Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

I

Einleitung.
Die  letzten  Jahrzehnte  sind  eine  Zeit  der  Konzentration  auf
sehr  vielen  Gebieten  des  Wirtschaftslebens,  der  Urproduktion  wie
der  Handelsbetriebe,  gewesen.  Die  überlieferten  Formen  waren
oft  für  die  gewaltig  gesteigerten  Ansprüche  der  modernen  Volkswirtschaft ­
  nicht  gross,  nicht  elastisch  genug;  sie  mussten  fallen
und  machten  vollkommeneren  oder  wenigstens  umfassenderen
Schöpfungen  Platz.  Besonders  die  neue  Welt  war  der  Boden,
auf  dem  weltbeherrschende  Monopole  erwuchsen.  Es  entstanden
die  der  älteren  Volkswirtschaft  ganz  unbekannten  Gebilde,  die  wir
jetzt  als  Interessengemeinschaften,  Kartelle,  Syndikate,  endlich  in
ihrer  höchsten  und  festesten  Form  als  Trusts  bezeichnen.
Diese  Entwicklung  finden  wir  auf  allen  Gebieten  des  Wirtschaftslebens ­
  wieder.  Man  denke,  um  nur  einiges  herauszugreifen,
an  die  grossartigen  Zusammenschlüsse  in  der  Elektrizitätsindustrie, ­
  an  die  immer  weiter  durchgeführte  Konzentration  im  Bankgewerbe, ­
  an  die  neuerdings  erfolgten  riesenhaften  Kartellierungen
und  Syndizierungen  im  Montangewerbe  (Stahl,  Kupfer,  Kohlen,
Kali  u.  s.  w.);  man  denke,  um  wirkliche  Trusts  zu  nennen,  an  den
Sugar  Trust,  den  Cotton  Oil  Trust  u.  a.  m.
Neben  anderen  nimmt  die  hervorragendste  Stelle  unter  diesen
Formen  modernen  Grossbetriebes  der  Standard  Oil  Trust  ein.
Er  ist  der  erste  eigentliche  »Trust«  und  für  die  späteren  ähnlichen
Bestrebungen  vorbildlich  gewesen.  Er  ist  es  auch,  der  noch  jetzt
wohl  die  vollkommenste  Organisation  dieser  Art  darstellt.  Begünstigt, ­
  besonders  in  seiner  Entstehungszeit,  durch  eine  lokal
beschränkte  Produktionsmöglichkeit,  dann,  als  andere  von  ihm
nicht  beherrschte  Gebiete  als  Produzenten  auftraten,  durch  die
bessere  Qualität  der  von  ihm  vertriebenen  Ware,  hat  er  es  verstanden, ­
  länger  als  ein  Vierteljahrhundert  hindurch  nicht  nur  in
dem  ersten  und  hauptsächlichsten  Produktionslande  selbst  die
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  20.  I
            
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