Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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vertreibt,  ist  die  in  Breslau  domizilierte  »Gesellschaft  für  russische
Naphthaprodukte,  m.  b.  H.«  Ihr  Kapital  beträgt  270  OOO  Mk.  Sie
hat  nur  in  Ostdeutschland  einen  unbedeutenden  Absatz.  Mit
Nobel  bez.  Rothschild  steht  sie  nicht  in  Verbindung.
Ein  weit  gefährlicherer  Gegner,  als  die  Russen  es  waren  bez.
sind,  ist  der  D.-A.  P.-G.  in  der  Petroleum  Produkte  A.-G.  (»P.  P.
A.-G.«)  entstanden.  Ihre  Entstehung  ist  schon  kurz  im  Abschnitt
über  Rumänien  berührt.  1902  wurde  sie  von  der  Shell  Transport
and  Trading  Co.  unter  der  Maske  ihres  Vertreters  Rudeloff  durch
Uebernahme  der  russischen  Importfirma  Gehlig,  Wachenheim  &  Co.
mit  3  Millionen  Mark  gegründet;  Anfang  1904  wurde  ihr  Kapital
unter  Mitwirkung  der  Deutschen  Bank  auf  9  Millionen  Mark,  1905
auf  12  Millionen  Mark  erhöht 1 ).  Die  Bank  hoffte,  durch  diese
Finanzierung  den  Absatz  ihrer  rumänischen  Oele  in  Deutschland
zu  heben,  und  übertrug  der  P.  P.  A.-G.  den  Alleinverkauf  der
Produktion  der  Steaua  Romänä,  hat  aber  nicht  viel  Glück  damit
gehabt.  Der  Import  aus  Rumänien  ging  rapid  zurück  und  kommt
fast  nur  noch  für  Bayern  und  einen  Teil  von  Nordwestdeutschland
in  Frage.  Den  Hauptprozentsatz  ihres  Absatzes  deckt  die  P.  P.
A.-G.  mit  dem  Texasöl  der  Shell  Co.  Sie  mischt  dieses  ca.  820  g
schwere,  billige  Oel  zu  etwa  2 /s  mit  pennsylvanischem  der  Pure
Oil  Co.,  bringt  die  Mischung  als  »amerikanisches«  Petroleum  in
den  Handel  und  macht  mit  ihm  der  D.-A.  P.-G.  gefährliche  Konkurrenz. ­
  Sie  hat  sich  öffentlich  verpflichtet,  stets  */ a  Pfg.  pro
Liter  billiger  zu  liefern  als  die  D.-A.  P.-G.,  ist  stellenweise  aber
noch  billiger.  Auch  in  den  Provisionsverträgen  ist  ein  derartiger
Passus  eingefügt.  Die  betreffende  interessante  Stelle  lautet  wörtlich: ­
  ».  .  .  doch  ist  die  P.  P.  A.-G.  verpflichtet,  die  Literverkaufspreise ­
  ex  Strassentankwagen  stets  so  zu  stellen,  dass  sie  unter
normalen  Verhältnissen  */ 2  Pfg.  pro  Liter  unter  den  entsprechenden ­
  Forderungen  der  D.-A.  P.-G.  bez.  der  M.-B.  P.  A.-G.  .  .  .
auskommen,  jedenfalls  aber  konkurrenzfähig  sind.«  —  Dass  die
Preise,  wenigstens  in  Mitteldeutschland,  vom  Sommer  1904  bis
zum  Sommer  1905  um  durchschnittlich  3  Pfg.  pro  Liter,  d.  h.  um
etwa  15—20%,  gesunken  sind,  ist  vornehmlich  der  P.  P.  A.-G.
zuzuschreiben,  denn  die  D.-A.  P.-G.  war  zu  Preisherabsetzungen
genötigt,  um  sich  ihren  Kundenstand  zu  erhalten.  Infolge  der
1)  Von  den  letzten  3  Millionen  Mark  übernahmen  die  Deutsche  Petroleum-Aktiengesellschaft ­
  und  die  Steaua  Romänä  (beides  Gesellschaften  der  Deutschen  Bank),
je  die  Hälfte.
            
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