Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Ein  Ueberpumpen  ist  nicht  nötig,  denn  die  Zisternen  bleiben  auf
dem  Geleise  stehen,  und  innerhalb  einer  halben  Stunde  entleert
sich  ihr  Inhalt  durch  einen  Verbindungsschlauch  ohne  einen
Tropfen  Verlust  durch  eigenes  Gefälle  in  den  tiefer  liegenden
Tank.  Aus  diesem  wird  das  Oel  durch  eine  Handpumpe  in  die
1500  bis  3000  Liter  fassenden  Strassentankwagen  übergepumpt,
die  es  den  Händlern  im  Umkreise  von  etwa  20  km  regelmässig
zufahren  und  es  in  die  in  ihren  Läden  gegen  eine  geringe  Montagegebühr, ­
  oft  ganz  gratis  aufgestellten  eisernen  Pumpbehälter
{125  bis  1000  Liter  Inhalt)  schütten.  Das  Mindestquantum,  das
abgegeben  wird,  ist  20  Liter.  Der  genau  justierte  automatische
Kontrollapparat  des  Wagens  und  die  geaichten  Transportkannen
gewährleisten  eine  fast  absolute  Massgenauigkeit.  —  Ganz  Deutschland ­
  wurde  in  genau  abgegrenzte  Bezirke  eingeteilt  und  für  einen
jeden  am  liebsten  ein  früherer  mit  der  Kundschaft  bekannter
Grosshändler,  sonst  ein  Spediteur,  als  »Provisionsvertreter«  bestellt. ­
  Er  erhält  von  seiner  Hauptstelle  die  genauesten  Direktiven
über  Preise,  Verkaufsmodus  u.  s.  w.  und  muss  sich,  bei  hoher
Konventionalstrafe  für  jeden  Kontraventionsfall,  verpflichten,  ohne
Genehmigung  der  D.-A.  P.-G.  nicht  über  seinen  Rayon  hinaus  zu
verkaufen.  Um  ihn  mehr  für  das  Geschäft  zu  interessieren,  erhält ­
  er  keinen  festen  Satz,  sondern  eine  kleine  Vergütung  für
jedes  verkaufte  Liter,  wogegen  er  sämtliche  direkte  Unkosten
nach  Anlieferung  des  Oeles  zu  tragen  hat.  Als  Provisionssatz
geben  Brackel-Leis  (S.  378)  J / 6 —*/ 4  Pfg.  pro  Liter  an.  Meine
Erkundigungen  bei  mehreren  solchen  Provisionsvertretern  ergaben
dagegen,  dass  sie  3 / 4 —I  Pfg.  auf  jedes  in  der  Stadt  bez.  dem
Wohnorte  selbst,  1  */ 4 —U/2  auf  jedes  in  der  Umgegend  abgelieferte
Liter  Petroleum  erhalten.  Da  die  Bezirke  alle  eine  gewisse  Grösse
haben,  so  erscheint  dieser  Satz  ganz  angemessen.
Immer  je  40—50  solcher  Bezirke  sind  einer  Hauptstation  (in
Sachsen  sind  es  Dresden,  Chemnitz  und  Leipzig,  dann  im  weiteren ­
  Umkreis  Breslau,  Berlin,  Magdeburg,  Erfurt,  Kassel  und
Nürnberg)  unterstellt,  die  ihrerseits  wieder  straff  und  einheitlich
von  Hamburg,  der  Zentralstelle  für  ganz  Deutschland,  geleitet
werden.  So  ist  das  ganze  Reich  von  einem  starken,  engmaschigen
Netz  überspannt,  und  eine  Hand  bestimmt  die  Politik  vieler
Hunderte  von  Unterstellen.  Noch  1902  hatte  Schneider  (»Der
Petroleumhandel«,  S.  83)  den  direkten  Verkauf  an  die  Detaillisten ­
  für  eine  Unmöglichkeit  erklärt.  Die  Tatsachen  haben  glän-Zeitschrift
  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  20,  5
            
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