  Sie
ist  bei  weitem  die  bedeutendste  in  Deutschland  arbeitende  Petroleumgesellschaft, ­
  operierte  am  ersten  mit  solchen  Verträgen,
und  ihr  Vorgehen  ist  für  die  andern  Gesellschaften  typisch.  Das
Verhältnis  dieser  Gesellschaften  zu  einander  ist  später  noch  zu
besprechen.
In  ausgedehnter  Weise  brachte  auch  die  Schwestergesellschaft
der  D.-A.  P.-G.,  die  Mannheim-Bremer-Petroleum-Aktiengesellschaft, ­
  solche  Verträge  zur  Anwendung.  Sie  erregten  s.  Zt.,  als  zuerst ­
  etwas  darüber  in  die  Oeffentlichkeit  drang,  einen  solchen
Sturm  der  Entrüstung,  dass  sie  —  1897  —  sogar  zu  einer  Interpellation ­
  im  Reichstage  Veranlassung  gaben.  Die  Folge  war,
dass  einige  verfängliche  Klauseln  beseitigt  wurden,  sonst  aber
alles  beim  alten  blieb.
Bemerkenswert  ist,  dass  die  Fesselung  des  freien  Handels
nicht  allein  von  den  beiden  eben  erwähnten  Gesellschaften,  sondern ­
  in  ganz  ähnlicher  Weise  auch  von  den  anderen  grossen  Importfirmen ­
  angestrebt  wird.  Selbst  die  Pure  Oil  Company,  die,
weil  »unabhängig«,  von  den  enragierten  »Monopolgegnern«  ge-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.